Stand: 25.02.2016 10:55 Uhr

Das Kirchenlexikon - Kein Christ

von Andreas Brauns

"Er ist kein Christ!". Das hat doch Papst Franziskus bei einer Rede in Mexiko über einen der amerikanischen Präsidentschaftskandidaten gesagt. Kann man so über andere urteilen und das auch noch öffentlich? Was bitte schön macht denn einen Christen aus?

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Der Republikaner Donald Trump will eine Mauer an der Grenze zu Mexiko errichten.

Papst Franziskus hat Donald Trump, einen der Präsidentschaftskandidaten der Republikaner, tatsächlich ungewöhnlich scharf kritisiert: "Jemand, der Mauern statt Brücken bauen will, ist kein Christ!" Das sind klare Worte. Aber bei seinem Besuch in Juárez Ciudad, der Stadt am Grenzzaun zwischen Mexiko von den Vereinigten Staaten, musste der Papst deutlich werden. Diplomatisch weichgespülte Worte sind da fehl am Platz. Der Grenzzaun ist für die Mexikaner so gefährlich wie das Mittelmeer für die Flüchtlinge aus Syrien und anderen Ländern.

Trump erklärt Flüchtlinge im Wahlkampf zum Risiko

Und ausgerechnet diesen Zaun will Donald Trump ausbauen zu einer Mauer. Und, besonders schlimm: Mexiko soll die Grenzanlage auch noch bezahlen. Donald Trump weiß, was er will: Stimmen fangen, indem er Flüchtlinge aus Mexiko zum Risiko erklärt für das Zusammenleben in den Vereinigten Staaten.

Papst hat Menschen im Blick, die leiden

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Papst Franziskus hat Donald Trump für seinen Wahlkampf scharf kritisiert.

Ganz anders der Papst: Er will Brücken bauen und erinnert die Menschen an den Weg, den sie dringend einschlagen müssen, um den Teufelskreis der Gewalt und der Kriminalität zu durchbrechen. "Wir haben vergessen, uns auf das zu konzentrieren, was wirklich unsere Sorge sein muss, das Leben der Menschen, die unter Gewalt leiden." Das macht einen Christen aus: die im Blick zu haben, die leiden. Sie nicht abzulehnen, sondern aufzunehmen. Das ist alles andere als bequem. Denn es erfordert ein Umdenken, einen Blickwechsel.

Und niemand, der sich Christ nennt, kann sich daran vorbeimogeln. Gebete sind nicht alles. Es geht um das Tun. Im eigenen Leben und auch in der großen Politik. Gruppen zu Sündenböcken zu machen ist einfach. Sie auszusperren ist unchristlich. Und das gilt nicht nur im amerikanischen Vorwahlkampf.

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