Eine Region kämpft gegen den Krebs

Macht Fracking krank?

Freitag, 24. Juni 2016, 21:15 bis 21:45 Uhr
Samstag, 25. Juni 2016, 08:30 bis 09:00 Uhr

Menschen mit Schildern gegen Fracking auf einer Demonstration.

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In der Gegend von Rotenburg an der Wümme geht die Angst um: Die Krebsrate hat sich in manchen Gemeinden verdoppelt. In der Stadt Rotenburg sind es 30 Prozent mehr Fälle, als statistisch zu erwarten wäre. Die Menschen in der Region sind in Panik. Für viele ist die Ursache klar: Fracking.

Fracking und Krebserkrankungen: Ärzte schlagen Alarm

In Niedersachsen werden 95 Prozent des deutschen Erdgases gefördert. Dort, wo viele Förderanlagen sind, ist die Krebsrate drastisch angestiegen. Doch einen Beweis für den Zusammenhang zwischen Erdgasförderung und Krebsrate gibt es nicht. Trotzdem schlagen Ärzte Alarm. Der Wasserverband ist beunruhigt und sieht eine latente Bedrohung für das Trinkwasser für 400.000 Menschen.

Gesetz zum Thema Fracking: Bundestag hat entschieden

Seit Jahren will die Bundesregierung ein Gesetz zum Thema Fracking erlassen, deswegen hatte die Industrie bisher auf neue Anträge zur Erdgasförderung verzichtet. Am 15. Juni hatte der Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie angekündigt, dieses freiwillige Moratorium zu beenden. Der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) hatte zugesagt, neue Anträge auf Fracking zu genehmigen. Ein Rückschlag für die Menschen in der Region. Am 24. Juni hat der Bundestag nun zwar ein Verbot von unkonventionellem Fracking verabschiedet. Probebohrungen allerdings liegen im Ermessen der Bundesländer.

Konventionelles und unkonventionelles Fracking

Beim konventionellen Fracken wird das Gestein in Tiefen von bis zu fünf Kilometer aufgebrochen. Unternehmen betonen, in dieser Tiefe gebe es keine Gefahr für das Grundwasser. Zudem seien die Chemikalien unbedenklich und würden offengelegt. In Deutschland wird bereits seit Jahren konventionell gefrackt.

Beim unkonventionellen Fracking, wie es in den USA auch praktiziert wird, wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck in Ton- oder Schiefergestein gepresst, das relativ nahe an der Oberfläche liegt. Diese Schichten werden auf diese Weise aufgebrochen, um bisher unerschlossene Gasreserven frei zu setzen. Der Rückfluss des Gemisches muss dann entsorgt werden, was aus Umweltschutzgründen ebenfalls als bedenklich gilt. Welche Chemikalien eingesetzt werden, muss zudem nicht offengelegt werden. Folgeschäden sind bisher kaum erforscht.
(Quelle: tagesschau.de)

Kampf gegen Fracking

Viele von ihnen kämpfen seit Jahren um Aufklärung. Einer von ihnen ist der pensionierte Lehrer Hartmut Horn. Er kennt die Menschen der Region und kämpft aktiv gegen das Fracking. Er fordert Aufklärung der Krebsfälle und ein gesetzliches Verbot von Fracking.

Erdgasförderung: Ursache der Krebserkrankungen?

NDR Reporterin Elke Bille hat den Kampf der Rotenburger über Monate begleitet. So hat sie beispielsweise Familie Schoon kennengelernt, die in der Nähe des Dorfes Bellen umgeben von Erdgas-Förderstellen lebt. Erdwin und Christa Schoon sowie ihr Enkel Merlin sind schwer krank. Sie glauben wie viele hier, dass das sogenannte Lagerstättenwasser, das bei der Erdgasförderung mit aus der Erde sprudelt, die Ursache für die Krebsfälle sei.

Fracking fördert Gifte aus dem Boden

Die giftige Brühe enthält Substanzen wie zum Beispiel Benzol, Quecksilber, Radon und einen extrem hohen Salzgehalt. Immer wieder habe es Leckagen gegeben, bei denen das Lagerstättenwasser in den Boden sickerte. Die Menschen in der Region warten dringend auf Aufklärung der Krebsursachen. Doch bis die Studien abgeschlossen sind, können noch Monate vergehen.

Die Reportage begleitet die Menschen in ihrem Kampf um Aufklärung. Sie zeigt ihre Ängste, ihre Verzweiflung, aber auch ihren Mut, mit dem sie den Kampf um ihre Heimat führen.

Redaktion
Julia Saldenholz
Aufnahmeleitung
Michael Schinschke
Autor/in
Elke Bille
Redaktion
Dirk Neuhoff

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