Nordseereport

Natur im Wandel

Sonntag, 19. November 2017, 18:00 bis 18:45 Uhr
Montag, 20. November 2017, 01:35 bis 02:20 Uhr

Kegelrobben liegen am Strand.

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Sie sieht ziemlich niedlich aus, die Kegelrobbe. Und doch könnte sie es faustdick hinter ihren Öhrchen haben. Es ist ein Kriminalfall, der in der Nordsee spielt. In der Rolle des Detektivs: Biologe Abbo van Neer. Er will aufklären, ob Kegelrobben für den mysteriösen Tod von Schweinswalen verantwortlich sind. In den vergangenen Jahren waren immer wieder Kadaver dieser Tiere an den Küsten angeschwemmt worden. Van Neer ist heute auf Helgoland unterwegs, um Beweismittel zu sichern. Die neue Ausgabe des Nordseereports im NDR Fernsehen lautet „Natur im Wandel“ - wandelt sich bald auch das Bild von der unschuldigen Robbe?

"Normal fressen sie eher Fisch"

Besonders appetitlich ist van Neers Aufgabe heute nicht. Er sammelt Kot. „Ich suche den Kot, um ihn zu analysieren“, sagt er. Durch die Untersuchung des Mageninhaltes erhoffen sich die Wissenschaftler Aufschlüsse über die Diät der Kegelrobben. Es geht weiter ins Labor. Van Neer hat die Kegelrobben, übrigens die größten Raubtiere Deutschlands, schon länger in Verdacht. „Normal fressen sie eher Fisch. Warum sollten sie aber nicht auch Seehunde fressen oder eben auch Schweinswale“, sagt er. Es gibt sogar schon Beweise: Erst vor kurzer Zeit haben Taucher vor Helgoland gefilmt, wie ein Kegelrobben-Bulle einen Seehund gerissen und ihn danach gefressen hat.

Warum in die Ferne schweifen?

Vor allem im Winter, vermuten die Wissenschaftler, nehmen die Attacken zu. In dieser Zeit brauchen die Bullen viel Energie, weil sie sich fortpflanzen und ihr Revier verteidigen. „Da haben sie eigentlich keine Zeit, um aufs Meer heraus zu schwimmen und Fische zu fangen“, sagt van Neer. Und warum in die Ferne schweifen, wenn der Seehund liegt so nah? Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis das Geheimnis um die toten Schweinswale endgültig geklärt ist und ob die Kegelrobben tatsächlich als "Täter" infrage kommen. Van Neer will Antworten finden, indem er bald einzelne Tiere mit Unterwasserkameras ausstattet.

Volkszählung bei den Schweinswalen

Bleiben wir noch kurz bei den Schweinswalen. Wie viele von ihnen sich in der Nordsee tummeln – niemand weiß es genau. Zwischen 100.000 und 300.000 Tieren, vermuten Biologen. Es ist nahezu unmöglich, die etwa zwei Meter langen Wale zu zählen. Doch in den Niederlanden sind findige Biologen jetzt auf einen Trick gekommen: An einem Sperrwerk in der Oosterschelde leben Schweinswale auf begrenztem Raum in flachem Wasser. Und hier ist es deutlich einfacher, die Tiere zu zählen, als auf dem offenen Meer. Eine Armada von freiwilligen Helfern macht sich einmal im Jahr mit Dutzenden Booten auf den Weg und sperrt die Augen auf. Dieser Trick verhilft den Fachleuten zu wertvollen Informationen über die Population der Tiere und deren Entwicklung.

Ein Gläschen Sekt aus England?

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Die Natur hat sich auf Jersey gewandelt: Das Heideland wird auf der Kanalinsel zunehmend verdrängt. Schäfer Aaron Le Couteur versucht nun, mit seinen Schafen es zurückzugewinnen.

Außerdem berichten die Autoren des Nordseereports in der Sendung am Sonntagabend von Wein und Sekt aus England. Was etwas ungewohnt klingt, ist eine Folge der Klimaerwärmung. Im Süden der Insel reifen die unterschiedlichsten Sorten und gerade der Sekt Made in England hat schon mehrere Preise gewonnen. Ebenfalls im Wandel ist offenbar die Schiffindustrie – zumindest einige Reedereien. Beim Unternehmen Wessels aus Haren im Emsland etwa wird gerade das erste Containerschiff der Welt umgerüstet, damit es künftig mit Flüssiggas betrieben werden kann. Das könnte der Beginn einer kleinen Revolution auf den Weltmeeren sein, wo unzählige Tanker und andere dicke Pötte meist ausschließlich mit umweltschädlichem Schweröl fahren.

Trotziger Überlebenskampf im Salzwasser

Weiter geht es auf der Insel Jersey: Dort sind seit etwa acht Jahren die Schafe zurückgekehrt – obwohl sie zuvor schon fast „ausgestorben“ schienen. Ihr Fleisch und die Wolle waren einfach nicht mehr gefragt. Doch das hat sich nachhaltig gewandelt. Die letzte Station ist dann die große Salzwiese von St.-Peter-Ording. Biologe Rainer Borcherding ist fasziniert vom ständigen Wandel der dortigen Natur, die nur so überleben kann, weil sie dem Salz der Nordsee trotzen muss.

Leitung der Sendung
Andrea Lütke
Redaktion
Angela Sonntag
Moderation
Antje Wöhnke
Produktionsleiter/in
Thomas Kay
Redaktion
Tom Fischer