Stand: 08.09.2010 17:00 Uhr  | Archiv

Schwere Vorwürfe gegen AWD und Carsten Maschmeyer

Schwere Vorwürfe gegen den Finanzdienstleister AWD und seinen Gründer Carsten Maschmeyer werden von Experten in einer Fernsehreportage des Norddeutschen Rundfunks (NDR) erhoben. Ein Anwalt, ein Wirtschaftsdetektiv und ehemalige AWD-Berater schildern in der neuesten Ausgabe von "Panorama - Die Reporter", dass zahlreiche ahnungslose Kunden mit unhaltbaren Versprechungen zum Kauf hochriskanter Finanzprodukte verleitet worden seien. Der AWD und damit Multimillionär Maschmeyer hätten sehr gut daran verdient, viele Kleinanleger hingegen hätten alle Ersparnisse verloren, weil sie über die Risiken nicht aufgeklärt worden seien.

Maschmeyer wird auf mehrere hundert Millionen Euro geschätzt. Den AWD hat er inzwischen an den Schweizer Versicherungskonzern Swiss Life verkauft. Er ist der Lebensgefährte der Schauspielerin Veronica Ferres und befreundet mit Spitzenpolitikern wie Ex-Kanzler Gerhard Schröder und Bundespräsident Christian Wulff. Wulff hatte sich noch im Juli für einen Kurzurlaub in Maschmeyers Luxus-Villa auf Mallorca eingemietet.

Der renommierte Münchener Wirtschaftsanwalt Peter Mattil beklagte vor der PDR-Kamera, vielen Kleinanlegern seien von AWD sogenannte "geschlossene Fonds" verkauft worden. "Es sind keine Einzelfälle. Dort wurden Beratungen gemacht, die einfach falsch waren. Man erzählte den Leuten, es sei eine Kapitalanlage für das Leben. Eine für die Altersvorsorge geeignet, was natürlich nicht zutrifft. Es sind spekulative unternehmerische Beteiligungen. Uns liegen Protokolle vor, aus denen sich ergibt, dass die Anleger falsch beraten wurden." Wenn so ein Fonds dann scheitere, was immer wieder passiert sei, dann "ist das existenzvernichtend".

Der anerkannte saarländische Wirtschaftsdetektiv Medard Fuchsgruber kritisierte, "es ist mir ein absolutes Rätsel, wie sich gerade die Politprominenz so vor den Karren spannen lässt. Entweder sie haben es noch nicht verstanden, dass der AWD wirklich viele Problemfälle hat, oder es ist ihnen egal." Wie Rechtsanwalt Mattil meinte auch Fuchsgruber, "dass wir heute ganz, ganz viele Anleger haben, Kunden des AWD, die mehr oder weniger um ihre Existenz kämpfen, bzw. ihre Altersvorsorge Stück für Stück verlieren."

Ein ehemaliger AWD-Teamleiter, der mehrere Berater unter sich hatte, beschrieb das sogenannte AWD-Schneeballsystem: Viele Mitarbeiter stießen "branchenfremd zum AWD", wüssten erst einmal nicht, wovon sie redeten und "hinterlassen teilweise auch ein bisschen verbrannte Erde". Er gab zu, dass zumindest in der Vergangenheit auch Produkte verkauft worden seien, die zwar eigentlich nicht zum Kunden gepasst hätten; aber für die hochriskanten geschlossenen Fonds habe man besonders hohe Provisionen kassiert.

Wiederholt hat der NDR versucht, Carsten Maschmeyer für ein Interview zu gewinnen - stets vergeblich. Der Vorstandsvorsitzende des neuen AWD-Eigentümers Swiss Life, Bruno Pfister, erklärte auf NDR-Anfrage, der AWD habe in der Vergangenheit derartige Fälle geprüft und werde werde es auch in Zukunft tun - "und zwar auf Einzelfallbasis". Die Probleme der Geschlossenen Fonds seien Vergangenheit. "In der neuen Produktpalette sind wir bereits sehr viel vorsichtiger."

In der NDR-Reportage wird eine Familie aus dem Raum Lübeck präsentiert. Sie hatte sich in den 90er Jahren von einem AWD-Berater dazu überreden lassen, Immobilien zu kaufen, die heute nur noch einen Bruchteil des Kaufpreises wert sind. Außerdem hatte sie in geschlossene Fonds investiert, die inzwischen ebenfalls wertlos sind. Nach eigenen Rechnungen hat die Familie insgesamt 170.000 Euro verloren und muss jeden Monat 1.700 Euro an Schulden zurückzahlen. Der AWD hat gegenüber dem NDR eine Prüfung zugesagt.

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