Stand: 13.09.2017 19:00 Uhr

ZAPP aus der Regie - zeitgemäß?

von Annette Leiterer

Das passt nicht in 140 Zeichen, dafür war die angeregte Twitter-Diskussion über die Präsentationsform von ZAPP nach der vorigen Sendung zu lebhaft. Daher hier ausführliche Antworten zu einigen Aspekten.

Was war passiert? Stefan Niggemeier konnte nicht glauben, dass man eine Sendung aus der Regie für eine zeitgemäße Präsentationsform hält.

Und einige andere Nutzer gaben ihm recht, meinten, das sei "nicht Retro, das ist vielmehr retarded". Unsere alten Röhrenmonitore aus der Regie 1 in Hamburg Lokstedt erinnern einige eher an Mikrowellen mit OLED-Screens. Und die Assoziation ist auch aus unserer Sicht absolut nachvollziehbar. Wenn man die berührt, passiert aber gar nichts - außer, dass man Staubfinger bekommt.

Bye-bye Greenscreen! Hallo Senderegie!

Wozu also der Wechsel in die Senderegie? Ganz einfach: Wir hatten keinen Bock mehr auf Greenscreen. Es wirkt aseptisch, der/die ModeratorIn steht allein im Studio. Die Kameras konnten nicht zoomen oder sich überhaupt bewegen. Dadurch wirkte es statisch. Also wollten wir da weg. Ein Twitterer hatte vorige Woche offenbar die Fähigkeit, in unsere Hirne zu blicken. Er schrieb: "Wie sollte man es denn auch machen? Vor'm Greenscreen?" Und dann gab es noch einen, der schrieb:

In der Tat war nach dem Entschluss, das Studio zu verlassen, auch das Finanzielle ein Beweggrund, bestehende Räumlichkeiten zu nutzen. Wenn man es authentisch will, mit einem echten Hintergrund, wieso sollte man den teuer nachbauen? Wieso nimmt man dann nicht den echten Raum, in dem die Endversion der Sendung entsteht? Nebenbei geben wir einer Anregung auf Twitter recht, die da hieß: "Recherche mehr ins Rampenlicht stellen." Wir haben das intern einfach mal ausprobiert und ein halbes Jahr lang immer wieder daran gefeilt. Nebenbei kam ein neuer Moderator hinzu, im März sind wir dann mit der neuen Optik auf Sendung gegangen. Für viele andere Sendungen würde das nicht passen, wir finden: Für unsere schon.

Work in progress

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ZAPP sendet seit März aus der Senderegie.

Mit der Idee kommen natürlich auch die Probleme: Zunächst sind wir alle gewohnt, dass Fernsehen glänzt, Kulisse ist. Der Wunsch, hässliche Kabel doch besser zu entfernen, ist bei uns selbst sowie bei den Kollegen von der Technik mitunter recht ausgeprägt. Hinzu kommt, dass nicht jeder unbedingt im Bild zu sehen sein will. Und ja: Der NDR kann auch nicht ständig die gesamte Technik in den verschiedenen Regieräumen austauschen, damit bei uns kurz im Bild die neuesten TV-Screens zu sehen sind. Den Stein der Weisen haben wir also noch nicht gefunden.

Mitunter wurde die Redaktionsleitung auch intern belehrt, dass man so etwas in anderen Sendern schon zur Jahrtausendwende gemacht habe. Aber die Arbeiten sind nicht abgeschlossen, wir probieren weiter aus. Dazu gehört es eben auch, endlich mal einen Regisseur ranzulassen. Unter anderem aus Kostengründen ist diese Profession bei ZAPP bisher nämlich nicht vertreten - das machen die Redakteurinnen gleich mit. So viel zum Tweet: "Regisseure gibt's nicht mehr?"

Danke fürs Feedback

Nun hatten wir in der vergangen Sendung einen sehr erfahrenen Kollegen in der Regie - eine Wahnsinnsentlastung für uns. Und er hat auf unseren Wunsch hin etwas ausprobiert. So reizen wir den Regieraum, aber für einige Zuschauer offenbar auch den Raum des optisch Verträglichen bewusst aus. Vielleicht wird es nicht auf ewig dabei bleiben. So ein Feedback gibt ja auch Impulse. Also besten Dank dafür.

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 13.09.2017 | 23:20 Uhr