Sendedatum: 14.03.2017 10:45 Uhr

Zu wenig geputzt?

von Sabine Hornbostel

Meine Mutter hält es nicht so mit Putzen. Besonders in Bad und Küche lauert der Schmutz. Bettwäsche wird nur alle paar Monate gewaschen. Das hat mich früher schon davon abgehalten, Freunde mit nach Hause zu bringen. Wenn ich ihre Sauberkeit kritisiere, dann streiten wir. Wie soll ich damit umgehen?

Ich wundere mich: Eigentlich ist es doch meistens umgekehrt. Da beschweren sich Mütter, dass ihre Söhne in Wohngemeinschaften verwahrlosen. Schmutzige Klos, der Abwasch meterhoch, muffige Bettwäsche und klebrige Fußböden. Und nun beklagen Sie das bei Ihrer Mutter.

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Putzen ist meistens Frauensache. Bügeln und Fenster reinigen sind nicht sehr beliebt.

Aber die Situation ist nicht neu für Sie. Sie haben sich schon früher vor Ihren Freunden für das ungepflegte Zuhause geschämt. Das finde ich schlimm. Sie mussten Ausreden erfinden, um die Freunde fernzuhalten. Hatten kein Zuhause, das Gemütlichkeit und Geborgenheit ausstrahlt. Weil Ihrer Mutter das scheinbar nicht wichtig war. Oder gab und gibt es andere Gründe?

Mangelnde Hygiene kann auch Hilferuf sein

Jeder von uns hat nun mal einen unterschiedlichen Ordnungs- und Sauberkeitssinn. Wenn die Wohnung jedoch anfängt zu verdrecken, dann muss man genauer hinschauen. Denn das können erste Zeichen einer psychischen Erkrankung sein. Oder ein Hilferuf bei totaler Überforderung. Wenn jemand in der Bibel seine Kleider mit Asche schmutzig macht oder sie zerreißt, ist das ein Zeichen dafür, dass in meinem Leben gerade etwas völlig aus den Fugen geraten ist. Dass ihn etwas quält. Dass er leidet.

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02:14 min

Gewissensfrage: Zu wenig geputzt?

NDR 1 Niedersachsen

Was tun, wenn die Wohnung der Mutter ständig unsauber ist - dieser Frage geht Sabine Hornbostel heute nach. Audio (02:14 min)

Maßstäbe des Anderen tolerieren

Hilfreich wäre also zu schauen, ob Ihre Mutter etwas quält. Ob es da etwas gibt in ihrer Leben, weshalb sie ihre Wohnung so gehen lässt. Auf jeden Fall wäre ein Gespräch hilfreich. Ganz in Ruhe. Ohne Vorwurf und ohne Kritik. Gehen Sie gemeinsam essen. In ein nettes Restaurant. Und dann sagen Sie ihr, dass Sie eigentlich gern zu Besuch kommen. Sich aber nicht wohl fühlen. Und das gerne ändern möchten. Inzwischen sind Sie erwachsen und dürfen so etwas respektvoll formulieren. Aber bleiben Sie bei sich. Klagen Sie nicht an.

Wenn Ihnen dann alles über den Kopf wächst? Es gibt Hilfe. Die Kirchen haben in jeder Kleinstadt Beratungsstellen. Und wenn sich herausstellt, dass sie nun einfach nicht gerne putzt? Und daran auch nichts ändern will? Dann sollten Sie das respektieren. Denn das darf Ihre Mutter immer noch selbst entscheiden. Auch wenn Sie mit anderen Maßstäben messen.

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Sabine Hornbostel - Expertin für Lebenshilfe

Als Psychotherapeutin kennt Sabine Hornbostel auch dunkle Seiten des Lebens. Auch Gewissenskonflikte sind ihr nicht fremd. Mit ihrem Rat möchte sie Hörern weiterhelfen. mehr

Haben Sie auch eine Gewissensfrage? Dann schicken Sie sie einfach an fragen@gewissensfragen.de oder per Post an "Gewissensfragen", c/o Evangelische Kirche im NDR, Knochenhauerstraße 38-40, 30159 Hannover. Sie können aber auch ganz einfach das Formular im Anhang dafür verwenden.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Darf ich das? | 14.03.2017 | 10:45 Uhr

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