Stand: 12.04.2016 12:15 Uhr

Prostatavergrößerung: Ursachen und Behandlung

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Die Prostata hat etwa die Größe einer Kastanie. Ist sie vergrößert (li.), sind Probleme beim Wasserlassen typisch.

Wenn Mann nachts häufig zur Toilette muss, das Wasserlassen schmerzt oder nur kleine Urinportionen ausgeschieden werden, liegt das meist an der Prostata. Etwa jeder zweite Mann über 50 leidet an einer gutartigen Vergrößerung der Vorsteherdrüse. Sie umschließt die Harnröhre zwischen Blase und Schließmuskel. Die Ursache der gutartigen Vergrößerung der Prostata ist bisher nicht abschließend geklärt. Sicher ist, dass hormonelle Veränderungen sowie genetische Faktoren eine Rolle bei der Entstehung spielen.

Animation einer Prostata

Moderne Therapien gegen Prostatavergrößerung

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Viele Männer jenseits der 50 haben eine vergrößerte Prostata. Für die meisten ist dies eine starke Einschränkung ihrer Lebensqualität. Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die benigne Prostatahyperplasie (BPH) ist die häufigste urologische Erkrankung des Mannes. Zur Diagnostik gehören zunächst die urodynamische Untersuchung (Messung des Harndrucks) und die Ultraschalluntersuchung der Blase und der Prostata. Zunächst sollten die Beschwerden medikamentös behandelt werden.

Welche Maßnahmen können bei leichten Beschwerden helfen?

Bei leichten Beschwerden helfen pflanzliche Produkte: Präparate aus Kürbiskernen, Brennnesselwurz oder Sägepalmenfrüchten sind ohne Rezept erhältlich. Sie haben sich als hilfreich erwiesen bei Beschwerden wie vermehrtem Harndrang oder nachlassendem Harnstrahl. Auch Blasentraining ist eine sinnvolle Maßnahme bei vermehrtem Harndrang mit kleineren Urinmengen: Dabei versucht der Mann den Drang auszuhalten und erst später zur Toilette zu gehen. Beckenbodentraining hat bei einer gutartigen Prostatavergrößerung keine Wirkung, ist aber trotzdem sinnvoll, um einer Inkontinenz vorzubeugen.

Gefahr einer Blasenentzündung

Der Urologe sollte die Prostata per Ultraschall untersuchen, denn verbleibt aufgrund einer leicht vergrößerten Prostata regelmäßig etwas Urin in der Blase, können Prostata- und Harnwegsinfekte entstehen. Im schlimmsten Fall führt das zu einem Harnstau. Eine Prostata-Entzündung wird mit Antibiotika bekämpft. α-Blocker entspannen die Muskulatur in der leicht vergrößerten Prostata und Harnröhre, damit das Wasserlassen leichter fällt. Sie haben allerdings keinen Einfluss auf das Größenwachstum der Prostata. Gegen eine stark vergrößerte Prostata helfen 5-α-Reduktase-Hemmer, durch die die Prostata nicht weiter wächst. Ihre Wirkung beruht auf einer Hemmung des Sexualhormons Testosteron.

OP: Ausschälung oder Laser

Bleibt eine Besserung der Beschwerden unter der medikamentösen Therapie aus, kann eine operative Therapie notwendig sein. Das Standardverfahren ist noch immer die Ausschälung der Prostata (Bipolare Turp): Mit einem durch die Harnröhre eingeführten Endoskop wird überschüssiges Gewebe mit einer Schlingenelektrode abgetragen und dabei die Wundfläche gleich verschorft. Es gibt kein anderes operatives Verfahren, dessen langfristiger Erfolg so gut belegt ist. Wie bei jeder OP, kann es aber dabei auch zu Komplikationen kommen: Blutungen während und nach der Operation sowie das Auftreten einer dauerhaften Harninkontinenz können auftreten. In 60 bis 90 Prozent aller Fälle treten Ejakulationsstörungen auf. Die Fähigkeit zur Erektion bleibt aber in der Regel erhalten. Der Eingriff eignet sich nicht für Patienten mit erhöhtem Blutungsrisiko - zum Beispiel bei Einnahme von Marcumar.

