Stand: 25.08.2016 12:07 Uhr  | Archiv

Das Kirchenlexikon - Altäre

von Andreas Brauns

„Bei unserem Urlaub in Polen haben wir Kirchen besichtigt. Dabei ist mir aufgefallen, in wie vielen Kirchen mehrere Altäre stehen. Warum ist das so? Wozu braucht man die?“

Diese kleineren Altäre sind so genannte Seitenaltäre. Sie stehen meist an den Wänden - in den kleineren oder größeren Kapellen, die sich rechts und links vom so genannten Hauptschiff befinden. Diese Seitenaltäre werden heute in der Regel nicht mehr genutzt.

Viele Messen gleichzeitig

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Der Altar der Kapelle im Kloster Clemenswerth.

Früher wurden an ihnen Gottesdienste gefeiert. Das heißt: Bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil Mitte des vorigen Jahrhunderts lasen Priester dort in lateinischer Sprache die Heilige Messe. Das geschah oft genug zeitgleich an mehreren Seitenaltären, denn an den großen Kathedralkirchen oder in Klöstern gab es meist mehr Priester als Altäre. Und da jeder Priester am Tag eine Messe lesen musste, taten sie es manchmal gleichzeitig – jeder für sich.

Der Priester schaute dabei zur Wand. In den zwei oder drei Bänken hinter ihm knieten vielleicht einige Frauen und Männer, die meist nur wenig oder nichts verstanden und darum still oder leise für sich beteten. So kam es in der Kirche zu einem leisen Sprachengewirr.

Am so genannten Hochaltar, der sich heute noch in vielen alten Kirchen an der Stirnwand befindet, las ein Priester die Heilige Messe für die Gemeinde. Mit dem Rücken zum Volk stand er vor der meist hoch aufragenden und prächtig verzierten Altarwand. In vielen dieser kunstvollen Altarwände befindet sich heute noch der Tabernakel, der verschließbare kleine Schrank, in dem in der katholischen Kirche die gewandelten Hostien aufbewahrt werden, das geweihte Brot.

Reform: Die Messe feiern, nicht nur lesen

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St. Bonifatius in Hamburg.

Vor 50 Jahren gab es in der katholischen Kirche eine Reform, die gottesdienstliche Handlungen neu bewertete. Die Priester sollten keine Messe mehr lesen, sondern sie feiern - mit der Gemeinde in der Muttersprache der Menschen. Seit dieser Zeit gibt es in den Kirchen den so genannten Hauptaltar oder Zelebrationsaltar. Der steht frei mitten im Altarraum. Er erinnert an einen Tisch und damit an das letzte Mahl, das Jesus vor seinem Tod mit seinen Freunden gefeiert hat. Seit der Reform des Zweiten Vatikanischen Konzils steht der Priester hinter diesem Altar und schaut in die Gemeinde, feiert mit ihr. Die Seitenaltäre werden heute nicht mehr gebraucht, jedenfalls nicht, um Gottesdienst zu feiern.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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