Sendedatum: 23.08.2017 23:20 Uhr

#EUPressefreiheitsCheck: Making Of

von Daniel Bouhs (ZAPP) & Jörg Wagner (radioeins)

Am Ende wurden aus den geplanten 6.000 sogar 7.500 Kilometer: Vier Wochen waren wir unterwegs bei den Kellerkindern der Pressefreiheit in der EU - orientiert am jährlichen Ranking der Reporter ohne Grenzen. Erst einmal: Entwarnung! So gefährlich wie etwa in der Türkei, in Russland oder China ist es für Journalisten in der EU noch lange nicht. Kein Kollege muss allein für seine Arbeit ins Gefängnis oder gar ernsthaft um sein Leben fürchten. Doch auch in der Europäischen Union - unserer Wertegemeinschaft - ist Pressefreiheit keine Selbstverständlichkeit. Die Bedrohungslage für freie Medien ist vielfältig und alarmierend.

Jörg Wagner und Daniel Bouhs vor dem Brandenburger Tor.  Fotograf: Oliver Ziebe

Bedroht - Pressefreiheit in Europa

ZAPP -

Vier Wochen waren Daniel Bouhs (ZAPP) und Jörg Wagner (radioeins) in Sachen Pressefreiheit in der EU auf Tour - orientiert am jährlichen Ranking der Reporter ohne Grenzen.

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Ungarn sollte statt Bulgarien hinen liegen

Im Pressefreiheits-Ranking ist Bulgarien das Schlusslicht. Unser Befund ist ein anderer: In Bulgarien ist nicht alles gut, aber eigentlich sollte Ungarn diese zweifelhafte Ehre zu Teil werden. Hier arbeiten Regierende und ihre Freunde konsequent daran, dass populäre kritische Stimmen verschwinden - mal wird eine Zeitung dafür geschlossen, dann einem Radiosender bisherige Lizenzen verweigert. Polen ist außerdem auf dem besten Weg, es Ungarn nachzumachen - indem Viktor Orbán eine Art "Ikea-Baukasten" für den eigenen Umgang mit den Medien vorgelegt hat, wie es einer unserer Gesprächspartner nennt.

Christian Mihr, Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen. © NDR

Christian Mihr: "Anhaltend schlechte Situation"

ZAPP -

Laut "Reporter ohne Grenzen"-Geschäftsführer Christian Mihr steht es nicht gut um die Pressefreiheit in Bulgarien. "Objektiv" sei die Rangfolge der Orgnaisation aber nicht.

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  • Anschlusssuche

    Ja: Europa kann Highspeed. Nur fünf Autostunden von Berlin entfernt im Warschauer Hotel bewegt sich der Fortschrittsbalken beim Hochladen von Audio- und Videodateien hundertmal schneller als gewohnt: bei 510 MBit/s - mehrfach getestet. Europa kann aber auch digitale Ödnis sein: Im italienischen Flachland dauert das Überspielen des sechsminütigen ZAPP-Films nach Hamburg zwei Stunden, trotz LTE-Verbindung. Und auf südeuropäischen Wasserstraßen ist es langsam und richtig teuer, trotz abgeschafften Roamings: Ein "Maritimer Tarif" bietet für 50 Euro ganze 8 Megabyte.

  • Grenzerfahrungen

    Herausforderung und Chance zugleich im Selbstversuch: Grenzen auszuloten, journalistische wie menschliche. Die erste und unerwartete Erkenntnis: Durst und Hunger stellen sich meist ein, wenn man nur zwischen Tankstelle oder Raststätte wählen kann - die Fitness steigert das nicht. Zweite Erkenntnis: Der "Lagerkoller" kommt zwei Tage vor dem Ziel - dauerte aber immerhin nur Minuten.

  • Reduktion

    Sie war der Charme dieses Projekts, bei dem zwei Reporter allein Radio, Fernsehen und das Internet bespielen sollten. Das Ziel also: minimales Gepäck und überschaubare Technik. Gefragt war die berühmte "eierlegende Wollmilchsau", die unterwegs recherchiert, interviewt, dreht und schneidet. Am Ende waren Kofferraum und Rückbank allerdings dann doch packe voll - mit 16 Rucksäcken, Stativen und Taschen.

  • Wegzoll

    Europa ist Vielfalt - auch bei der Maut: Tschechien verkauft Vignetten zum Pauschalpreis - ein Wochenbesuch kostet genauso viel wie eine zweistündige Durchfahrt. In Griechenland hingegen muss der Reisende alle halbe Stunde zahlen, damit sich wieder eine Schranke öffnet - und in der Krise geht das nur mit Bargeld, ohne Vorwarnung. Am Teuersten: Die Überfahrt des Brenners. Sie hat fast so viel gekostet wie alle anderen Mauttickets unserer vierwöchigen Tour zusammen.

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Krisen und Prozesshansel

Griechenland und Italien wiederum sind gefangen in ihren eigenen Dauerkrisen, unter denen auch der Journalismus leidet. Obwohl Silvio Berlusconi keine besondere Rolle mehr in der Politik spielt, hält in Italien erstaunlicherweise die Prozessfreudigkeit von Politikern und Unternehmern gegen Journalisten an. Am Ende werden sie von den Richtern zwar stets freigesprochen. Die Prozesse dauern allerdings oft mehrere Jahre und verschlingen damit so viel Zeit und Energie, dass Berichterstattern droht, die Puste auszugehen.

In Griechenland schlägt hingegen die Finanzkrise auch auf die Medien durch: Die Bevölkerung ist müde von schlechten Nachrichten. Außerdem räumen selbst Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ERT ein: Sie hatten und haben noch immer eine Nähe zur Regierung und bilden eher unkritisch ab, was die Mächtigen tun, statt sich um die eigentlichen Probleme der Bevölkerung zu kümmern. Damit sind hier keine Gesetze das Problem, sondern nicht zuletzt Selbstzensur und mangelnder Mut der Medienmacher.

Hauptsache Pressefreiheit bleibt ein Thema

Aber wie kommt es zu diesen unterschiedlichen Beobachtungen, etwa zum Schlusslicht Bulgarien? Christian Mihr, der Leiter der deutschen Sektion von Reporter ohne Grenzen, erklärt zweierlei: Erstens sei ein zentraler Fall, bei dem einer Journalisten das Auto angezündet wurde, noch völlig ungeklärt und damit vielleicht doch ein Problem für die Pressefreiheit. Und zweitens sei auch das Ranking von Reporter ohne Grenzen letztlich subjektiv - weil am Ende auch nur Kollegen Fragen beantworten. Außerdem, sagt Mihr, gehe es doch vor allem um eines: Dass überhaupt über die Pressefreiheit diskutiert werde. Und hier gehen wir auch wieder mit.

Weitere Informationen
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Der EU-Pressefreiheitscheck

23.08.2017 20:30 Uhr
NDR Info

Die Europäische Menschenrechtskonvention garantiert die Presse- und Rundfunkfreiheit. Im aktuellen Ranking stehen Staaten wie Italien, Griechenland und Ungarn ganz hinten. mehr

mit Video

ZAPP und radioeins machen den Pressefreiheitscheck

05.07.2017 23:20 Uhr

Zurzeit reist ZAPP durch Südosteuropa und geht der Frage nach: Wie frei ist die Presse in Europa? Bulgarien ist laut Reporter ohne Grenzen das Schlusslicht der EU. mehr

 

Die Folgen in der Übersicht
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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 23.08.2017 | 23:20 Uhr