Sendedatum: 20.03.2012 20:15 Uhr  | Archiv

Behandlung mit Strom: Transkranielle Hirnstimulation

Das menschliche Gehirn besteht aus vielen Milliarden Nervenzellen, die miteinander vernetzt  sind. Die Übertragung von Informationen innerhalb dieses Netzes erfolgt über elektrische Impulse. Dieses Prinzip macht sich die Transkranielle Hirnstimulation zunutze. Dabei wird ein schwacher elektrischer Strom durch die Kopfhaut und den Schädelknochen hindurch auf die Nervenzellen der äußeren Hirnrinde abgegeben.

Ein Arzt guckt auf die Auswertung einer Kernspintomographie. © NDR

Transkranielle Hirnstimulation

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Um die Folgen eines Schlaganfalls wie Lähmungen oder Sprachstörungen zu lindern, werden neue Therapie-Verfahren ausprobiert. Eine davon ist die sogenannte Hirnstimulation.

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Durch die Stimulation verändert sich die elektrische Ladung in der Hülle (Membran) der Nervenzellen. Das verstärkt oder dämpft die Erregbarkeit der Gehirnzellen.

Forschungen haben gezeigt, dass das Gehirn bis ins hohe Alter in der Lage ist, sich zu verändern, anzupassen und Funktionen geschädigter Areale in anderen Bereichen zu übernehmen. Zwar lassen sich fehlende oder zerstörte Nerven und Nervenverbindungen nicht ersetzten, dafür sollen bestehende Verbindungen gestärkt werden. Daher wird die Wirksamkeit dieser Stimulation in der Therapie von Schlaganfällen, Multipler Sklerose, Parkinson sowie Epilepsie und Schmerzen untersucht. 

Gerade im Bereich der Therapie von Muskellähmungen - infolge von Schlaganfällen - versprechen sich die Wissenschaftler in der Kombination mit der herkömmlichen Physiotherapie gute Erfolge. Zwei Drittel der Schlaganfallpatienten leiden an bleibenden Bewegungsstörungen oder Lähmungen. Im Vordergrund stehen hier oft Störungen der Handfunktion, die den Alltag nicht selten erheblich beeinflussen. Die motorischen Fähigkeiten müssen erst wieder erlernt werden. Mit Hilfe der Transkraniellen Stimulation soll dieser Lernprozess positiv beeinflusst werden können.

Videos
04:18 min

Hirnstimulation: Interview

20.03.2012 20:15 Uhr
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Strom ins Gehirn - ist das gefährlich? Moderatorin Vera Cordes im Interview mit Prof. Walter Paulus. Video (04:18 min)

Die Behandlung ist schmerzfrei. Außer einem leichten Kribbeln auf der Kopfhaut spürt der Patient nichts von der Gleichstromstimulation. Auch gesundheitliche Risiken und Nebenwirkungen sind nicht zu befürchten. Zurzeit wird die Wirksamkeit der Behandlung in Studien untersucht.

Interviewpartner im Beitrag:

Prof. Dr. med. Christian Gerloff
Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie

Dr. Friedhelm Hummel
Leitender Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Neurologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg

Interviewpartner im Studio:

Prof. Dr. Walter Paulus
Direktor der Abteilung für Klinische Neurophysiologie
Universitätsmedizin Göttingen
Robert-Koch-Straße 40
37075 Göttingen
Tel. (0551) 39 66 50
Fax: (0551) 39 81 26

Autor des Fernsehbeitrags:
Ulrich Neumann

Dieses Thema im Programm:

Visite | 20.03.2012 | 20:15 Uhr