Stand: 29.01.2016 13:00 Uhr

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von Oliver Vorwald

"Rechts oder links? Einige tragen ihren Ehering an der linken andere an der rechten Hand. Gibt es da ein Richtig oder Falsch?"

Deutschland rückt nach links. Zumindest in der Ringfrage. Immer mehr Eheleute tragen inzwischen das goldene Zeichen ihrer Partnerschaft auf dieser Seite. Vor wenigen Jahrzehnten war das noch anders. Da glänzte der grazile, gravierte Reif ausnahmslos am Ringfinger der rechten Hand. Nach wie vor bildet diese Fraktion in Deutschland übrigens die Mehrheit. Genauso schaut es in Österreich aus, Russland oder Norwegen. Anders herum halten es Franzosen, Italiener und Spanier. Dort ist links die Regel, rechts die Ausnahme.

Es gibt jede Menge Theorien

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Der Ring steht für Vollkommenheit, er hat weder Anfang noch Ende.

Der eine Ring. Jene streifen ihn ihrem Partner bei der Trauung links über, die anderen rechts. Wieso? Warum? Weshalb? Dazu gibt es jede Menge Theorien. Der Nachteil, sie widersprechen sich teilweise. Eine dieser Erklärungen hat mit der Reformation zu tun, dem Konkurrenz-Kampf der Konfessionen im 16. Jahrhundert. Lutherische Christen wollten sich von den Altgläubigen bewusst absetzen, heißt es da. Deshalb trugen sie ihren Ehering demonstrativ rechts. Klingt nachvollziehbar, wirkt aber wenig überzeugend. Dann nach demselben Muster begründet ein zweiter Autor, weshalb katholische Paare Rechtsträger seien. Interessant ist, für die wie die andere Theorie wird auf die Mosebücher verwiesen. "Herr, deine rechte Hand tut große Wunder (2. Mose 15,6)", steht dort. Für Deutschland mag dieser Bibelvers als Begründung gerade nach taugen. Dann bliebe aber die Frage, weshalb in einem christlich geprägten Land wie Italien der Ehering vorwiegend links getragen wird? Auch die beliebte Theorie von der sogenannten Liebesader hilft nicht weiter. Denn die einen verorten sie in linken Hand, die anderen rechts.

Die Bedeutung zählt

Was denn nun? Rechts? Links? Viel wichtiger als die Frage der Tragseite ist die Symbolik des Eherings. Seine Form steht für Vollkommenheit, sie kennt weder Anfang noch Ende. Und genauso soll die Liebe zwischen zwei Menschen sein. Ein Kreislauf, der sich nie erschöpft. Diese Symbolik gilt. Sie wird im Traugottesdienst gesegnet. Ganz gleich ob ein Paar seine Ringe an der linken oder der rechten Hand trägt.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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