Interview

Fasching: Gift in Kinderschminke

Arbeier mit Atemschutz vor Säcken mit Farbstoffen. © Inge Altemaier Detailansicht des Bildes Auch diese Farbenfabrik in China haben Autorin Iris Altemaier und ihr Team während ihres Drehs besucht. Kinder lieben Karneval. Derzeit verkleiden sich wieder unzählige Jungen und Mädchen als Piraten, Prinzessinnen oder Matrosen. Doch bei Faschingsschminke- und Tattoos ist große Vorsicht geboten. Eltern sollten die Warnhinweise bei Kinderkosmetik genau studieren: Viele allergieauslösende oder krebserregende Farbstoffe und sogar unfruchtbar machende Weichmacher befinden sich in den Produkten. Die Autorin Inge Altemeier hat sich auf eine Reise in die giftige Welt der Kosmetik begeben und vor Ort recherchiert, in den Produktionsstätten in China und Indien. Sie hat herausgefunden, dass für die Schminke teilweise dieselben Farbstoffe benutzt werden wie für Druck- und Wandfarben. Im Weltbilder-Interview erklärt sie, warum Zertifikate nicht unbedingt bedeuten, dass die Schminke unbedenklich ist. Und sie hat Tipps für Eltern, die ihre Kinder vor belasteter Kosmetik schützen möchten.

Weltbilder: Welche giftigen Stoffe haben Sie bei Ihren Recherchen in Kinderkosmetika gefunden?

Porträt Inge Altemeier © Inge Altemaier Detailansicht des Bildes Die Autorin Inge Altemeier ist auf investigative Recherche spezialisiert. Für ihren Film über Kinderkosmetik recherchierte sie in China und Indien. Inge Altemeier: Bei unseren Recherchen sind wir bei Kinderkosmetik vor allen Dingen auf die verbotenen und giftigen Farbstoffe CI 45170, CI 42535, CI 15585 und CI 45160 gestoßen. Sie erzeugen zum Teil Krebs. Auch zugelassene Farbstoffe können Allergien auslösen. In Lidschatten und Lippenstiften kommen Chrom VI und Spuren von Schwermetallen vor. Unfruchtbarmachende Weichmacher fanden sich in Konservierungsmitteln wie zum Beispiel Alcohol Denat. In schwarzen Henna-Tattoos steckt das hoch gefährliche Allergen Para-Phenylenediamin.

Inge Altemeier

Die Journalistin lebt seit ihrer Geburt 1956 in Hamburg und ist Mutter von zwei Söhnen. Sie studierte Anglistik, Politik und Pädagogik, arbeitete als freie Mitarbeiterin beim Rundfunk und beim Fernsehen. Seit 1991 ist die Fernsehjournalistin und Filmemacherin Autorin für NDR, Arte, WDR, SWR und den Spiegel.

Weltbilder: Es gibt Zertifikate, die Kinderkosmetika als unbedenklich ausweisen. Warum kann man sich darauf offenbar nicht verlassen?

Altemeier: Auf der Kosmetik-Messe in China wurden mir verschiedene Zertifikate unter die Nase gehalten. Auf meine Nachfrage, für welchen Lippenstift denn dieses Zertifikat gültig ist, antwortete mir die Händlerin: "Das Zertifikat gilt für alle Lippenstifte, die wir hier verkaufen." Eine Vorort-Kontrolle der zertifizierten Kosmetik findet so gut wie gar nicht statt. Die Zertifikate werden aufgrund der Angaben der Hersteller erteilt.

Giftige Kinderschminke

In Faschings-Schminke für Kinder stecken gesundheitsschädliche Substanzen. Teilweise finden sich darin Farbstoffe, die auch für Druck- und Wandfarben verwendet werden.

Weltbilder: Was müsste passieren, damit belastete Kinderkosmetik nicht in den Verkauf gelangt?

Altemeier: Wenn giftige Stoffe in der Kinderkosmetik gefunden werden, müssen die Produkte sofort vom Markt genommen werden. Die Behörden sollten nicht nur mit den Herstellern und "Inverkehrbringern" sprechen, sondern auch Geldstrafen und Importverbote aussprechen. Die Händler müssen zur Verantwortung gezogen werden und sicherstellen, dass die Ware die Kinder nicht schädigt. Mehrfach aufgefallene Importeure sollten ihre Handelslizenz verlieren. Vor allen Dingen braucht der globale Handel auch globale Gesetze.

Weltbilder: Wie können Eltern ihre Kinder vor belasteter Kosmetik schützen?

Altemeier: Zu allererst sollte man Kindern keine Kosmetik in die Hand geben, auf der steht: "Dies ist kein Spielzeug". Alle Kosmetik mit Warnhinweisen gehört nicht in Kinderhände, sondern sollte nur unter Aufsicht von Erwachsenen benutzt werden. Bei Kindern mit empfindlicher Haut und bei Allergikern würde ich ganz auf Kosmetik verzichten. Denn sobald die Kinder einmal auf einen Stoff sensibilisiert sind, hält die Allergie ein Leben lang.

Die Fragen stellte Hendrik Backhus.

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