Die Bienenretter

Freitag, 20. Mai 2016, 21:15 bis 21:45 Uhr
Samstag, 21. Mai 2016, 08:30 bis 09:00 Uhr

Ein Viertel aller Bienenvölker in Mecklenburg-Vorpommern hat diesen Winter nicht überlebt. © NDR/Almut Faass, honorarfrei

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Äpfel, Erdbeeren, Gurken, Honig: Etwa ein Drittel unserer Nahrung hängt von Pflanzen ab, die von Bienen bestäubt werden. Entsprechend dramatisch ist das weltweite Bienensterben, das Fachleute auf Monokulturen, Parasiten und Pestizide zurückführen. Zwei norddeutsche Imker haben davon genug.

Das Leid der Imker

Den Bienen von Mirko L. aus Mecklenburg-Vorpommern geht es schlecht, im vergangenen Sommer wären die Tiere sogar fast verhungert. Der Grund: Nach der Rapsblüte fanden die Bienen keine Nahrung mehr, da sich in der Umgebung ihres Stocks ausschließlich Rapsmonokulturen befinden.  

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Imker kämpfen derzeit an mehreren Fronten gleichzeitig.

Der 44-Jährige hat schon einen Teil seiner 120 Bienenstöcke auf einer Streuobstwiese untergebracht, um für die Bienen ein Zusatzangebot zu schaffen, das nicht pestizidbelastet ist. Denn nicht nur die Monokulturen, sondern auch Parasiten und Pestizide setzen den fleißigen Helfern zu. Alleine im vergangenen Winter starb in Deutschland nach Angaben des Deutschen Imkerbundes mehr als jede fünfte Biene.

Forscher: Neonikotinoide vergiften Bienen

Dabei wollen Mirko und und sein Imker-Kollege Hartmut nicht mehr tatenlos zusehen. Die beiden imkern seit drei Jahren für den Ökoverband Demeter in einem kleinen Dorf im Kreis Ludwigslust-Parchim.

In der Nähe ihrer Imkerei hat der Pharmakonzern Bayer ein Versuchsfeld betrieben. Mit eigenen Testergebnissen von dort soll der Nachweis erbracht werden, dass ein derzeit in der EU verbotenes Insektizid aus der Gruppe der Neonikotinoide nicht bienenschädlich ist.

  • Welche Bedeutung hat die Biene für die Natur?

    80 Prozent unserer heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen.

  • Warum ist die Biene für den Menschen so wichtig?

    Mindestens 30 Prozent der menschlichen Nahrung stammt von bienenbestäubten Pflanzen ab.

  • Was hat es mit dem Einstein-Zitat auf sich?

    „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben“, soll Albert Einstein einmal gesagt haben. Jedoch gibt es Zweifel daran, ob das Zitat tatsächlich von dem Physiker stammt.

  • Was leistet eine Biene?

    120.000 Kilometer müsste eine Biene für 500 Gramm Honig zurücklegen. Das entspricht einer dreifachen Erdumrundung.

  • Wie beliebt ist Honig?

    Fast zwei Drittel aller Verbraucher in Deutschland essen regelmäßig Honig. (Stand: 2013)

  • Wieviel Honig isst der Deutsche?

    Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von mehr als einem Kilogramm Honig pro Jahr liegen die Deutschen an der Weltspitze.

  • Welchen volkswirtschaftlichen Wert hat die Arbeit der Biene?

    Zwei Milliarden Euro: So hoch ist der volkswirtschaftliche Nutzen in Deutschland, den Bienen jedes Jahr durch Bestäubung erbringen.

  • Wie wichtig ist die Biene als Nutztier?

    Die Honigbiene steht volkswirtschaftlich betrachtet auf Platz drei der wichtigsten Nutztiere in Deutschland – nach Rind und Schwein.

  • Wie groß ist ein Bienenvolk?


    30.000 bis 50.000 Tiere umfasst ein Bienenvolk im Sommer.

  • Wie viele Tiere sind vom Bienensterben betroffen?

    Mehr als jede fünfte Biene starb in diesem Winter hierzulande. Schuld daran sind nach Angaben des Deutschen Imkerbundes Parasiten, Monokulturen und Pestizide.

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Die beiden norddeutschen Imker sind da anderer Meinung. Sie glauben, dass die Pestizide den Bienen schaden. Unterstützung bekommen sie von Bienenforscher Professor Randolf Menzel von der FU Berlin. Der international bekannte Wissenschaftler hat sich auf die Gehirne von Bienen spezialisiert und herausgefunden, dass die Pflanzenschutzmittel das Nervensystem der Tiere vergiften.

David gegen Goliath

Auch eine Studie des EU-Wissenschaftsnetzwerkes EASAC hat jüngst unter anderem ergeben, dass sich der Einsatz von Neonikotinoiden negativ auf den Organismus der Bienen und ihre Arbeit als Bestäuber auswirkt.

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Die Bienen-App des BMEL

Die kostenlose App enthält ein Lexikon mit mehr als 130 bienenfreundlichen Pflanzen, Hintergrundwissen zu Bienen und Wespen sowie ein Bienenquiz, mit dem das eigene Wissen getestet werden kann. Die Software ist verfügbar für Android, iOS und Windows Phone. extern

In Deutschland gesammelter Pollen enthält nach Angaben von Greenpeace bereits in acht von 15 Fällen das zugelassene, von Bayer hergestellte Pestizid Thiacloprid. Diese Zahlen haben auch Mirko und Hartmut aufgeschreckt, sie lassen ihren Honig untersuchen. Wenn die Analyse des Demeter-Honigs Pestizidrückstände aufweist, die über dem zulässigen Grenzwert liegen, können sie die komplette Ernte vernichten. Den beiden norddeutschen Imkern wird klar: Bei ihrem Vorhaben, etwas gegen das Bienensterben zu tun, kommen sie an ihre Grenzen – finanziell und persönlich. "Manchmal fühlen wir uns schon wie David gegen Goliath", sagt Mirko.

Aber er ist sich sicher: "Nur, wenn wir weltweit wieder gesunde Bienen züchten, können wir das Überleben der Insekten auf Dauer garantieren!" Denn wichtiger noch als der Honig ist die Bestäubungsleistung der Bienen. Ohne sie gäbe es 80 Prozent unserer Wild- und Nutzpflanzen nicht.

Autor/in
Almut Faass
Verena Hartges
Redaktion
Erika Mondry
Redaktionsleiter/in
Dirk Neuhoff
Produktionsleiter/in
Michael Schinschke
Kamera
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Thomas Schimmack
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Sprecher/in
Christine Hegeler
Bildmischung
Arne Kühl
Tonmischung
Christoph Finn

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Kurzfilm auf 3sat: Hauptdarsteller Biene

Der mehrfach prämierte Film "More than Honey - Bitterer Honig" forscht nach den Ursachen des Bienensterbens. Umweltgifte, Parasiten und Monokulturen bringen die Insekten in Bedrängnis. Der Beitrag stellt den Kinofilm kurz vor. ("More than Honey", 15. Juli 2015, 21.00 Uhr, 3sat) extern