Pfleger verzweifelt gesucht

Zum Casting nach Neapel

Freitag, 24. Oktober 2014, 21:15 bis 21:45 Uhr
Samstag, 25. Oktober 2014, 08:30 bis 09:00 Uhr

Jenny Ann, Rosalyn und Jimmy sind Krankenpfleger und kommen von den Philippinen. Sie sollen in Deutschland helfen, den Pflegenotstand zu beheben. Auch Lisa aus Genua tritt demnächst ihren Dienst in einer norddeutschen Klinik an. Sie alle sind froh, dass sie einen Job gefunden haben, denn die Jugendarbeitslosigkeit in ihren Heimatländern ist hoch. In Deutschland hingegen fehlen 30.000 Pflegekräfte.

Viele junge Deutsche winken schnell ab, wenn sie mitbekommen, wie schwer und schlecht bezahlt die Arbeit im Pflegebereich ist. Und auf Schicht-, Wochenend- und Feiertagsarbeit haben die meisten ohnehin keine Lust, wie Pflegeleiterin Anna Skora von der Maternus-Klinik in Bad Oeynhausen sagt. Für ihre Einrichtung ist ein Casting in Neapel die Lösung. In Italien ist fast jeder zweite Jugendliche ohne Arbeit, das gilt auch für gut ausgebildete Pfleger und Schwestern. Inzwischen reisen sogar Krankenhausdirektoren und Pflegedienstleiter persönlich in den Süden und nehmen die jungen Leute in Augenschein. Passen sie ins Team der Klinik oder des Altenheims?

Selbst auf den Philippinen suchen deutsche Kliniken nach ausgebildeten Helfern. Ein Regierungsvertrag mit dem Arbeitsministerium in Manila sieht vor, dass in den nächsten Jahren 10.000 Krankenschwestern und Pfleger nach Deutschland kommen sollen. Die ersten von ihnen sind in diesem Jahr angereist, müssen Deutsch lernen und sich an das fremde Land und das kühle Wetter gewöhnen. Der erste Schock: Krankenhäuser und Altenheime sehen völlig anders aus, als sie es gewohnt sind. In Manila liegen die Kranken in riesigen Sälen, Verwandte kochen für sie, waschen und füttern ihre Angehörigen selbst.

Die pflegebedürftigen Patienten und auch die Kollegen in den Pflegeberufen sind mit dem Zuwachs aus dem Ausland hoch zufrieden: Die Neuen sind fleißig, freundlich und bringen Farbe in den Klinikalltag. Und mehr noch: Ohne die gut ausgebildeten Fachkräfte aus dem Ausland wäre der Pflegenotstand längst zum Pflegechaos geworden. In zehn Jahren, so die Berechnungen des Statistischen Bundesamts, werden in Deutschland 150.000 Pflegekräfte fehlen - fünfmal so viele wie heute.

Autor/in
Rita Knobel-Ulrich
Regie
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