Stand: 19.04.2017 13:00 Uhr

Kolumne: Ostern in Arkansas

von Julia Heyde de López

Die letzte Mahlzeit war schon gegessen. Hähnchen und Kartoffelpüree. Da kam in letzter Minute der Hinrichtungsstopp durch den Obersten Gerichtshof der USA. Der Bundesstaat Arkansas wollte innerhalb von elf Tagen acht Männer hinrichten, aus einem ziemlich zynischen Grund: die Haltbarkeit des Betäubungsmittels, das beim Tod per Giftspritze verwendet wird, läuft Ende April ab.

Eben noch wurde Jesu Tod am Kreuz gedacht, seine Auferstehung gefeiert. Christ is risen, yeah! Einen Tag später fordern der Gouverneur von Arkansas und andere schon wieder öffentlich die zügige Hinrichtung der verurteilten Männer.

Christen im Süden sind pro Todestrafe

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Der Autor und Aktivist Shane Claiborne kämpft gegen die Todestrafe.

Einer, der gegen die Todesstrafe kämpft, ist der christliche Aktivist und Autor Shane Claiborne aus Philadelphia. Am Dienstag habe ich mit ihm telefoniert. Er kritisiert, dass vor allem Christen im Süden der USA, im sogenannten Bibelgürtel ("bible belt"), die Todesstrafe immer noch unterstützen. Sie seien das "moralische und theologische Rückgrat der Todesstrafe", so Claiborne und er fügt hinzu: Eigentlich müsse man die Region "Todesgürtel" ("death belt") nennen.

Nicht das Übel legitimieren

Claiborne setzt sich ein für eine umfassendere, restorative Gerechtigkeit, die sowohl Opfer als auch Täter mit ihren Angehörigen in den Blick nimmt und zu deren Heilung beitragen will. Denn es ist doch so: Wenn wir diejenigen töten, die getötet haben, um zu zeigen, dass Töten falsch ist, dann legitimieren wir genau das Übel, das wir aus der Welt schaffen wollten, das Böse, das Jesus ans Kreuz gebracht hat, so Claiborne.

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Selbst die Türkei will zurück zur Todestrafe. Das beunruhigt Julia Heyde de López.

Die Todesstrafe ist also nicht nur eine Frage der Strafjustiz (darf ein Staat in dieser Weise überhaupt über Leben und Tod seiner Bürger entscheiden?), sondern auch eine Frage von guter und schlechter Theologie.

In Deutschland und der EU gibt es die Todesstrafe ja glücklicherweise nicht mehr. Aber es beunruhigt mich, dass in der Türkei und den Philippinen gerade mobil gemacht wird für ihre Wiedereinführung. In Arkansas ist schon am Donnerstag die Hinrichtung von zwei weiteren Menschen vorgesehen. Dass dies nicht geschieht, dafür vergebe ich einen Anker der Hoffnung. Damit wirklich Ostern werden kann.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jeden Mittwoch vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

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