Stand: 04.09.2015 19:30 Uhr

Imtech soll bis November verkauft werden

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Die Imtech-Zentrale in Hamburg: Seit August ist die Baufirma insolvent.

Der insolvente Bauausrüster Imtech Deutschland soll bis Anfang November verkauft werden. "Wir wollen einen schnellen Verkauf, damit der Betrieb auf sicheren Beinen steht", sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Peter-Alexander Borchardt am Freitag. Schließlich würden jetzt von Bauherren Verträge für 2016 und die Folgejahre vergeben.

"Eine Zerschlagung ist nicht angestrebt", bekräftigten sein Kollege Tjark Thies, vorläufiger Insolvenzverwalter von Gesellschaften des Imtech-Konzerns. Vielmehr solle das in Hamburg ansässige Unternehmen mit seinen 38 Niederlassungen als Ganzes verkauft werden.

Schwierigkeiten durch Missmanagement

Imtech Deutschland arbeitet am neuen Hauptstadtflughafen BER und hatte im August Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen ist noch auf 650 Baustellen in Deutschland tätig, darunter auch bei der Sanierung des Kölner Oper- und Schauspielhauses, dessen für November geplanter Eröffnungstermin platzte. Aus Sicht der Insolvenzverwalter war Imtech durch Missmanagement bis Ende 2012 in die Turbulenzen geraten.

Nach Abschluss des Firmenverkaufs will sich das Unternehmen intensiv "mit den Schatten der Vergangenheit beschäftigen" und muss prüfen, ob Tatbestände der Insolvenzverschleppung vorliegen. Kontakte mit dem Kartellamt oder der Staatsanwaltschaft habe es bislang nicht gegeben. Von den 40 Interessenten an Imtech - "zu 90 Prozent strategische Wettbewerber aus dem In- und Ausland" - hätten sich zehn als "hervorragend" für die Übernahme geeignet gezeigt, berichteten die Insolvenzverwalter.

Mitarbeiter sollen übernommen werden

Knapp eine Handvoll habe bereits unverbindliche Angebote für den Großteil des Unternehmens abgegeben. Der Kaufpreis sei nur ein Argument bei der Auswahl im absehbaren Bieterverfahren, berichtete Thies. Wesentlicher aber sei, dass der Großteil der bisher rund 4.200 Mitarbeiter übernommen werde. Dadurch entfielen spätere Lohnansprüche gegenüber Imtech. Die Mitarbeiter erhalten für drei Monate bis Ende Oktober Insolvenzgeld.

Der Umsatz für Deutschland und Osteuropa betrug im vergangenen Jahr 860 Millionen Euro, der Verlust 126 Millionen Euro. Bei Anmeldung der Insolvenz hatte Imtech nach Angaben der Insolvenzverwalter 85 Millionen Euro Verbindlichkeiten, im Wesentlichen gegenüber Lieferanten. Hinzu kommen rund 50 Millionen Euro Forderungen, unter anderem von der Bundesagentur für Arbeit, sowie weitere noch unbezifferte Regressforderungen wegen gekündigter Bauverträge.

Insolvenzverwalter reduzieren Zahl der Baustellen

Außerdem könnten bis zu 400 Millionen Euro Verbindlichkeiten aus Bürgschaften anfallen. Eine Insolvenzquote - also das Verhältnis des noch vorhandenen Vermögens zur Summe aller Verbindlichkeiten - konnten die Verwalter noch nicht nennen. Die Insolvenzverwalter haben die Zahl der Baustellen und Projekte von 850 auf rund 650 zurückgefahren.

Nach Borchardts Angaben wurden Vorhaben eingestellt, die sich nicht gerechnet hätten. Die Beziehungen zu den Lieferanten und Subunternehmern seien stabil. Von den rund 4.400 Service- und Wartungsverträgen sei bislang nur einer gekündigt worden. Imtech selbst hat gegenüber Kunden Forderungen von 162 Millionen Euro, von denen aber rund 70 Millionen Euro noch strittig seien - unter anderem für Arbeiten am Berliner Flughafen.

Muttergesellschaft ebenfalls insolvent

Dort sind derzeit 140 Imtech-Mitarbeiter beschäftigt. Ihre Zahl solle aufgestockt werden, um Anlaufverzögerungen durch das Insolvenzverfahren wieder aufzuholen, wie Borchardt ankündigte - ohne eine Zahl zu nennen. Auch die niederländische Muttergesellschaft Royal Imtech ist insolvent und teilweise bereits verkauft. Ihr gegenüber hatte die deutsche Firma rund 21 Millionen Euro Forderungen.

Vor mehr als 150 Jahren wurde das Unternehmen von Rudolf Otto Meyer in Hamburg gegründet, er versorgte unter anderem das Rathaus mit Fernwärme. 1997 übernahmen die Niederländer die Hamburger Firma. Von 2010 bis 2015 war Imtech Namenssponsor des HSV-Stadions.

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