Stand: 02.12.2015 17:07 Uhr

Die Welt braucht mehr Mark Zuckerbergs

Facebook-Gründer Marc Zuckerberg hat vom Nachwuchsglück überwältigt einen Brief an seine kleine Tochter geschrieben. Sie kann das noch nicht lesen, aber Zuckerbergs Facebook-Fans, seine Kunden, Aktionäre, Amerikaner und die ganze Welt. "Liebe Max", schreibt er da, "wie alle Eltern wollen wir, dass Du in einer besseren Welt aufwächst, als es unsere heute ist." Deswegen wollen Zuckerberg und seine Frau im Laufe ihres Lebens 99 Prozent ihrer Facebook-Aktien spenden - aktueller Wert: rund 45 Milliarden US-Dollar.

Ein Kommentar von Georg Schwarte, ARD-Korrespondent im Hörfunkstudio New York

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Die Welt sollte Mark Zuckerberg und seiner Frau ein langes Leben und ein prosperierendes Geschäft wünschen, meint Georg Schwarte.

Eigentum verpflichtet. Schon vergessen? Grundgesetz, Artikel 14, Absatz 2. Wer jetzt also lästert, "Zuckerbergs Milliardenspende - alles nur eine nicht ganz billige PR-Masche", der sollte seine eigene letzte Spendenquittung, so er überhaupt eine hat, demütig studieren. Zuckerberg hat dagegen vermutlich eher seinen Andrew Carnegie studiert. Der Stahlmagnat und Muster-Philanthrop hatte einst formuliert, was sich amerikanische Großspender wie Buffett, Bloomberg, Gates und jetzt eben auch das Ehepaar Zuckerberg zu Herzen genommen haben: "Wer reich stirbt, der stirbt in Schande." Motto: Geben, so lange man es noch kann.

Also: Deutschlands Geldadel bitte vortreten. Nicht lästern, sondern spenden - oder aber die Klappe halten. Dass Zuckerberg seine Großherzigkeit natürlich via Facebook ankündigt - geschenkt. Dass er keine Non-Profit-Stiftung gründet, sondern eine Art Unternehmen, dass mit dem nach und nach einfließenden Stiftungskaptital wirtschaften, investieren und damit auch Einfluss nehmen kann und wird - willkommen im 21. Jahrhundert. Dass er mit seinem Unternehmen Steuern vermeidet, wo es nur geht - Beschwerden darüber bitte an die, die diese Möglichkeiten gesetzlich ermöglichen.

Wer wirklich nach dem klitzekleinen Haar in der großherzigen Spendensuppe Zuckerbergs suchen will, der könnte allenfalls auf die Grundidee stoßen, mit der er seine mutmaßliche Milliardenspende begründet. "Können wir die Welt ins Netz holen, sodass Du Zugang zu jeder Idee, jeder Person und alle Chancen hast?", fragt er in dem offenen Brief an seine neugeborene Tochter. Das ist nicht nur Facebook pur, das ist Fortschrittsglaube à la Silicon Valley.

Technologie und Innovation schaffen eben alles. Ach wirklich? Aber soll er doch machen. Gäbe es mehr Zuckerbergs und weniger übellaunige Dagobert-Duck-artige Geizkragen - die Welt wäre vermutlich heute schon eine bessere. Dass die Ankündigung am "Giving Tuesday" kam, dem Tag, an dem Hilfsorganisationen in den USA jedes Jahr um Spendengelder bitten, ein wunderschöner Zufall. Wenn Amerikaner nämlich eins wirklich können, dann ist es spenden.

Zuckerberg übrigens hatte bereits mit 26 Jahren den von Bill Gates erfundenen "Giving Pledge" unterzeichnet, in dem sich Vermögende bereit erklären, mindestens die Hälfte ihres Reichtums zu Lebzeiten zu spenden. Mit 26. Das macht ihn noch lange nicht zum Heiligen. Aber es machte schon damals alle, die lautstark lästerten, zu eher sehr kleinen Geistern. Jetzt ist Zuckerberg 31 und verspricht 99 Prozent seines Vermögens. Alle Welt sollte ihm und seiner Frau ein langes Leben, aber wohl auch ein prosperierendes Geschäft wünschen. 99 Prozent davon kommen schließlich der Welt zugute.

Alles in allem kein schlechter Deal, den sich Zuckerberg da ausgedacht hat. Für sich und eben auch für die Welt. Andrew Carnegie, der Urvater des Stiftungsgedankens, hat das einst so formuliert: Man dürfe nicht vergessen. Es erfordere genauso viel Talent, das Vermögen so zu nutzen, dass es der Gemeinschaft zum Segen gereicht, wie Begabung nötig gewesen sei, um den Reichtum anzuhäufen. Vom nötigen Talent, sich über solche Spenden aufregen zu können, ist da nirgendwo die Rede.

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NDR Info | Kommentare | 02.12.2015 | 17:08 Uhr