Stand: 30.12.2015 20:30 Uhr

Tätersuche mit Handzetteln nach Schießerei

Nach der Schießerei im Rockermilieu hat die Hamburger Polizei ihre Fahndung verschärft. Im Stadtteil St. Pauli verteilte sie unter anderem Handzettel. Darauf beschreibt sie die Vorfälle und bittet um Mithilfe. Die Beamten hoffen, dass sich weitere Zeugen melden. Der wichtigste, ein Taxifahrer, in dessen Wagen die drei Mitglieder des Rockerclubs "Mongols" geflüchtet waren, hat bereits ausgesagt. Wie er die Situation erlebt hat oder ob er die Schützen erkannt hat, sagten die Ermittler nicht. Auch die Kriminaltechniker arbeiten weiter an dem Fall. Sieben Projektile haben sie aus dem Taxi herausgeholt und gleichen sie nun mit der gefundenen Schusswaffe ab.

Eine Polizeiabsperrung.

Ermittlungen nach Schießerei auf dem Kiez

Hamburg Journal -

Nachdem auf drei Mitglieder der Rockergruppe "Mongols" geschossen wurde, die in einem Taxi saßen, waren zunächst zwölf Mitglieder der "Hells Angels" festgenommen worden.

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Auf dem Hamburger Kiez waren am Montag zwei Mitglieder der Rockergruppe "Mongols" angeschossen worden. Die Polizei hatte kurz darauf nach eigenen Angaben zwölf Personen aus dem Umfeld der rivalisierenden "Hells Angels" festgenommen. Sie wurden mangels Beweisen aber wieder freigelassen. "Die Männer sind weiter tatverdächtig", sagte ein Sprecher. Zudem hatten die Beamten sechs Fahrzeuge, eine scharfe Schusswaffe sowie ein Messer sichergestellt.

Versuchte Flucht im Taxi scheitert

Etwa neun "Mongols" hatten sich am Tatabend in einem Lokal auf der Reeperbahn getroffen. Davor hielten gegen 22 Uhr drei Mitglieder der Rockergruppe ein leeres Taxi an und stiegen ein. "Ob die drei Männer zuvor auch in dem Restaurant waren oder nicht, wissen wir noch nicht", sagte Jörg Schröder von der Polizei Hamburg. Die Männer wollten schnell davonfahren, aber die Angreifer verfolgten sie. Mindestens sieben Schüsse wurden dann auf das Taxi abgegeben und durchschlugen die vordere und hintere Beifahrertür. "Das Taxi sieht aus wie ein Sieb", sagte ein Polizeisprecher noch in der Nacht. Der 46-jährige Taxifahrer kam mit einem Schock davon.

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Trotz der Schüsse blieben der Taxifahrer und ein "Mongol" unverletzt.

Nach Informationen des Hamburg Journals soll einer der drei Männer, die angegriffen wurden, der derzeitige Präsident der "Mongols" sein. Ein 28-jähriger Mann wurde am Rücken verwundet, die Verletzungen sind nicht lebensbedrohlich. Ein 26-jähriger Mann erlitt aufgrund eines Prellschusses ein Hämatom an der Schulter, kam aber nicht ins Krankenhaus. Ein weiterer "Mongol", der versuchte zu Fuß aus dem Restaurant zu flüchten, stürzte und brach sich das Bein. Insgesamt 46 Funkstreifenwagen schwärmten aus, um die Täter zu finden. Aufgrund von Zeugenaussagen konnten drei Fahrzeuge in Tatortnähe angehalten werden. Anschließend stellte die Polizei drei weitere Autos von "Hells Angels"-Mitgliedern sicher.

Immer wieder Gewalt zwischen Rockergruppen

Seit Monaten flammt der Streit im Hamburger Rocker- und Rotlichtmilieu immer wieder auf. "Wir beobachten die Vorfälle und sind in engem Austausch mit der Polizei", sagt Hauke Carstensen von der Innenbehörde Hamburg. Über die Entwicklung der Rotlichtkriminalität wolle man jedoch nicht spekulieren. Man müsse die Ermittlungen abwarten. Weil die "Mongols" durch die Schießerei vorgeführt wurde, warnt der Milieu-Experte Jürgen Roth jedoch vor einem Racheakt. "Das wäre das erste Mal, wenn das nicht passieren würde", sagte er.

Kommentar

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