Stand: 09.02.2016 18:30 Uhr

Putin ist ein Teil des Problems in Syrien

Die Situation an der türkisch-syrischen Grenze, wo 30.000 Menschen ausharren, wird immer dramatischer. Die NATO prüft eine deutsch-türkische Bitte, in der Flüchtlingskrise an der Grenze zu Griechenland zu helfen. Wohin führt Russlands Militäreinsatz in Syrien?

Ein Kommentar von Hermann Krause, WDR, Korrespondent in Moskau

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Hermann Krause meint, dass Russland den syrischen Machthaber Assad weiter unterstützen wird.

Als der bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer in der vergangenen Woche in Moskau seine Reise zu Wladimir Putin rechtfertigte, zählte er die Punkte auf, bei denen Russland eine zentrale Rolle spiele - an erster Stelle nannte Seehofer den Syrien-Konflikt. Ohne Russland gebe es keine Lösung, man müsse mit Putin reden. Dies hat er getan, wie auch viele andere - wie es scheint aber erfolglos!

Unheilige Allianzen

Der Kreml ist nämlich nicht darin interessiert, seine Strategie zu ändern - und die lautet: Unterstützung von Syriens Machthaber Bashar Al-Assad! Zu keinem Zeitpunkt gab es eine andere Position, der Westen hat sich dies nur eingeredet, dass es möglich wäre, Putin zu beeinflussen - hin zu einer Lösung, in der alle Parteien in irgendeiner Weise eingebunden sind. Putin aber empfing Assad im Oktober zu einem Arbeitsbesuch im Kreml. Damals machte Putin seine Solidarität deutlich - und daran hat sich nichts geändert. Sie wurde sogar noch verstärkt durch den Abschuss eines russischen Bombers an der türkisch-syrischen Grenze. Seitdem ist der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan nicht nur der Feind Assads, sondern auch Putins. So entstehen unheilige Allianzen - auf Kosten der Zivilbevölkerung.

Wer Aleppo kontrolliert, kontrolliert die türkische Grenze

Seit Wochen trifft es nämlich die Menschen, die noch in Aleppo wohnen. Die Stadt wird tagtäglich von russischen Kampfflugzeugen angegriffen. Denn wer Aleppo kontrolliert, kontrolliert die türkische Grenze. Sollte Erdogan versuchen, nach Syrien einzumarschieren, wie es russische Medien behaupten, wäre diese Stellung militärisch von Bedeutung, darum geht es dem Kreml, nicht um den "Islamischen Staat". Sicherlich, dessen Kämpfer werden auch angegriffen, aber ebenso Rebellen, die nicht zum IS gehören, jedoch gegen Assad sind. 

Die Äußerung der Kanzlerin, Russland provoziere weitere Flüchtlingsströme, wurde wie erwartet in Moskau zurückgewiesen, genauso wie die Aufforderung, während der Friedensgespräche in Wien oder Genf einen Waffenstillstand zuzulassen.

Putin geht es nur um Machtpolitik

Bei alldem führt Moskau einen Krieg, den es sich finanziell nicht leisten kann, aber das hat Putin noch nie interessiert. So wie er in die Ostukraine einmarschierte, so geht es ihm in Syrien nur um Machtpolitik. Dass weitere Flüchtlinge nach Deutschland kommen, wird dann mit der entsprechenden Häme in den russischen Medien kommentiert. Angela Merkel werde mit dem Problem nicht fertig, die Flüchtlinge bedrohten die Sicherheit russisch-stämmiger Bürger, die in Deutschland leben.

Der IS ist entstanden durch die verantwortungslose Politik eines George W. Bush, der in den Irak einmarschierte. Auch aus machtpolitischen Gründen. Aber Russland verhält sich nicht viel anders. Putin ist ein Teil des Problems in Syrien, nicht die Lösung - jedenfalls tragen seine Bomben wenig dazu bei.

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NDR Info | Kommentare | 09.02.2016 | 18:30 Uhr