Stand: 16.08.2017 11:49 Uhr

Flüchtlingsretter fordern Sicherheitsgarantien

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Die Rettungseinsätze im Mittelmeer werden fortgesetzt, sobald es Sicherheitsgarantien gibt, sagte Volker Westerbarkey auf NDR Info.

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen hat erneut von der EU Sicherheitsgarantien für ihre Rettungseinsätze im Mittelmeer gefordert. Gleich mehrere Hilfsorganisationen hatten ihre Seenotrettung am Wochenende bis auf Weiteres eingestellt, weil sie nach eigenen Angaben von der libyschen Küstenwache unter Druck gesetzt und bedroht werden.

Der Deutschland-Chef von Ärzte ohne Grenzen, Volker Westerbarkey, sagte auf NDR Info, sobald die Sicherheit der Helfer gewährleistet sei, würden die Einsätze fortgesetzt. "Wir warten darauf, dass wir die Seenotrettung so durchführen können, wie sie rechtlich vorgesehen ist", bekräftigte er. Es gehe darum, Menschen in Not zu retten und an einen sicheren Ort zu bringen. Westerbarkey betonte auch, dass eigentlich die EU-Staaten dafür zuständig seien, Geflüchtete im Mittelmeer zu retten.

"Verhaltenskodex ist ein unnötiges Instrument"

Volker Westerbarkey von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. © dpa picture alliance

Ärzte ohne Grenzen kritisieren die EU

Mehrere Hilfsorganisationen haben ihre Flüchtlingsrettung auf dem Mittelmeer eingestellt, nachdem ihnen gedroht wurde. Fragen an Volker Westerbarkey von Ärzte ohne Grenzen.

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Den von der italienischen Regierung geforderten Verhaltenskodex für Hilfsorganisationen lehnt Ärzte ohne Grenzen weiterhin ab. Der Kodex sieht unter anderem vor, dass bewaffnete Polizisten an Bord der privaten Rettungsschiffe kommen und dass die Schiffe libysche Hoheitsgewässer meiden. Westerbarkey bezeichnete das Regelwerk auf NDR Info als überflüssig. "Der Kodex ist ein unnötiges Instrument. Es bestehen internationale Gesetze, an die wir uns strikt halten", sagte er. Es gebe keinen Nachweis, dass seine Hilfsorganisation jemals dagegen verstoßen habe. Der Kodex ist nach seinen Worten Teil einer Politik, die darauf ausgelegt sei, Menschen nicht nach Europa kommen zu lassen.

"Das ist gegen internationales Seerecht"

Auch die Ankündigung libyscher Behörden, Geflüchtete wieder in die Lager im eigenen Land zurückzubringen, ist dem Deutschland-Chef von Ärzte ohne Grenzen zufolge keine Lösung. "Wir hoffen, dass die Politik sieht, welche Konsequenzen das hat für die Menschen in Not." In den Lagern würden die Migranten erneut Folter, sexueller Gewalt und Zwangsarbeit ausgesetzt, so Westerbarkey. "Das ist gegen menschliches Verständnis und auch gegen internationales Seerecht", kritisierte er.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 16.08.2017 | 07:50 Uhr