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Jahr für Jahr bauen wir in der Familie unsere Krippe unterm Tannenbaum auf. Die Krippe gehört einfach zu Weihnachten. Weiß man eigentlich, wer wo die erste Krippe aufgestellt hat?

"Ihr werdet ein Kind finden, das in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt." So ist es nachzulesen bei Lukas im 2. Kapitel seines Evangeliums. Im 2. und 3. Jahrhundert hieß es: In Bethlehem kann jeder die Höhle zeigen, in der die Krippe Jesu stand. Und es war die Kaiserin Helena, die im Jahr 335 über dieser Höhle eine Kirche bauen ließ.

Wenig später schloss sich Papst Liberius in Rom der Krippenverehrung an. Er ließ eine Krippenkapelle errichten, im Jahr 420 wurde an dieser Stelle die Kirche Santa Maria Maggiore erbaut. Dort wurden Holzstücke aufbewahrt, die angeblich von der Krippe Jesu stammen sollten. Vermutlich stand die erste dreidimensionale Krippe in dieser Kirche in Rom.

Die Krippe populär gemacht hat aber erst Franz von Assisi. Der Gründer des Franziskanerordens hat 1223 in Greccio eine Weihnachtskrippe aufgestellt, um den Menschen zu zeigen, was damals in Bethlehem passiert ist. In dieser Krippe in Geccio gab es zum ersten Mal echte Tiere: Ochs und Esel, außerdem eine Krippe mit Heu. Und die Menschen kamen, um zu schauen.

Bald verbreitete sich die Idee von der Weihnachtsdarstellung. Vor allem in Kirchen standen Krippen. Sie wurden in der Weihnachtszeit mehrfach umgebaut, um den weiteren Verlauf der Geschichte Jesu zu zeigen. Mit der Zeit entstanden ganz unterschiedliche Krippentraditionen: Figuren aus Holz, aus Ton, Krippenställe aus Torfballen und Baumrinden, Dächer aus getrockneten Meeresalgen.

Die Aufklärung im 18. Jahrhundert hat die Krippenfrömmigkeit belächelt. Und in Bayern wurde im Jahr 1802 das Aufstellen von Krippen in Kirchen sogar verboten. Damit jedoch begann der Einzug der Krippen in die Bürgerhäuser und seit dem 19. Jahrhundert gehört die Krippe zum Weihnachtsfest der Familien dazu.

Zu Weihnachten gehören für mich auch die Krippenspiele der Kinder. Woher stammt diese Tradition eigentlich? Seit wann gibt es solche Spiele in der Kirche?

Genau weiß man das nicht. Fest steht: Franz von Assisi konnte im 13. Jahrhundert schon auf Traditionen zurückgreifen. Bereits im 12. Jahrhundert muss es szenische Darstellungen der Weihnachtsgeschichte in Kirchen gegeben haben.

Für die Menschen damals war es die dramatische Vergegenwärtigung der Geburt des Gottessohnes. Sie eröffnete die Christmette. Bevor also die Weihnachtsbotschaft verkündet wurde, wurde sie von Erwachsenen als Schauspiel, als "Heiliges Theater" aufgeführt. Wenn Kinder heute Krippenspiele aufführen, stehen sie also in einer langen Tradition.

Autor: Andreas Brauns

Aus: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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