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07.06.2012 | 21:45 Uhr
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Interview

"Wir sollten unser Kaufverhalten überdenken"

Reinhild Benning, Landwirtschaftsexpertin des BUND  Detailansicht des Bildes Reinhild Benning vom BUND fordert eine Kennzeichnung von Fleisch aus Massentierhaltung. Mehr als fünfzig Millionen Schweine werden in Deutschland jährlich geschlachtet - rund ein Drittel davon in Niedersachsen. Über die Folgen der intensiven Schweinemast für die Umwelt hat NDR.de mit Reinhild Benning, Landwirtschaftsexpertin des BUND, gesprochen.

NDR.de: Welche Folgen hat die intensive Schweinemast für die Umwelt?

Reinhild Benning: Durch die Zunahme der intensiven Tierhaltung landen zu viele Nährstoffe auf den Feldern. Das schadet dem Klima, dem Artenschutz und der Wasserqualität. Früher wurden die Tiere überwiegend mit Futter aus der Region ernährt, das heißt es gab dort einen geschlossenen Stoffkreislauf. Heute dagegen importieren wir zum Beispiel in Deutschland über fünf Millionen Tonnen Soja. Dieses eiweißhaltige Futter wird aber zum größten Teil in Form von Stickstoff wieder ausgeschieden und landet beim Düngen auf den Böden. Mehr Schweinemast heißt daher mehr Überdüngung.

NDR.de: Wie machen sich denn die Umweltfolgen in Norddeutschland bemerkbar?

Klimaschädliche Ammoniakgase dringen nach draußen

Benning: Durch die Gülle gelangen Nitrate auch ins Grundwasser, der allerwichtigsten Trinkwasserquelle in Niedersachsen. An jeder fünften Grundwassermessstelle liegen die Nitratwerte bereits über dem Grenzwert für Trinkwasser. Außerdem dringen aus den Ställen klimaschädliche Ammoniakgase und oft auch Krankheitserreger nach draußen. Vor allem aber müssen Anwohner in den entsprechenden Regionen meist mit starkem Gestank leben.

NDR.de: Welche Folgen hat denn die intensive Tierhaltung hier bei uns in anderen Ländern?

Benning: In Brasilien und Argentinien zum Beispiel wird der Anbau von gentechnisch verändertem Soja ausgedehnt. Auf diesen Plantagen werden immer mehr Pestizide eingesetzt mit gravierenden Gesundheitsbeeinträchtigungen für Anwohner und Landarbeiter. Außerdem geht der Sojaanbau oft zulasten des Regenwaldes. Für Tierfutter in unseren Trögen wird dort massiv Wald abgeholzt.

NDR.de: Wer ist denn für diese Entwicklung in der Landwirtschaft verantwortlich?

Fleischindustrie predigt Wachstum

Benning: Aus meiner Sicht ist die treibenden Kraft die Fleischindustrie. Sie predigt: Wachstum, Wachstum, Wachstum. Also obwohl nicht genügend heimische Futterressourcen vorhanden sind, will die Industrie immer mehr Fleisch exportieren. Dabei bürdet sie der Gesellschaft die externen Kosten auf – zum Beispiel die der Gewässerbelastung. Die Politik unterstützt dies zusätzlich durch zahlreiche Subventionen wie etwa für Stallbauten und Schlachthöfe.

NDR.de: Was muss sich ändern?

Benning: Wir als Verbraucher sollten unser Kaufverhalten überdenken. Damit wir uns bewusst entscheiden können, muss die Politik eindeutige Lebensmittel-Kennzeichnungen vorschreiben. Wir fordern, dass Fleisch aus Massentierhaltung ebenso leicht erkennbar wird wie heute schon das Ei mit der Ziffer "3" aus Käfighaltung. Außerdem muss gekennzeichnet werden, wenn gentechnisch verändertes Futter verwendet wurde. Noch mehr würden wir uns wünschen, dass die Landwirte auf Qualitätsfleisch statt auf Überproduktion und Export setzen und dass sie wieder selbst mehr Futtermittel anbauen.

NDR.de: Essen Sie selbst Schweinefleisch?

Benning: Ich esse wahnsinnig gern Schweinefleisch, allerdings nicht besonders viel. Das Fleisch, das ich kaufe, stammt aus Bio- oder Neuland-Haltung.

Das Gespräch führte Oda Lambrecht.

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Reporter des Politmagazins "Panorama" lösen schwierige Rechercheaufgaben und decken Missstände auf. Sie ermitteln verdeckt und konfrontieren Verantwortliche.

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