Stand: 14.04.2016 16:15 Uhr  | Archiv

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von Oliver Vorwald

"Ave Maria. Meine Eltern lieben dieses Lied. Sie hätten es gerne anlässlich ihrer Silberhochzeit im Gottesdienst gehört. Doch die Pastorin hat dies abgelehnt. Sie sagt, das Lied transportiert Glaubensinhalte, die nicht zur Evangelischen Kirche gehören. Stimmt das?"

Ein zartes Klaviersolo, plätschernde Takte, dann hebt der Gesang an: Ave Maria.Gegrüßet seist du. Etliche Musiker haben dazu eine Komposition geliefert, unter anderem Franz Schubert. Viele Menschen lieben seine Vertonung, ganz gleich ob katholisch, evangelisch oder religiös unmusikalisch. Denn das Stück von 1825 berührt und bewegt. Es wiegt Gedanken und Gefühle zärtlich wie eine Mutter.

Lateinischer Text mit katholischer Ergänzung

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In der evangelische Kirche gibt es keine Marienverehrung.

Ave Maria. Der lateinische Text des Liedes ist alt. Er besteht im Wesentlichen aus zwei Abschnitten. Der erste Teil geht auf die Weihnachtsgeschichte zurück. Dazu gehört der Gruß des Erzengels Gabriel. Der verkündet Maria, dass sie Gottes Sohn zur Welt bringen wird. Der Schlusspart des Ave Marias kommt nicht aus der Bibel. Er wurde später durch die katholische Kirche ergänzt und lautet: "Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes."

Pastoren können Ave Maria ablehnen

In der Evangelischen Kirche genießt Maria große Wertschätzung, aber das Ave Maria spielt keine Rolle. Als Adressat von Gebeten kommen für die Reformatoren ausschließlich Gott und Christus in Frage. Zu denen könne jeder unmittelbar reden, sagen Martin Luther und Ulrich Zwingli. Ohne Furcht. Kein Gläubiger müsse für seine Sehnsüchte einen Heiligen um Unterstützung bitten. Und genau aufgrund dieser Argumentation lehnen manche Pastorinnen und Pastoren es ab, das Ave Maria in ihrer Kirche aufführen zu lassen. Sie dürfen das. Das evangelische Kirchenrecht sichert ihnen diese persönliche Entscheidungsfreiheit. Allerdings gibt es auch jede Menge lutherische Theologen, die anders entscheiden. Auf Wunsch von Angehörigen betten viele das Ave Maria in Gottesdienste zu Trauungen oder Trauerfeiern ein. Die evangelische Freiheit macht auch das möglich.

Beliebt ist Schuberts Version

In der katholischen Kirche gehört das Ave Maria bis heute zu den Hauptgebeten. Sehr beliebt. Gesprochen sowie als Lied. Seinen ursprünglichen Platz hat das Stück bei Beerdigungsfeiern. Insbesondere die Variante von Franz Schubert. Kein Wunder. Denn die Komposition von 1825 berührt und bewegt. Sie wiegt Gedanken und Gefühle, tröstet zärtlich wie eine Mutter.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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