Stadt, Land, Hof

Vom Modefotografen zum Biobauern?

Samstag, 16. September 2017, 08:30 bis 09:00 Uhr

Szene aus der Reportage "Stadt, Land, Hof": der Hamburger Modefotograf Gerd Bayer bei einem Fotoshooting.

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Gestern hat Gerd Bayer noch in Hamburg Models in teuren Kleidern fotografiert, jetzt steht er in einem Kuhstall in Baden-Württemberg und flucht: Die alte Melkmaschine funktioniert nicht richtig, ein plötzlicher Kälteeinbruch bedroht die Ernte und seine teuerste Kuh ist wieder nicht trächtig. Ein Jahr lang lebt der erfolgreiche Hamburger Modefotograf den Spagat zwischen Metropole und Bauernhof. Dann muss er eine Entscheidung treffen: Übernimmt er den Milchviehbetrieb seiner Eltern in seinem Heimatdorf mit 120 Einwohnern oder kehrt er zurück in die Großstadt?

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Der 36-jährige Gerd (rechts) hat viele neue Ideen für den alten Hof, aber nicht alle gefallen der Familie.
Die ultimative Herausforderung

Die Rückkehr ins idyllische Rüsselhausen ist für den Wahlhamburger nicht die Suche nach dem einfachen Leben auf dem Lande, sondern die ultimative Herausforderung: In wenigen Monaten will der Modefotograf aus dem alten konventionellen Milchbetrieb einen profitablen, zeitgemäßen Biobauernhof machen. Doch Gerd Bayer muss das Handwerk des Landwirts erst lernen und die Umstellung verlangt der ganzen Familie viel ab. Gummistiefel statt Blitzlichtgewitter - kann das funktionieren?

Ein Jahr voller harter Arbeit

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Bisher ist der Bauernhof ein konventioneller Milchbetrieb. Jetzt soll alles Bio werden.

Die NDR Filmemacherinnen Christine Seidemann und Birgit Wärnke haben Gerd Bayer knapp ein Jahr lang begleitet - zum glamourösen Fotoshooting und in die Jauchegrube, zum Kauf seiner ersten Kuh und zur Kontrolle, bei der sich entscheidet, ob die Umstellung zum Biobetrieb geglückt ist. Es war ein Jahr voller harter Arbeit, großer Hoffnungen und neuen Herausforderungen. Vielleicht die größte Schwierigkeit: nach vielen Jahren Unabhängigkeit plötzlich wieder mit den Eltern unter einem Dach zu wohnen. Eine Reportage über das Weggehen und das Wiederankommen mit einem unverstellten Blick auf das Landleben.

  • Die unterschiedlichen Bio-Siegel

    EU-Bio-Siegel: Alle Produkte, die dieses Siegel tragen, müssen den gesetzlichen EU-weiten Verordnungen entsprechen. Außerdem müssen sie die Durchführungsvorschriften zur Kennzeichnung und Kontrolle der landwirtschaftlichen Erzeugnisse und Lebensmittel erfüllen. Mindestens 95 Prozent der Zutaten müssen ökologischen Ursprungs sein. Die Anforderungen sind: abwechslungsreiche und weite Fruchtfolgen, flächengebundene und artgerechte Tierhaltung, Fütterung mit ökologisch produzierten Futtermitteln ohne Zusatz von Antibiotika und Leistungsförderern.

  • Die unterschiedlichen Bio-Siegel

    Bioland: Dieser Verband setzt vor allem auf Regionalität. In der Tierhaltung wird darauf geachtet, dass das Futter vom eigenen Hof stammt und die Tiere nicht weiter als 200 Kilometer zum Schlachthof transportiert werden. Es dürfen nur so viele Tiere gehalten werden, wie Futter auf den eigenen Betriebsflächen erzeugt werden kann. Im Rahmen der EU-Bio-Verordnung sind insgesamt 45 Zusatzstoffe erlaubt, die in den Produkten eingesetzt werden dürfen, bei Bioland sind es nur 24 Zusatzstoffe.

  • Die unterschiedlichen Bio-Siegel

    Naturland: Dieser Verband hat Richtlinien für Bereiche entwickelt, die im Rahmen der Bio-Verordnung bislang noch nicht berücksichtigt wurden. Dazu gehören beispielsweise Sozialrichtlinien, Richtlinien für die ökologische Aquakultur, für die ökologische Waldnutzung oder für Öko-Textilien. Zudem hat der Verband einen neuen Standard für nachhaltig produzierten Viktoriabarsch entwickelt. Dieser beinhaltet ökologische, soziale und ökonomische Kriterien, die nicht nur die Auswirkungen der Fischerei auf die Umwelt verringern, sondern auch die Arbeits- und Lebensbedingungen der Fischer verbessern.

  • Die unterschiedlichen Bio-Siegel

    Demeter: Die Richtlinien des ältesten Anbauverbands Deutschlands gehen auf die anthroposophischen Grundsätze von Rudolf Steiner zurück, dem Begründer der Waldorfschulen. Der Hof wird als ganzheitlicher Organismus gesehen, bei dem alles, was verwendet wird, ausnahmslos dem eigenen, anthroposophisch bewirtschafteten Hof entspringen muss. Durch selbst hergestellte Präparate aus Mist, Heilpflanzen und Mineralien wird die Bodenfruchtbarkeit nachhaltig gefördert.

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vor
Autor/in (Drehbuch)
Regie
Birgit Wärnke
Christine Seidemann
Produktionsleiter/in
Michael Schinschke
Redaktionsleiter/in
Kuno Haberbusch
Redaktion
Gita Datta

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