Stand: 14.01.2016 12:40 Uhr

Geschwister des misshandelten Babys in Obhut

Die vier Geschwister des in Hamburg-Osdorf misshandelten Babys sind aus der Familie genommen und in einem Kinderschutzhaus untergebracht worden. Das sagte ein Sprecher des Bezirksamts Altona am Donnerstag. Die Mordkommission ermittelt gegen die 25 Jahre alte Mutter und ihren 21-jährigen Lebensgefährten. Sie stehen unter Verdacht, ihr neun Monate altes Baby im vergangenen November fast zu Tode geschüttelt zu haben.

Schütteltrauma, Schädelbruch, Notoperation

Die Mutter sei mit ihrem Sohn in die Notaufnahme eines Krankenhauses gekommen, wo Ärzte das Schütteltrauma und einen Schädelbruch feststellten, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Das Kind musste sofort operiert werden. Es ist inzwischen außer Lebensgefahr und bei einer Pflegefamilie untergebracht.

Eine Rechtsmedizinerin erstellte ein Gutachten und erstattete im Dezember Anzeige - wie zuvor schon eine Mitarbeiterin des Jugendamts Altona. Daraufhin habe sich der Verdacht des versuchten Totschlags gegen die Mutter und deren Lebensgefährten erhärtet, teilte die Polizei weiter mit. Die Eltern bestreiten die Vorwürfe. Medienberichten zufolge ist der Fall erst jetzt bekannt geworden, weil die Staatsanwaltschaft bislang verdeckt ermittelte. Auch die Kontrolleure der Jugendhilfeinspektion wurden eingeschaltet und suchen jetzt nach möglichen Fehlern der Ämter.

Familie vom Jugendamt betreut

Bild vergrößern
In diesem Wohnblock in Osdorf soll der kleine Junge von seiner Mutter und ihrem Lebensgefährten misshandelt worden sein.

Die Polizei durchsuchte die Wohnung der Eltern und sicherte Beweismittel. Die Beschuldigten wurden von der Polizei vernommen, sind aber auf freiem Fuß. Das Baby war ein Frühchen und weil in der Familie schon vier weitere Kinder leben, hatten Mitarbeiter des Jugendamtes den Eindruck, die Mutter sei überfordert. Deswegen wurde das Baby vorübergehend von einer Pflegefamilie betreut, kam aber wieder zurück zu seinen Eltern als es ihm besser ging, wie NDR 90,3 berichtet. Zwei Sozialpädagogen hatten die Familie aus Osdorf im Blick, es soll aber keine Hinweise auf eine Kindeswohlgefährdung gegeben haben.

Erst am 19. Dezember war der zwölf Monate alte Tayler nach einer schweren Misshandlung im Universitätsklinikum Eppendorf gestorben. Todesursache waren laut einer Obduktion schwerste Hirnverletzungen, die er ebenfalls durch ein Schütteltrauma erlitten haben soll. Gegen die 22-jährige Mutter aus Altona-Nord und ihren 26 Jahre alten Freund, der nicht der Vater des Jungen ist, wird wegen eines Tötungsdelikts ermittelt. Das Kind wurde vom Jugendamt Altona betreut.

Weitere Informationen

Schütteltrauma: Lebensgefahr für Babys

Das Schütteltrauma ist die häufigste Misshandlung bei Säuglingen, die für etwa 100 bis 200 Babys pro Jahr allein in Deutschland tödliche Folgen hat. Täter sind oft die Eltern. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 14.01.2016 | 10:00 Uhr

Bericht zu Taylers Tod erst in einigen Wochen

Der Fall Tayler hat kurz vor Weihnachten für Entsetzen in Hamburg gesorgt. Nun befasst sich der Kinder- und Jugendausschuss der Bürgerschaft mit dem Tod des Einjährigen. (06.01.2016) mehr

mit Video

Tayler: Zeitpunkt der Tat ist weiter unklar

Wann genau wurde der kleine Tayler aus Hamburg so schwer misshandelt, dass er starb? Das ist weiter unklar. Der Einjährige war später im Krankenhaus schwersten Hirnverletzungen erlegen. (28.12.2015) mehr