Stand: 27.04.2015 11:49 Uhr

Wochenserie: Brake - Der unterschätzte Hafen

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2014 wurden am Braker Hafen 6,3 Millionen Tonnen umgeschlagen. (Archivbild)

Der Braker Hafen wächst laut aktuellem Hafenbericht stärker als alle anderen. 2014 hat er einen Rekord aufgestellt: 6,3 Millionen Tonnen wurden hier im vergangenen Jahr umgeschlagen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Getreide, Futter- und Düngemittel, Schwefel, Holz, Papier, Eisen und Stahl. Große Getreidesilos, Krananlagen, Lagerhallen und Lagerfreiflächen erstrecken sich am Braker Hafen auf rund zwei Kilometern. Auf dem 110 Hektar großen Gelände arbeiten rund 1.000 Beschäftigte. Wir schauen eine Woche lang hinter die Kulissen des Hafens und stellen in dieser Serie Menschen vor, die hier arbeiten.

Der Hallenmeister

In der ersten Folge unserer Serie begleiten wir Schorsch Röver. Mit ihm lernt man den Braker Hafen am besten kennen, denn er arbeitet hier schon seit 34 Jahren als Hallenmeister und kennt den Hafen wie seine Westentasche. Damit ist Schorsch Röver Teil einer echten Erfolgsgeschichte: Bei Getreide und Futtermitteln ist Brake deutscher Import-Spitzenreiter. Über drei Millionen Tonnen wurden hier 2014 umgeschlagen. Und der Hafen soll weiter wachsen, laut Prognosen sollen sich die Umschlagszahlen bis 2030 noch einmal verdoppeln. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Weservertiefung kommt.

Die Weservertiefung

Die Hafenwirtschaft möchte, dass die Weser tiefer ausgebaggert wird, damit die Schiffe noch mehr Ladung bringen können. Doch das Bundesverwaltungsgericht hat die Weservertiefung vorerst gestoppt. Neben Umweltschützern sind auch viele Landwirte gegen das Projekt. Ralf Degen, Milchviehhalter aus der Wesermarsch, hatte zusammen mit zwei weiteren Landwirten gegen die Vertiefung geklagt. Er fürchtet, dass die Nordsee mehr Salzwasser in die Gräben auf seinen Weiden schwemmen würde. Für seine Kühe wäre das Wasser damit ungenießbar. Aber nicht nur für die Landwirte steht viel auf dem Spiel: Die Firma Müller hat beispielsweise 22 Millionen Euro in ihr neues Futtermittel-Silo in Brake investiert. Sie hat fest darauf vertraut, dass die Weservertiefung kommt und die Schiffe dann noch mehr Viehfutter zum Braker Hafen transportieren können.

Hafenarbeiter seit 36 Jahren

Andreas Janßen ist ein alter Hase und so etwas wie das Herz des Braker Hafens im Getreide- und Futtermittelbereich. Schon sein Opa war Hafenarbeiter, sein Vater war es und er selbst ist es auch - seit 36 Jahren. Andreas Janßen ist dafür verantwortlich, dass der Löschvorgang sicher abläuft. Aber auch das Tempo ist wichtig, denn jeder unnötige Tag im Hafen kostet viel Geld - meist mehrere 10.000 Euro pro Tag.

"Tandem-Hieven"

Hinter den Terminals des Braker Hafens gibt es riesige Flächen, auf denen Güter in Massen abgestellt und gelagert werden können, um sie dann bei Bedarf schnell zu verladen. Alles, was zu schwer und zu sperrig für die Container ist, geht hier von und an Bord. Manche Stückgüter sind so lang, dass ein Kran allein nicht ausreicht. Dann wird beim sogenannten Tandem-Hieven mit zwei Kränen synchron gearbeitet. Wir beobachten, wie 55 Meter lange Rotorblätter aus 25 Meter Höhe an Bord gehoben werden und treffen Wolfgang Habecker, der seit über 30 Jahren im Hafen arbeitet. Beim Tandem-Hieven hofft er vor allem, dass auch das Wetter mitspielt: "Wenn das zu windig ist, dann wehen die uns rein, die ollen Flügel", sagt er. "Das kann man nicht verantworten. Die hält man nicht."

Futtermittelkontrollen

Brake ist Deutschlands größter Futtermittelhafen, hier wird Getreide aus Südamerika, Asien und Osteuropa gelöscht. Die gigantischen Getreidesilos sind so etwas wie die heimlichen Wahrzeichen der Stadt an der Weser. Ein Großteil der Futtermittel wird direkt in die großen Masttierställe nach Südoldenburg transportiert. Um sicherzustellen, dass keine mangelhafte Ware verfüttert wird, finden schon am Braker Hafen mehrere Qualitätskontrollen statt. Wir begleiten Futtermittelkontrolleur Uwe Wylega, der immer als Erster an Bord geht, wenn ein Schiff mit Futtermitteln in Brake festmacht. Erst wenn er sein O.K. gibt, werden die Luken geöffnet.

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 23.04.2015 | 19:30 Uhr