Stand: 22.08.2017 06:00 Uhr

Tropenholz in Grillkohle entdeckt

Tester haben auch bei deutschen Lieferanten Tropenholz in Grillkohle und Briketts gefunden. Das ist dasErgebnis der ersten für Verbraucher zu diesem Thema in Auftrag gegebenen Untersuchung in Deutschland; sie liegt dem NDR vorab vor.

Glühende Grillkohle © picture-alliance/chromorange

Tropenholz in Grillkohle entdeckt

Panorama 3 -

Tester haben bei deutschen Lieferanten Tropenholz in Grillkohle und Briketts gefunden. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die dem NDR vorab vorliegt.

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Das Thünen-Kompetenzzentrum Holzherkünfte in Braunschweig untersuchte im Auftrag der Umweltorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) 20 unterschiedliche Holzkohlen und Briketts. In acht Proben fanden die Forscher Tropenholz - darunter auch von als bedroht geltenden Baumarten wie Bongossi aus westafrikanischen Tropenwäldern und wertvolle Edelhölzer wie Padouk und Mouriri.

200.000 Tonnen importierte Holzkohle

In Deutschland verkaufte Holzkohle wird fast ausschließlich importiert. Das Statistische Bundesamt gibt an, dass mehr als 200.000 Tonnen Holzkohle im vergangenen Jahr nach Deutschland eingeführt wurden. Die meiste Kohle stammt dabei aus Polen (rund 70.000 Tonnen). Dahinter liegen Nigeria mit rund 30.000 Tonnen und Paraguay mit rund 25.000 Tonnen. Auch Polen importiert Holz aus den Tropen.

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Marktanalyse Grillkohle 2017

Die Untersuchungsergebnisse des Grillkohletests im Einzelnen. Welche Holzohle wurde getestet, in welcher wurde Tropenholz entdeckt? Download (932 KB)

Ob das verwendete Tropenholz in der Grillkohle legal oder illegal geschlagen wurde, kann die Untersuchungsmethode des Thünen-Instituts nicht nachweisen. Die Ernährungs - und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) geht davon aus, dass in Nigeria 75 Prozent des Holzeinschlags illegal stattfindet.

Massiver Raubbau von Tropenholz

Auch der Raubbau am subtropischen Regenwald in Paraguay zeigte zuletzt dramatische Auswüchse - riesige Waldflächen werden zu Rinderfarmen oder Sojaplantagen umgewandelt. Das dafür geschlagene Holz geht unter anderem in die Holzkohleproduktion, wie lokale und internationale Umweltschutzorganisationen berichten.

Johannes Zahnen vom WWF bewertet die Ergebnisse der Untersuchung daher kritisch: "In den Tropen haben wir nahezu überall auf der Welt das Risiko von illegalem Holzeinschlag", berichtet er, "wir haben Raubbau - auch legalen - und völlig unökologische Waldvernichtung. Das Ergebnis ist ein Desaster. Bei vielen der untersuchten Produkte war auch gar nicht vermerkt, dass es sich um Tropenholz handelt. Das heißt, der Kunde wird hier im Dunkeln gelassen." 

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Johannes Zahnen vom WWF kritisiert den Raubbau.
Keine EU-Verordnung für Holzkohle

Zwar müssen Händler, die Tropenholz importieren, gemäß der EU-Holzhandelsverordnung seit einigen Jahren nachweisen, dass das Holz aus legalem Einschlag stammt. Die Verordnung gilt jedoch nicht für Holzkohleprodukte. Nachweise sind daher nicht erforderlich.

Auf Nachfrage teilte die EU-Kommission Panorama 3 mit, dass die Holzhandelsverordnung gerade überprüft werde. Lücken in der Produktliste würden gerade identifiziert und Interessenvertreter gehört, um Anpassungen der Produktliste vorzunehmen. Ergebnisse sind im Herbst zu erwarten.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft setzt sich nach eigenen Angaben dafür ein, dass künftig alle Holzprodukte automatisch unter die Verordnung fallen und gegebenenfalls Ausnahmen erteilt werden.

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Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 22.08.2017 | 21:15 Uhr