Stand: 28.09.2016 11:27 Uhr  | Archiv

Bjarne Mädel: Der Mann für skurrile Typen

von Maya Ueckert

Kaum jemand spielt unauffällige Typen so auffällig gut wie er: Bjarne Mädel kann sich vor Angeboten kaum noch retten. Trottelig, nervig, kauzig - so sind sie oft, die Figuren, die er verkörpert. Genau dafür lieben ihn Zuschauer und Kritiker. Auf die vergangenen Lebensjahre dürfte der aus "Stromberg", dem "Tatortreiniger" und "Mord mit Aussicht" bekannte Schauspieler stolz zurückblicken: Beim Publikum kommt er gut an, er ist äußerst erfolgreich und die Rollen kann er sich mittlerweile aussuchen. Für Mädel könnte es nicht besser laufen.

Bjarne Mädel: Ein Kauz für alle Fälle

Traum vom Profi-Fußball geplatzt

Sein trockener Humor, der immer wieder in seinen Rollen sichtbar wird, zeugt von seiner norddeutschen Herkunft - Mädel kommt am 12. März 1968 in Hamburg zur Welt. Den Großteil seiner Kindheit und Jugend verbringt er in Reinbek - vor allem auf dem Fußballplatz bei der TSV Reinbek, wo er einst von einem Dasein als Profi-Fußballer träumt. "Dafür hat es nicht gereicht", erzählt er NDR Moderatorin Bettina Tietjen in einem Interview. Aber seit er mit sechs Jahren das erste Mal bei einem HSV-Spiel im Volksparkstadion gewesen sei, schlage sein Herz für die Raute - "auch in schweren Zeiten".

Liebenswerter Trottel

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Der Durchbruch gelang mit "Stromberg", seitdem ist Bjarne Mädel als Schauspieler stark gefragt.

Für den Schauspieler selbst sind längst rosige Zeiten angebrochen. Die Rolle als Bürodepp Berthold "Ernie" Heisterkamp in der ProSieben-Comedyserie "Stromberg" bringt ihm schon vor einigen Jahren den Durchbruch im Fernsehen. Für den Versicherungsangestellten mit fragwürdigen Krawatten und Schweißrändern kam es regelmäßig ganz dick. Der klassische Verlierertyp eben. Einen gewissen Trottelfaktor hat auch der treudoofe Dorfpolizist Schäffer, den Bjarne Mädel in der ARD-Serie "Mord mit Aussicht" verkörperte. Chronisch überfordert vom Tempo seiner Chefin lautet sein Standardsatz: "Mann, Mann, Mann, ist hier vielleicht wieder was los." Der gemütliche Durchschnittstyp eben. Richtig ernst wird's allerdings 2016, als Mädel im Abtreibungsdrama "24 Wochen" einen Vater spielt, der mit seiner Familie in einem unerträglichen Gewissenskonflikt steckt. Fürwahr harter Stoff, der sich deutlich von dem abhebt, was Mädel bis dahin gemacht hat.

"Schotty" schrubbt weiter

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Die Rolle des gründlich schrubbenden Tatortreinigers Heiko "Schotty" Schotte aber beschert Mädel in den Jahren 2012 und 2013 den Grimme-Preis. Für seine schauspielerische Gesamtleistung wird er zudem 2012 mit dem Deutschen Comedypreis ausgezeichnet. "Schotty" putzt weiter mit einer gehörigen Portion Pragmatismus und trockenem Humor überall die Reste weg, wo gerade gestorben wurde. Ein schräger Typ eben. An den Leichenfundorten trifft er auf Angehörige und Menschen in emotionalen Ausnahmezuständen - Stoff für jede Menge skurrile Situationen und Paraderolle für Mädel. Der Erfolg des "Tatortreinigers" freue ihn natürlich, sagte der Darsteller. Er hoffe künftig auf mehr Experimente im deutschen Fernsehen. "Die Sender sollen nicht immer auf Nummer sicher gehen und mehr auf Kreativität setzen."

Haustürverkäufer für Putzmittel

Mädel blickt schon auf einige Stationen in seinem Leben zurück. Als Teenager lebt er eine Zeit lang in Afrika, sein Vater arbeitet als Bauingenieur in Nigeria. Eine spannende Zeit für einen Jungen - dort habe er früh begriffen, "wie gut es uns in Deutschland eigentlich geht", erzählt er Bettina Tietjen. Auch in den USA lebt er zeitweise, wo er unter anderem als Haustürverkäufer für Putzmittel jobbte.

Theater, Film und Fernsehen

Seinen Hauptberuf lernt der Mann mit dem Faible für ungewöhnliche Rollen ganz klassisch: Er besucht die Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam, dann kommen Engagements beispielsweise am Volkstheater in Rostock und dem Schauspielhaus in Hamburg. Es folgen zahlreiche Rollen in Fernseh- und auch Kinoproduktionen. Heute lebt der Schauspieler in Berlin. Wen er gerne mal spielen würde? Nach all den skurrilen Typen, die ihm bisher unterkamen? Jemand, der von Grund auf böse sei, sagt er, das würde ihn reizen.