Stand: 07.10.2015 08:49 Uhr

Hermann: "VW hat Kunden getäuscht"

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Der Grünen-Politiker Hermann fordert neue Abgas-Messverfahren für Diesel-Fahrzeuge, um realistischere Werte zu erhalten.

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hat auf NDR Info eine vollständige Aufklärung des Skandals um manipulierte VW-Diesel-Fahrzeuge gefordert. Volkswagen müsse neben einer vollständigen Liste der betroffenen Autos auch Vorschläge vorlegen, wie und in welcher Zeit das Problem abgewickelt werden solle.

"Keine unrealistischen Fristen"

Auch die geplanten Entschädigungsregelungen müssten dargelegt werden, sagte Hermann. Dabei sei es aber wichtig, dem Unternehmen keine unrealistischen Fristen aufzubürden, erklärte der Grünen-Politiker mit Blick auf die Ankündigung von VW-Chef Matthias Müller. Dieser hatte in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" erklärt, dass die Rückruf-Aktion für die betroffenen Fahrzeuge im Januar beginnen und Ende 2016 abgeschlossen sein soll. Hermann hält das für einen reellen Zeitplan: "Man muss schon zugestehen, dass man so was nicht von heute auf morgen wegzaubern kann. Schließlich handelt es sich um mehrere Millionen Fahrzeuge."

Kritik an Blockadehaltung

Nach Ansicht des baden-württembergischen Verkehrsministers muss die Aufdeckung des Abgas-Skandals auch zu neuen realistischeren Prüfregelungen führen. Hermann nannte die USA als Vorbild. Dort seien die Abgas-Grenzwerte deutlich strenger als in der Europäischen Union und die Testverfahren realitätsnaher. Dabei übte er deutliche Kritik an der Automobil-Branche und der Bundespolitik. "Bei uns wird seit Jahren darum gerungen, wie man die Messverfahren stärker dem realen Verkehrsverhalten und dem realen Ausstoß von Motoren anpassen kann. Da hat die deutsche Automobil-Industrie und auch die Bundesregierung in den letzten Jahren immer wieder blockiert."

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"Brauchen ein neues Verfahren"

Hermann forderte Wirtschaft und Politik auf, die Ideen der EU zu unterstützen. "Die Europäische Union will einen anderen Test-Zyklus, der realistischer ist, und sie will auch die Überprüfung im realen Verkehr - das ist ziemlich wichtig." Das muss aus seiner Sicht die politische Konsequenz des Abgas-Skandals sein. "Der strafrechtlich zu verfolgende Betrug von VW ist das eine, aber der legale Täuschungsprozess über den bisherigen Fahrzyklus in Europa, der die die Autos schön rechnet und sauberer macht als sie sind, auch das muss beendet werden. Spätestens 2017 brauchen wir ein neues Verfahren", so der Grünen-Politiker.

Transparenz im Sinne der Verbraucher

Neue Messverfahren kommen nach Hermanns Worten allen Fahrzeug-Produzenten zugute. "Sie wollen alle nicht unter Pauschalverdacht sein." Deswegen habe man sich bereits in Baden-Württenberg - zusammen mit der dort ansässigen Automobil-Industrie - entschieden, Tests durchzuführen, um eventuelle Manipulationsvorwürfe bereits im Vorfeld zu entkräften. Fahrzeuge sollten dabei nicht nur im Labor, sondern auch auf der Straße auf ihre Abgaswerte überprüft werden, kündigte der Landesverkehrsminister an. "Wenn dann die Werte einigermaßen zusammenfallen, dann ist es sozusagen Beleg dafür, dass nicht manipuliert wurde." Die Begründung für eine Kooperation sei einfach: Die Industrie müsse ein Interesse daran haben, dass der Manipulationsverdacht widerlegt werde. "Und die Verbraucher müssen eine transparente Überprüfung haben, damit sie auch glauben können", forderte Hermann.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 07.10.2015 | 07:20 Uhr