Stand: 20.04.2017 11:30 Uhr

Das Kirchenlexikon - Lamm Gottes

von Oliver Vorwald

"Jesus, das Lamm Gottes. An Ostern haben wir diesen Vers in der Kirche gesungen. Woher kommt das Lied? Es klingt, als käme es aus dem Mittelalter?"

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Das Lied "Christe, du Lamm Gottes" steht für Neubeginn und Vergebung.

Ein sanfter Melodiebogen, jahrhundertealt, feierlich. Wieder und wieder steigen die Töne auf, schweben durchs Gewölbe: "Christe, du Lamm Gottes". Drei Mal klingt der Ruf an. Er leitet Großes ein. Neubeginn, Vergebung, Frieden. Dafür kommen die Menschen an den Altar, erhalten Brot und Wein. Das Lied vom Lamm eröffnet die Austeilung beim Abendmahl im protestantischen Gottesdienst. Autor des deutschsprachigen Gesangs ist Martin Luther.

Bugenhagen und das Lied vom Lamm

Wittenberg 1528, eine Hinterhofwerkstatt. Männer in Lederschürzen streichen Druckerschwärze auf Holzplatten. Darin eingeschnitten die Noten und Worte zum Lied vom Lamm. Wieder und wieder prägen sie den Satz auf Bögen aus hellbraunem Papier. Die Seiten sind für die Braunschweiger Kirchenordnung bestimmt. Johannes Bugenhagen sorgt dafür, dass es darin aufgenommen wird. Drei Monate hat der Weggefährte Martin Luthers in der Löwenstadt verbracht, von Mai bis September 1528. Im Auftrag des Rates ordnet er das Kirchenwesen neu - nach den Grundsätzen der Reformation. Armenpflege, Schulwesen, Gottesdienst.

Lateinisches Gebet als Ursprung

Ein altes Exemplar der Kirchenordnung, mit der Johann Bugenhagen die Reformation in Hamburg eingeführt hat.

Im Herbst geht die Braunschweiger Kirchenordnung in Druck. Sie ist das erste Buch, in dem "Christe, du Lamm Gottes" zu finden ist. Der Wortlaut des Abendmahlliedes geht auf ein lateinisches Gebet aus dem 7. Jahrhundert zurück (Agnus Dei - Lamm Gottes). Im Zuge der Reformation überträgt Martin Luther dessen drei Zeilen ins Deutsche. Denn alle sollen verstehen, was in der Kirche gepredigt und gesungen wird.

"Das ist Gottes Lamm (Joh 1,29)." Johannes der Täufer spricht diese Worte, als Jesus an den Jordan kommt. Er will sagen, hier ist jemand einmaliges, einer mit absolut reinem Herzen. Das Lamm gilt nämlich in den antiken Kulturen als sündlos. Es ist das Opfertier, eröffnet Neubeginn, Vergebung, Frieden. Aus diesem Blickwinkel erklären sich die ersten Christen den Tod Jesu. Er stirbt, um alle Schuld aus der Welt zu nehmen. Das Abendmahl erinnert daran und lebt von dieser Deutung.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 22.04.2017 | 09:15 Uhr

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