Germanwings: "Haben nichts vertuscht"

Ein Airbus der Fluggesellschaft Germanwings landet auf dem Flughafen Köln/Bonn. © dpa-Bildfunk Fotograf: Oliver Berg Detailansicht des Bildes Ein Germanwings-Airbus geriet Ende 2010 in eine Luftnotlage. (Themenbild) Entging ein Airbus A319 der Fluggesellschaft Germanwings Ende 2010 nur knapp einer Katastrophe? Die Lufthansa-Tochter betonte am Freitag, sie habe den Vorfall nicht vertuscht, alle ihr vorliegenden Informationen dazu "unverzüglich zur Verfügung gestellt" und das Ereignis selbst "als gravierend eingestuft". NDR Info hatte am Donnerstag unter Berufung auf Angaben der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen (BFU) berichtet, Pilot und Kopilot seien beim Landeanflug auf den Airport Köln/Bonn nahezu handlungsunfähig gewesen. Nur in höchster Not habe die Crew die Maschine mit 149 Menschen an Bord landen können. Offenbar waren Giftstoffe in die Cockpitluft gelangt.

Germanwings: Kapitän hatte "jederzeit alles unter Kontrolle"

Der BFU-Bericht gibt die Dramatik der Situation wieder: Der Kopilot hatte demnach beim Anflug auf den Köln/Bonner Flughafen Schwierigkeiten, den Ablauf in einem Gesamtbild zu erfassen. Er konnte sich nur noch mit Mühe auf einzelne Aspekte des ablaufenden Geschehens konzentrieren und spürte, dass er die anfallenden Informationen nicht mehr verarbeiten konnte. Auch der Kapitän war am Ende seiner Leistungsfähigkeit angekommen. Germanwings erklärte dagegen am Freitag, der Kapitän habe "jederzeit alles unter Kontrolle" gehabt. Das Unternehmen habe die Behörden sofort und umfänglich informiert. Damit widersprach Germanwings Recherchen von NDR Info und der Tageszeitung "Die Welt", wonach die Firma den Unfallermittlern der BFU zunächst nur eine geschönte Version der Vorfälle im Cockpit übermittelt habe. Die Bundesstelle hatte in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Bericht festgestellt, dass sie erst ein Jahr nach dem Zwischenfall weitere Informationen bekommen habe, die dann zu einer Untersuchung führten.

Grüne: "Problem für die Flugsicherheit"

Markus Tressel © Markus Tressel Fotograf: Stefan Kaminski Detailansicht des Bildes Markus Tressel (Grüne): "67 Vorfälle mit Öldämpfen in den vergangenen drei Jahren amtlich erfasst." Der Vorfall war am Freitag auch Thema im Deutschen Bundestag. Dort wurden zwei schon vor Monaten eingebrachte Anträge von SPD und Grünen debattiert, die die Bundesregierung aufforderten, sich des Themas "Gift in der Kabinenluft" anzunehmen. Der aktuelle Vorfall zeige, so der Grünen-Abgeordnete Markus Tressel, dass es ein Problem mit sogenannten Öldämpfen gebe. "Wir haben eine Gesundheitsgefahr für Crew und Passagiere. Und deshalb haben wir auch ein ausdrückliches Problem für die Flugsicherheit", sagte Tressel NDR Info. Das Ereignis vom Dezember 2010 sei beileibe kein Einzelfall. "Alleine 67 Fälle mit Öldämpfen sind in den vergangenen drei Jahren amtlich erfasst worden." Die SPD sieht es ähnlich, sie warf der Bundesregierung "bodenlose Ignoranz" vor.

Torsten Staffeldt (FDP) sprang hingegen für Germanwings in die Bresche und warf der Opposition eine Medienkampagne vor. "Die Aufklärung über das Thema, der ganze Prozess, ist völlig transparent. Dass man jetzt gerade versucht, das Ganze wieder aufzuhängen, das zeigt eigentlich nur, wie gut sich die Opposition mit einigen speziellen Medien, die dort einen Kreuzzug führen, auseinandersetzt."

Auch Pilotengewerkschaft vermutet Öldämpfe als Ursache

Die Pilotenvereinigung Cockpit hatte sich zuvor schon in die Diskussion eingemischt. Gewerkschaftssprecher Jörg Handwerg warf der Airline eine "vollkommen unverantwortliche Verharmlosung" des Problems vor. "Die Fakten sprechen doch hier eine eindeutige Sprache." Umstritten ist, was die Beinahekatastrophe in Köln ausgelöst hatte. Germanwings spricht von Enteiserflüssigkeit, Gewerksschaftssprecher Handwerg jedoch geht davon aus, dass auch Öldämpfe mit im Spiel waren: "Das war ein dramatischer Vorfall. So etwas darf sich nicht wiederholen. Hier müssen entsprechende Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Die Vereinigung Cockpit setzt sich seit Jahren dafür ein, dass es zu einer technischen Änderung kommt bei den Flugzeugen. Damit solche Öldämpfe - die aus unserer Sicht der Grund war für die Vorfälle - nicht mehr in Kabine gelangen können."

Auch der Flugkapitän bezweifelt in seinem Bericht, dass es sich um Enteiserflüssigkeit gehandelt habe: "Ich habe selbst bereits Erfahrung mit Dämpfen von verbrannter Enteisungsflüssigkeit in der Klimaanlage, auch in hoher Konzentration, mit starker Rauchentwicklung in der Kabine, gemacht. Daher fällt es mir in diesem Fall schwer, diese Diagnose nachzuvollziehen."

Kommentar
Flugzeug startet in den Abendhimmel © Picture Alliance Fotograf: MAN
 

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Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen hat einen 16-seitigen Bericht zu dem Vorfall am 19. Dezember 2010 veröffentlicht. (pdf-Dokument)

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Flugzeug beim Start © picture-alliance/ dpa Fotograf: Martin Gerten
 

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