Anstelle des elektrischen Vorgehens kann das Prostatagewebe auch mithilfe von Laserstrahlen entfernt werden. Während herkömmliche Laser (zum Beispiel Greenlight-Laser) das überschüssige Gewebe einfach komplett verdampfen und nur für gering vergrößerte Drüsen geeignet ist, schneiden Lichtskalpelle es heraus. Die Tulium-Laserenukleation eignet sich besonders für Patienten mit hohem Blutungsrisiko. Der Eingriff erfolgt durch die Harnröhre, Blutungen verschweißt der Laser sofort. Ein spezielles Instrument zerkleinert das abgetragene Gewebe in der Blase, von dort wird es dann herausgespült. Sowohl die Blutungs- als auch die Inkontinenzrate ist dabei deutlich geringer als beim Ausschälen. Ein weiterer Vorteil dieser Laserbehandlung ist, dass das abgetragene Gewebe im Anschluss feingeweblich untersucht werden kann, um zum Beispiel eine Prostatakrebserkrankung auszuschließen.

Urolift: Langzeiterfahrungen fehlen noch

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Urolift-Implantate (grün) raffen das Prostatagewebe.

Urolift-Implantate sind ein weiteres, schonendes Verfahren. Dabei wird die Prostata gerafft. Dazu werden durch die Harnröhre spezielle Anker in die Prostata eingebracht. Sie raffen das Prostatagewebe und erweitern dadurch den Durchmesser der Harnröhre. Der Harnfluss erhöht sich danach durchschnittlich um ein Drittel. Die Patienten geben eine Verbesserung der Symptome und eine Steigerung der Lebensqualität an. Im Rahmen von Studien konnten nur leichte Komplikationen wie Schmerzen beim Wasserlassen oder Blut im Urin beobachtet werden. Das Verfahren eignet sich insbesondere für junge Pateinten, die ihre Zeugungsfähigkeit erhalten wollen. Die Prostata darf dabei nicht mehr als 60 Gramm wiegen. Die Vergrößerung darf also noch nicht weit vorangeschritten sein.

Da bei diesem Verfahren die Ursachen der Beschwerden nicht beseitigt werden, schreitet das Wachstum der Prostata fort. Die Verankerungen könnten dadurch möglicherweise im Verlauf ausreißen und eine weitere Therapie erforderlich sein. Daher müssen Langzeitstudien zeigen, ob sich die anfänglich guten Behandlungsergebnisse auch über einen längeren Zeitraum nachweisen lassen. Die Behandlung erfolgt momentan noch an wenigen Kliniken in Deutschland im Rahmen klinischer Studien. Die Kosten von etwa 1.500 Euro werden daher nicht von den Krankenkassen übernommen.

Links

Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.

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Informationsportal zur Urologie extern

Jährliche Vorsorgeuntersuchung ratsam

Um eine Prostatavergrößerung und auch bösartige Veränderungen frühzeitig erkennen zu können, sollten sich Männer mit Prostataleiden in der Familie frühzeitig, sonst ab dem 45. Lebensjahr einmal jährlich untersuchen lassen. Spätestens wenn Männer mehrmals nachts auf die Toilette müssen, sollten sie den Arzt aufsuchen, denn je früher ein Prostataleiden behandelt wird, desto geringer sind die Risiken.

Weitere Informationen
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Interviewpartner

Im Studio:
Priv.-Doz. Dr. Thomas Herrmann
Stellvertretender Klinikdirektor und Leitender Oberarzt der Sektion Minimalinvasive Chirurgie, Leiter Endourologie und Laparoskopie
Klinik für Urologie und Urologische Onkologie
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neubert-Straße 1
30625 Hannover
Tel: (0511) 532 58 47
E-Mail: urologie.sekretariat@mh-hannover.de

Im Beitrag:
Priv.-Doz. Dr. Martin Schönthaler
Oberarzt der Klinik für Urologie, Minimalinvasive Techniken und Steintherapie
Universitätsklinikum Freiburg, Department Chirurgie
Hugstetter Straße 55
79106 Freiburg
Tel. (0761) 27 02 89 30
E-Mail: martin.schoenthaler@uniklinik-freiburg.de
Internet: www.uniklinik-freiburg.de

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