Sendedatum: 18.10.2017 23:20 Uhr

Schweiz: Öffentlicher Rundfunk unter Beschuss

von Caroline Schmidt und André Kroll
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Zur SRG gehören fünf Unternehmenseinheiten, darunter das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF).

Die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) ist der öffentliche Rundfunk im Land der Eidgenossen. Er ist zwar privatwirtschaftlich organisiert, hat aber mit seinen Radio- und Fernsehsendern einen gesetzlichen Auftrag (Information, Unterhaltung, Bildung, Kultur) zu erfüllen - und das in mehreren Sprachen. Dafür müssen die Bürger wie in Deutschland einen Rundfunkbeitrag entrichten, der über die Billag AG eingetrieben wird - aktuell liegt dieser bei 451 Franken (390 Euro) im Jahr, 2019 wird er auf 365 Franken (315 Euro) gesenkt. Doch selbst das ist den Gegnern zu viel.

Eine Journalistin des SRF bei einem Interview.

Schweiz: Öffentlicher Rundfunk unter Beschuss

ZAPP -

Auch in der Schweiz wird der öffentliche Rundfunk attackiert, er sei linkslastig und zu teuer, gehöre abgeschafft. Die Journalisten halten mit einer Transparenz-Offensive dagegen.

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No-Billag-Initiative sorgt für Volksabstimmung

Die No-Billag-Initiative fordert eine Abschaffung der Rundfunkgebühren und somit de facto eine Abschaffung des öffentlichen Rundfunks. Der Markt würde schon alles regeln und anbieten, Bürger somit nur das bezahlen, was sie auch konsumieren, so die bekannten Argumente. Die gesamtgesellschaftliche Funktion der SRG wird nicht gesehen, genauso wenig wie mögliches Marktversagen durch einen rein wirtschaftlich oder interessengesteuerten Journalismus. Letzteres wirft man sogar den Medien der SRG vor, auch das eine aus Deutschland bekannte Behauptung. Mit ihrer Kampagne hat es die No-Billag-Initiative jedenfalls geschafft, eine Volksabstimmung über die Rundfunkgebühr ins Leben zu rufen. Das könnte das Aus für den öffentlichen Rundfunk bedeuten - mit ungeahnten Folgen.

Transparenzoffensive der SRG-Journalisten

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SRF-Moderator Sandro Brotz.

Die Journalisten der SRG-Medien halten mit einer Transparenzoffensive dagegen, zeigen den Zuschauern, wie Journalismus funktioniert, was das System den Zuschauern und der Gesellschaft bietet. Sandro Brotz vom SRF-Investigativformat "Rundschau" erklärt: "Wir sind mitnichten ein Staatssender, wie man uns das gerne vorwirft. Dafür habe ich auch nur noch ein müdes Lächeln übrig, weil wir genauso auch den Staat kritisieren und dessen Institutionen. Also kurzum: Ich finde, das ist genau etwas, das man auch den Leuten vermitteln muss. Was tun wir als investigatives Recherche-Magazin? Wir schauen genauer hin. Wir müssen diese sogenannten Wachhunde der Demokratie sein. Und das werden wir auch weiterhin sein."

Ob sie die Mehrheit der Bürger auch davon überzeugen können? Oder werden die Bürger den finanziellen Argumenten der Initiative folgen? Das Mediensystem der Schweiz ist am Scheideweg - Ausgang ungewiss.

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ZAPP | 18.10.2017 | 23:20 Uhr