Stand: 26.02.2016 11:36 Uhr

Wochenserie: Grünkohl-Zeit

Bild vergrößern
In dieser Serie dreht sich alles um das Thema "Grünkohl". (Archivbild)

Am Montagabend fand wieder das traditionelle "defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten" (deftige Oldenburger Grünkohlessen) in Berlin statt. Wie jedes Jahr wurde bei dieser Veranstaltung in der Niedersächsischen Landesvertretung auch diesmal der Grünkohlkönig gewählt. Der amtierende Kohlkönig, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), hat sein Amt an die neue Kohlmajestät 2016 weitergegeben: Es ist Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU). Diesen Termin nehmen wir zum Anlass, um uns in unserer Wochenserie mit dem Thema Grünkohl zu beschäftigen. Wir fragen unter anderem nach seiner wirtschaftlichen Bedeutung und besuchen einen Gasthof, der Kohlfahrten organisiert. Außerdem sind wir im Botanischen Garten in Oldenburg, wo 70 verschiedene Grünkohlsorten wachsen. Wir sprechen mit Forschern der Uni Oldenburg, die einen Grünkohl züchten wollen, der alle Nährstoffe hat und gleichzeitig nicht bitter schmeckt. Wir blicken auf einen lokalpatriotischen Streit - den Unterschied zwischen Grünkohl und dem Braunschweiger Braunkohl. Und wir sind natürlich beim großen Grünkohlessen in der Niedersächsischen Landesvertretung in Berlin und treffen hier eine Gastronomie-Auszubildende, die die Prominenz am Tisch bedient.

04:02 min
03:19 min
03:17 min
03:45 min

Der Grünkohl als Wirtschaftsfaktor

Gur 20 Tonnen Grünkohl wurden in diesem Jahr in der Schlachterei Bartsch hergestellt - so viel wie noch nie zuvor. Als Fertiggericht wird das Gemüse immer beliebter. Noch vor gut zehn Jahren wurden in der Grünkohlsaison nur die Zutaten wie Pinkel, Mettwurst und Kasseler verkauft. "Da waren doch die Familienrezepte unumstößlich", sagt Inhaber Martin Bartsch. Aber das hat sich verändert und der Kunde kauft es zunehmen fix und fertig. Ein Trend, der sich nicht nur bei Schlachterei Bartsch abzeichnet. Der Absatzmarkt steigt seit Jahren kontinuierlich. Allein in Niedersachsen wurden im vergangenen Jahr über 6.000 Tonnen Grünkohl geerntet und verarbeitet. In der "Kohl-Hauptstadt" Oldenburg wird der Kohl ganz besonders verehrt. Hier wird alles vermarktet, was mit Kohl zu tun hat. Die Grünkohlzeit lässt deshalb viele Kassen der Stadt klingeln - sogar die Übernachtungszahlen steigen dann um rund acht Prozent.

Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten

Vor einem Jahr hatte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) das Amt des Oldenburger Grünkohlkönigs übernommen. "Mit dieser Wahl unterwerfen sich die Oldenburger erstmals einem Hannoveraner", sagte er damals. Am Montagabend musste er den Titel nun turnusmäßig wieder abgeben, stattdessen hat Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) die Regentschaft übernommen. Die Titelübergabe fand wie jedes Jahr in Berlin statt. Dort lud die Stadt Oldenburg zum "59. Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten", also zum zünftigen Grünkohl-Essen, ein. Wir zeigen die Feierlichkeiten aus der Perspektive einer Gastronomie-Auszubildenden, die die Prominenz am Tisch bedient. Sie erzählt uns, worauf es beim Grünkohl-Essen ankommt und wem es besonders gut geschmeckt hat.

Grünkohl-Forschung

Über 80 Sorten Grünkohl aus aller Welt werden im Garten der Uni Oldenburg angebaut. Hier sind Wissenschaftler auf der Suche nach dem "Supergrünkohl" mit den besten Inhaltsstoffen. Wir treffen Doktorand Christoph Hahn, der mithilfe eines Massenspektrometers jede einzelne Sorte bis auf die kleinste Zelle erforscht. "Grünkohl ist gut zur Krebsvorbeugung, gut gegen Augenerkrankungen, und es sind cholesterinsenkende Substanzen enthalten", sagt Hahn. Aber der "Supergrünkohl" soll nicht nur viele gesunde Inhaltsstoffe haben, er soll auch geschmacklich gut sein. Das Problem dabei ist: Er ist besonders gesund, wenn er viele Bitterstoffe hat - die aber mögen die meisten Menschen nicht. Als Lösung soll nun der bitterstoffreiche amerikanische Grünkohl mit dem milden italienischen Kohl gekreuzt werden.