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Das Kirchenlexikon - U wie Urne im Wohnzimmerschrank

von Jan von Lingen
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Um die Totenruhe zu wahren, eignen sich Friedhöfe besser als Wohnzimmer.

"Ich habe gelesen, dass es in Bremen künftig erlaubt sein soll, die Urne mit der Asche eines Verstorbenen für zwei Jahre zu Hause aufzubewahren. Warum sträubt sich die Kirche dagegen?"

Es gehört seit jeher zu den Aufgaben von Pastorinnen und Pastoren, Angehörige von Verstorbenen zu begleiten - bei Trauergesprächen, bei Trauerfeiern und auf Friedhöfen. Und da ist kein großer Zuspruch zu erwarten, wenn die Politik plötzlich erlauben will, dass Omas Asche künftig im Wohnzimmerschrank steht.

Tatsächlich hat dieser Vorstoß aus Bremen bundesweit - nicht nur bei der Kirche - Reaktionen ausgelöst. Der Plan: Angehörige sollen die Urne eines Verstorbenen künftig für zwei Jahre zu Hause aufbewahren dürfen, so wie es in vielen anderen Ländern möglich ist. Nach zwei Jahren muss die Urne dann in einer Grabstätte beigesetzt werden. Das Parlament der Hansestadt hat diese Änderung des Bestattungsrechts angeregt, noch ist aber nichts entschieden.

Friedhöfe eignen sich als Orte zu trauern

Natürlich musste sich Kirche da zu Wort melden. Mit drei Argumenten: Es muss doch eine frei zugängliche Grabstätte geben für alle Angehörigen, Nachbarn und Freunde eines Verstorbenen. Auch gehe es darum, das Andenken eines Menschen zu würdigen. Und die Wahrung der Totenruhe ist, zum Beispiel im Regal neben dem Fernseher, sicher nicht zu gewährleisten. Und schließlich: Die Urne im häuslichen Wohnzimmer bricht mit einer jahrhundertealten Tradition. Sind wir uns der Folgen bewusst? Wie schnell kann es zu Missbrauch kommen. Denken wir nur an die Urne, die im Kofferraum herum gefahren wird, wie es aus anderen Ländern bekannt ist. Das gibt auch Bremens Politik zu denken: Der SPD-Bürgermeister hat sich jetzt kritisch geäußert über die Pläne, den sogenannten Friedhofszwang zu lockern. Begründung: "Menschen brauchen einen Ort zum Trauern und dieser Ort ist der Friedhof", so Bürgermeister Jens Böhrnsen in einem Interview. Da ist er nun ganz auf der Linie der Kirchen.

Noch eins: Verdienen tun die Kirchen übrigens nichts an ihren kirchlichen Friedhöfe. Im Gegenteil: Alle Einnahmen kommen allein dem Friedhof zu Gute. Außerdem engagieren sich viele Ehrenamtliche in den Kirchenvorständen und Friedhofsausschüssen. Sie sorgen auch in Zukunft dafür, dass Friedhöfe gepflegt und erhalten bleiben als würdige Orte der Trauer und der Erinnerung.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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