Billigkraft statt Babysitter

Au-pairs in Deutschland

Freitag, 20. Oktober 2017, 21:15 bis 21:45 Uhr
Samstag, 21. Oktober 2017, 08:30 bis 09:00 Uhr

Die tägliche Ausnutzung in gut verdienenden Familien: aufräumen, bügeln, putzen, kochen - manchmal von 6 Uhr morgens bis 10 Uhr abends, sieben Tage die Woche. So mancher Babysitter aus dem Ausland endet als Billigkraft in "besseren" deutschen Familien. Mindestentgelt laut Bundesagentur für Arbeit: nur 260 Euro Taschengeld im Monat. Dafür müssen viele als stets verfügbare Haushaltshilfen schuften.

Untergebracht im Privathaushalt, befinden die Mädchen sich in Abhängigkeit - das Arbeitsverhältnis entzieht sich jeder staatlichen Kontrolle. 8.300 Au-pairs kommen offiziell jedes Jahr nach Deutschland, zählt man erteilte Visa und Hochrechnungen von Au-pair-Agenturen zusammen. Darüber hinaus kommen immer mehr Kontakte auf private Initiative über das Internet zustande. Oft gibt es nicht mal einen Vertrag, der das Zusammenleben regelt.

Hilfe im Notfall von zwei Frauen

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Die Helferinnen Susanne Flegel (li.) und Marita Grammatopoulos (Mitte) holen eine gestrandete Chinesin aus dem Frankfurter Rotlichtviertel ab.

"95 Prozent aller Problemfälle gehen auf private Online-Vermittlungen zurück", schätzt Marita Grammatopoulos, die sich mit ihrer Au-pair-Agentur auch um notleidende Mädchen in Deutschland kümmert und in neue Familien vermittelt. Ihr Engagement hat sich herumgesprochen: Inzwischen holt sie jede Woche ein Au-pair-Mädchen aus einer Familie, weil alles schiefläuft.

Aus einer Hamburger Familie müssen die Au-pair-Helferinnen Hals über Kopf die Nepalesin Ashika abholen: Sie kommt nicht mehr klar mit den Gasteltern. Nachdem sich Ashika über zu viel Arbeit bei den Gasteltern beklagt hat, ist der Ofen aus. Sie wird beschimpft und mit Abschiebung bedroht. Die Helferinnen reisen nach Frankfurt, nehmen Ashika ganz spontan mit - und vermitteln sie in eine andere Familie. Die 21-Jährige ist erleichtert - sonst hatte sie keine Hilfe in Deutschland.

Wie kann man sich schützen?

Der Au-Pair Society e.V. hat einige wichtige Punkte zusammengefasst, worauf man bei der Auswahl einer Au-pair-Agentur achten sollte.

Bei der Suche nach Möglichkeiten zu einem Aufenthalt als Au-pair im Ausland oder dem passenden Au-Pair für die eigene Familie wenden sich viele an eine der zahlreichen Selbstvermittlungsagenturen im Internet. Man sollte an dieser Stelle bedenken, dass mit diesen Vermittlungen, bei denen keine professionelle Agentur eingeschaltet wird, stets ein gewisses Risiko einhergeht:

  • hohe Wahrscheinlichkeit ungeeigneter Au-pairs oder Gastfamilien, da keine Prüfung bzw. Vorbereitung
  • oftmals kein schriftlicher Au-pair-Vertrag
  • wenig oder gar keine Erfahrung in der Au-pair-Vermittlung
  • Mangel an Professionalität
  • fehlende Standards oder Richtlinien
  • mangelnde oder gar keine Referenzen und/oder Arztatteste der Kandidaten/innen
  • Gefahr der Urkundenfälschung
  • keine Umvermittlungsmöglichkeit, sofern die Erstplatzierung nicht erfolgreich war
  • keine Vorort-Betreuung während des Au-pair-Aufenthaltes
  • begrenzte Kenntnisse von nationalen Au-pair-Richtlinien oder Vorschriften

Anmerkung der Redaktion: Zu dem Film haben wir eine Beschwerde der Au-pair Society e.V., der Gütegemeinschaft Au-pair e.V., des Verbands IN VIA und des Vereins für Internationale Jugendarbeit Bundesverein e.V. erhalten. Darauf haben wir mit einer Stellungnahme reagiert.

Autor/in
Michael Nieberg
Redaktion
Kuno Haberbusch
Produktionsleiter/in
Tim Carlberg
Redaktionsleiter/in
Julia Saldenholz