Sendedatum: 05.10.2014 19:30 Uhr  | Archiv

Zeitreise: Bullensamen für den Frieden

200 Portionen tiefgefrorener Samen von Bullen aus der Angler Zucht, bedeuten damals den Anfang eines langjährigen Geschäfts zwischen Günther Hofmann (Foto) aus Süderbrarup und der UdSSR.

Post aus Süderbrarup ist vielleicht nichts ungewöhnliches, aber wenn der Adressat der sowjetische Parteichef Nikita Chruschtschow ist, dann geht es um mehr, als den höflichen Austausch von Worten. Im Dezember 1962 sandte Günther Hofmann, Geschäftsführer der Züchter des "Angler Rindes", einen Brief an den Regierungschef der UdSSR, in dem er sich bei ihm für die Rettung des Weltfriedens bedankte. Und er wollte dem Kreml-Chef etwas schenken: 200 Portionen tiefgefrorenen Samen der besten Bullen aus Angler Zucht. Kurz zuvor, während der Kuba-Krise, hatte die Welt am Rande des Dritten Weltkriegs gestanden und konnte erst im letzten Augenblick vom amerikanischen Präsidenten Kennedy und Chruschtschow abgewendet werden.

Privatpost von Chruschtschow

Anfang 1963 bekommt Günther Hofmann Antwort aus Moskau. Ein Brief, unterschrieben von Chruschtschow - und gleichzeitig auf der ersten Seite der sowjetischen Staatszeitung, der "Prawda" veröffentlicht. Er bedankt sich für das "Freundschaftsgeschenk" und schreibt zugleich, er freue sich, dass Hofmann die Friedensanstrengungen der Sowjets zu würdigen wisse. Ein Kommunist, der ihren Verbandsvorsitzenden lobt - zu viel für die Bauern in Angeln. Hofmann wurde als Kommunist beschimpft, der mit den Roten gemeinsame Sache macht.

Aus dem Geschenk werden langjährige Geschäfte

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Die Sowjets kauften 20 Jahre lang Jungbullen, Färsen und Bullensamen aus Süderbrarup ein.

Aber Hofmann hatte eigentlich einen ganz anderen Plan, denn in dem Brief schrieb er auch von der engen Verwandtschaft des Angler Rindes mit dem sowjetischen Rind. Und sein Plan ging auf. Die Sowjets kauften in Süderbrarup ein. Jungbullen, Färsen und Bullensamen wurden mit dem Zug Richtung Osten geschafft. Und die Bauern und Landwirte in Angeln lobten nun ihren Geschäftsführer. Fast zwei Jahrzehnte dauerte das Geschäft mit der Sowjetunion. Millionen Nachkommen weiden auf den Wiesen Russlands und der Ukraine.Aus diesem kargen Haus wurde ein Crossfitstudio in Flensburg gemacht. Wir begleiten im Magazin den neuen Trend.

Mit vielen alten Filmaufnahmen erinnern wir an diese Episode zwischen Schleswig-Holstein und der Sowjetunion.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 05.10.2014 | 19:30 Uhr