Stand: 17.02.2017 17:26 Uhr

Trump muss mit dem Aufräumen anfangen

Der nationale Sicherheitsberater und der designierte Arbeitsminister schmeißen das Handtuch, das Einreiseverbot wird vor Gericht ausgebremst: Den ersten Monat im Amt hätte sich US-Präsident Donald Trump bestimmt anders vorgestellt. Und so machte er seinem Frust und Ärger in einer denkwürdigen Pressekonferenz Luft. Trump bleibt sich also treu. Ist das die richtige Strategie?

Ein Kommentar von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

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Jan Bösche meint, dass US-Präsident Trump auf Dauer mit seinem jetzigen Politikstil nicht weit kommt.

Dieser Auftritt war alles, nur nicht langweilig. Ein Präsident, der sagt, was er denkt, wie er fühlt. Nicht abgeschirmt hinter Pressesprechern, nicht Schutz suchend in nichtssagenden Floskeln. Über eine Stunde duellierte er sich mit Journalisten, verteidigte seine Politik. Wollten wir nicht immer Politiker, die spannend, die authentisch sind?

Das Trump die Leaks von geheimen Informationen als das eigentliche Problem darstellt - das unterscheidet ihn nicht von anderen Präsidenten. Die Obama-Regierung war besonders streng mit allen, die geheime Daten veröffentlichten, um auf Missstände aufmerksam zu machen.

Trump liebt das Chaos

Das Weiße Haus mag ihm gerade um die Ohren fliegen, aber Chaos scheint Präsident Trumps bevorzugter Regierungsstil zu sein. Berater, die gegeneinander um Aufmerksamkeit buhlen. Viele Dekrete, aber wenig Substanz. Betriebsamkeit zeigen, Aufregung erzeugen, Schlagzeilen machen, alles, nur nicht langweilig sein. Das ist ein Präsident für den 24-stündigen Nachrichtenbetrieb: Es gibt immer was zu bereden, zu twittern, zum Liken oder Disliken. Zu Recht weist Donald Trump darauf hin, wie gut seine Präsidentschaft für die Quoten der Nachrichtenkanäle ist. Das treibt Werbeeinnahmen nach oben, besonders der Trump-kritischen Kanäle.

Donald Trump ist gewählt worden, um Chaos zu erzeugen. Seine Wähler wollen, dass er alles anders macht, sie wollen, dass er den politischen Betrieb aufmischt. Dieses Versprechen hat er schon eingelöst.

Ein Spiel auf Zeit

Je mehr politische Experten mit dem Kopf auf den Tisch schlagen, desto besser für Trump: Journalisten, Abgeordnete, erfahrende Verwaltungsleute - sie sind die Gesichter des politischen Washingtons, die Verantwortlichen für den politischen Stillstand, diejenigen, die über die Köpfe der Trump-Wähler hinweg regiert haben.

Vielleicht schafft Trump es ja, die Begeisterung seiner Anhänger noch ein wenig länger anzufachen, mit Auftritten wie dieser Pressekonferenz oder der geplanten Kundgebung am Wochenende in Florida. Zeit gewinnen, während sich sein Weißes Haus zurecht ruckelt.

Der Präsident muss bald anfangen, zu liefern

Auf Dauer kann das nämlich nicht so weiter gehen. Trump ist nicht als "Entertainer in Chief" gewählt worden, sondern als Präsident. Er hat ein düsteres Bild der USA gemalt - jetzt muss er mit dem Aufräumen anfangen. Seine Anhänger wollen Ergebnisse sehen, sie wollen, dass sich ihr persönliches Leben bessert. Wirtschaftsdaten und Arbeitslosenzahlen sind da keine Argumente - denn die sind jetzt schon gut. Der neue Job für den Kohlearbeiter, das zählt.

Donald Trump wird nicht auf Dauer mit lauter Pressebeschimpfung und großen Demonstrationen für Stimmung sorgen können. Er muss bald anfangen, zu liefern. In weniger als zwei Jahren gibt es die nächsten Kongresswahlen. Darum sind Trumps Republikaner schon jetzt so nervös: Sie wissen, dass sie abgestraft werden, wenn aus dem Chaos im Weißen Haus nicht bald kreatives und produktives Chaos wird.

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NDR Info | Kommentare | 17.02.2017 | 17:08 Uhr