Sendedatum: 04.11.2014 21:15 Uhr  | Archiv

Aufgedeckt: Neonazis als Sicherheitsleute?

von Julian Feldmann & Jörg Hilbert

Sicherheitsdienste stehen immer wieder in der Kritik, oft wegen Gewalttätigkeiten: Jüngst sorgten Misshandlungsfälle in Flüchtlingsunterkünften in Nordrhein-Westfalen durch Sicherheitsleute für Aufsehen. Nun zeigen Recherchen von Panorama 3, dass ein Hamburger Sicherheitsdienstleister Verbindungen in die rechte Szene hat.

Frank Müller, Vorsitzender des DSD in Hamburg.

Aufgedeckt: Neonazis als Sicherheitsleute?

Panorama 3 -

Der Sicherheitsdienst DSD bewacht ein Einkaufszentrum in Hamburg-Steilshoop. Was die Kunden jedoch nicht ahnen: Zu den Wachleuten gehören mutmaßliche Neonazis.

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Sie sollen für Recht und Ordnung im Einkaufszentrum im Hamburger Stadtteil Steilshoop sorgen: Wachleute des Deutschen Sicherheitsdienstes DSD im Auftrag der Leitung des Einkaufszentrums. Sie treten in Uniformen auf, sprechen mit Besuchern. Die Kunden des Einkaufszentrums ahnen nicht, wer dort für ihre Sicherheit verantwortlich ist.

Militante Neonazis

Denn nicht nur im Einkaufszentrum geht der DSD auf Streife: Als sich Anfang August rund 200 Rechtsextremisten in Thüringen versammelten, tauchte auch der DSD auf. In den Gebäuden des vom Verfassungsschutz beobachteten Vereins "Gedächtnisstätte" treffen sich bekannte Köpfe der europäischen Holocaustleugner-Szene. Als "Saalschutz" war der DSD aus Hamburg angereist. Die Sicherheitsleute wiesen die ankommenden Gäste auf dem Parkplatz ein, kontrollierten die Einladungen. Auch bekannte Gesichter der rechtsextremen Szene Thüringens waren dabei, so wie der militante Neonazi Michel Fischer, der im T-Shirt des Hamburger Sicherheitsdienstes Journalisten bedrängte.

Als "Bürgerwehr" angepriesen

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Als sich Anfang August rund 200 Rechtsextremisten in Thüringen versammelten, tauchte auch der DSD auf.

Auch im "Deutschland-Magazin", ein in der rechten Szene bekanntes Blatt, wird der DSD beworben und als eine Art "Bürgerwehr" angepriesen. In dem Heft wird Stimmung gegen Zuwanderer gemacht, vermeintlich ansteigende Kriminalitätsraten werden Migranten zugerechnet. Da die Polizei nicht mehr für die Sicherheit sorgen könne, wird den Lesern empfohlen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Der DSD sei ein "hervorragendes Beispiel privater Initiative und Bürgervorsorge", heißt es dort beispielsweise. Auch die islamfeindliche Internetseite "PI News" veröffentlichte den Beitrag.

Biedere Fassade

Nach außen hin gibt man sich beim Sicherheitsdienst DSD unterdessen bieder: Man sei ein Verein, sorge sich um den Schutz der Allgemeinheit. Laut Satzung ist der Zweck des Vereins, "dass die Mitglieder ehrenamtlich Hilfe zum Schutz und zur Sicherheit von Menschen und Eigentum anbieten". Dazu sollen die Mitglieder in Wohngebieten Streife laufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln für Sicherheit sorgen. Eine Bürgerwehr? Gegenüber dem NDR Politikmagazin Panorama 3 will sich der DSD nicht vor der Kamera äußern. Schriftlich teilt man uns mit, man sei "nicht politisch orientiert". Zudem sei die Bewachung des Einkaufszentrums nicht ehrenamtlich.

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Dass Rechtsextreme unauffällig aufmarschieren, ist für Experten wie Jörn Menge nicht neu.

Dass Rechtsextreme unauffällig, nicht mehr mit Bomberjacke und Springerstiefeln ausgestattet, aufmarschieren, ist für Experten nicht neu: "Das betrifft nicht nur das Phänomen "Securities". Es gibt auch freiwillige Feuerwehren und Sportvereine, in denen sie sich normal geben", erklärt Jörn Menge, der sich seit zehn Jahren mit Rechtsextremismus beschäftigt. Aus seiner Sicht ist es eine Strategie der Rechten, "um Leute zu fangen". Für den Steilshooper Kommunalpolitiker Carsten Heeder (SPD) ist es nicht akzeptabel, dass ein Sicherheitsdienst mit solchen Verbindungen einen Auftrag vom Einkaufszentrum erhält. Er fordert von den Verantwortlichen, den Sicherheitsdienst DSD abzusetzen.

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 04.11.2014 | 21:15 Uhr