Stand: 22.11.2016 11:51 Uhr  | Archiv

Das Kirchenlexikon - Advent finden

von Oliver Vorwald

"Die vielen Lichter, draußen Glühweinduft, Weihnachtslieder im Radio. Ich liebe diese Wochen, wünsche mir allerdings mehr Tiefe. Wie und wo finde ich 'meinen" Advent? Haben Sie einen Tipp?"

Bild vergrößern
Mit "Schüpperle" können sich Erwachsene und Kinder auf Weihnachten einstimmen.

Den Advent finden? Dabei helfen mir meine Töchter und "Schnüpperle". Alle Jahre wieder lesen meine Frau und ich in den Wochen vor Heiligabend aus diesem Kinderbuch vor. Richtig gehört. Schnüpperle ist ein kleiner Junge. Er wartet mit seiner Schwester Annerose sehnsüchtig auf Weihnachten. Unsere Mädchen, neun und zwölf Jahre, lieben diese Geschichten. Denn Schnüpperle fragt seiner Familie Löcher in den Bauch: zu Gefühlen, Bräuchen, Heimlichkeiten.

"Sieh mal, Mutter. Ich hab eine Schneeblume gefunden“ „Das ist eine Christrosse.“ … „Heißt es Christrose, weil sie unterm Christbaum steht?“, fragt Schnüpperle. „Nein, weil sie zu Weihnachten blüht“, antwortet Mutter. „Dann müsste sie doch Weihnachtsrose heißen.“ ... „Zum Weihnachtsfest kann man auch Christfest sagen.“ „Weil das Christkind dann Geburtstag hat, nicht?“ Mutter nickt.

Adventskalender in Buchform

Das Schnüpperle-Buch hat eine kalendarische Gliederung und funktioniert wie ein Fitnessplan. 24 Kapitel, für jeden Dezembertag bis zum Heiligabend eines. Solch eine Struktur braucht es, um tiefer in den Advent einzutauchen. Denn das ist eine spirituelle Sache. Und die lebt vom regelmäßigen Training. Spiritualität ist - ja - Sport für die Seele. Sie kostet und schenkt Kraft. Zehn Minuten täglich reichen aus. Kerze auf den Tisch, einen Becher Tee und los geht’s mit einem Lesebuch wie Schnüpperle. Zum Abschluss dann Stille, Zeit zum Träumen, Schwelgen.

"Und wer ist das Christkind?", fragt Schnüpperle. … "Sie werden wohl eine Puppe nehmen." … "Annerose, könntest du nicht … fragen, ob ich das Christkind sein kann?" "Du bist doch viel zu groß, Schnüpperle", sagt Mutter. "Ich … würde schreien, weil mich das Stroh pikt und weil mir so kalt ist." Annerose lacht. "Wenn du schreist, kriegen die Zuschauer einen Schreck." "Sollen sie doch. Warum haben die Leute dem kleinen Christkind bloß eine Krippe gegeben?"

Über das Leben nachdenken

Bild vergrößern
Der Advent ist ideal, um sich eine tägliche Auszeit zu gönnen.

Wer sich im Advent täglich eine solche Zeit gönnt, findet ganz von selbst "Mehr". Versprochen. Gerade in den Stillephasen nach der Lesung passiert allerhand. Die Geschichten breiten sich aus in Herz und Seele. Die Wochen vor Heiligabend sind übrigens eine gute Zeit, um sich in Sachen Spiritualität zu üben. Diese heimelige Stimmung - Lichter, Düfte, Lieder - sorgt für eine ideale Atmosphäre. Die Leute früher haben das übrigens ähnlich gehalten. Der Advent ist nämlich eine Bußzeit. Vier Wochen, in denen Menschen über ihr Leben nachdenken und neu ausrichten.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 26.11.2016 | 09:15 Uhr

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/kirche/Das-Kirchenlexikon-Advent-finden,schnuepperle100.html