Stand: 12.01.2007 15:00 Uhr

Schweden: Großmacht im Norden Europas

von Matthias Stelte

Die Gründung des schwedischen Königreiches geht zurück bis in das Jahr 1000. In dieser Zeit bildet sich aus den einzelnen Provinzen zunächst ein loser Bund. Erst ab der Mitte des 13. Jahrhunderts herrscht der König als Zentralmacht über das gesamte Land. In dieser Zeit profitiert Schweden, wie die anderen Länder und Städte im Norden Europas auch, vom blühenden Handel der mittelalterlichen Hansezeit.

Blütezeit im Mittelalter

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König Gustav I. ist der Begründer der Wasa-Dynastie.

Im Jahr 1389 verliert das Land seine Unabhängigkeit. Durch geschickte Heiratspolitik und Erbschaften gelingt es der dänischen Königin Margrethe I., Schweden, Norwegen und Dänemark zur Kalmarer Union zu vereinen - unter dänischer Vorherrschaft. Allerdings fügen sich die Schweden nicht freiwillig in das Bündnis. Immer wieder kommt es zu Aufständen gegen die dänische Herrschaft, bis sich das Land schließlich 1521 unter der Führung des Adligen Gustaf Wasa aus der Union löst. Zwei Jahre später wird Gustav Wasa zum schwedischen König gewählt und begründet damit eine Dynastie, die bis ins 17. Jahrhundert regiert. Unter der Wasa-Herrschaft steigt Schweden zur Großmacht auf. Der gesamte Ostseehandel, das Baltikum, Teile Finnlands und Pommerns unterstehen der schwedischen Krone. Pommern profitiert von der schwedischen Herrschaft: Die Universität Greifswald, 1456 gegründet, erlebt eine Blütezeit und wird zu einem Wissenszentrum in Nordeuropa.

Königsmord als Opern-Vorlage

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König Gustav III. von Schweden fällt im Jahr 1792 einem Attentat zum Opfer.

Immer wieder führen die vorherrschenden Skandinavier Kriege mit Russland, Dänemark und Preußen, die Schweden schwächen und den Niedergang der Großmacht zur Folge haben. Nach dem Tod seines Vaters Adolf Frederik 1772 besteigt Gustav III. den Thron und entmachtet in einem Putsch Adel und Reichstag. Der König regiert aufgeklärt absolutistisch - ähnlich wie sein Onkel Friedrich der Große in Preußen. Gustav III. führt viele Reformen durch: So schafft er beispielswiese die Folter ab und reformiert die Landwirtschaft. Die Bauern profitieren davon und unterstützen die Politik des fortschrittlichen Herrschers. Der Adel dagegen sieht sich um seine Macht betrogen und verliert an Einfluss. Um ihn zurückzugewinnen, plant eine Gruppe Adliger ein Attentat: Am 16. März 1792 soll Gustav III. nach ihrem Plan sterben. Der Hauptmann Johann Jakob Anckarström schießt während eines Maskenballs auf den König. Gustav III. stirbt wenige Tage später an den Folgen der schweren Verletzung, der Attentäter wird im April des gleichen Jahres hingerichtet. Das Mordkomplott gegen den König dient Guiseppe Verdi später als Vorlage zu seiner Oper "Ein Maskenball". Mit dem Tod Gustavs III. endet auch die Linie der Wasa-Könige.

Französischer Marschall wird König

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Jean Baptiste Bernadotte wird als Karl XIV. Johan zum schwedischen König gekrönt.

Nach ihm besteigt sein Onkel Karl XIII. den schwedischen Thron. Doch sein Sohn stirbt bei einem Reitunfall und so sucht der König nach einem neuen Kronprinzen. Die Wahl fällt auf einen französischen Marschall Napoleons - Jean Baptiste Bernadotte. In Schweden nimmt der katholisch erzogene Bernadotte den protestantischen Glauben an und ändert seinen Namen in Kronprinz Karl Johan. Karl XIII. adoptiert den Franzosen 1810, der nach dessen Tod 1818 als Karl XIV. Johan zum schwedischen König gekrönt wird. Das Haus Bernadotte stellt bis heute die schwedischen Könige. Unter deren Herrschaft kann sich Schweden friedlich entwickeln. Während der Herrschaft von Oskar II., der als der "majestätischste aller schwedischen Könige" gilt, löst sich Norwegen 1905 aus der seit Jahrhunderten bestehenden Union mit Schweden. Zudem wird in den folgenden Jahren das Land immer weiter demokratisiert und das allgemeine Wahlrecht eingeführt.

Änderung der Thronfolge

Unter Gustaf VI. Adolf, dem Großvater des jetzigen Königs, wird Anfang der 1970er-Jahre eine weitreichende Änderung der Verfassung beschlossen. Seitdem hat der König nur noch repräsentative Aufgaben, alle Staatsgewalt geht vom Volk aus. Und auch die Gleichberechtigung ist in das schwedische Königshaus eingezogen: 1980 wird das Thronfolgegesetz geändert und das gleiche Erbrecht für Männer und Frauen eingeführt. Damit wird Prinzessin Victoria, das erstgeborene Kind von Carl XVI. Gustaf und Silvia, zur Thronfolgerin vor ihrem jüngeren Bruder Carl Philip und ihrer Schwester Madeleine.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Königin Silvia von Schweden | 23.12.2013 | 18:00 Uhr