Zuhause in der Wildnis

Sonntag, 21. Mai 2017, 03:55 bis 04:40 Uhr

Sanna Sevendeers hat als junge Frau einen radikalen Schritt gewagt. Sie hat ihr altes Leben und ihren vertrauten Alltag hinter sich gelassen und ist ihrem Liebsten, dem Indianer David nach Kanada gefolgt. Seit über 12 Jahren wohnt die Hamburgerin inzwischen mit David und ihren vier Kindern auf der Ranch "Shaheylah“.

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Seit über zwölf Jahren lebt die Hamburgerin Sanna Sevendeers mit ihrer Familie in der kanadischen Wildnis.

Ganz für sich lebt die Familie in der Abgeschiedenheit der kanadischen Rocky Mountains. Wie Pioniere haben Sanna und David ihren Grund und Boden nach und nach erschlossen und ohne fremde Hilfe, nur zu zweit, ihr Haus gebaut. Strom und warmes Wasser gibt es nicht.

Ihr von indianischer Spiritualität geprägter Lebensstil hat Sanna über die Jahre sehr verändert. Aus einer unsicheren und zweifelnden jungen Frau, die sich in Hamburg diffus nach einer anderen Existenz sehnte, ist eine anpackende und selbstbewusste Frau geworden, deren wichtigster Wert im Leben die Familie ist. Ihre vier Kinder im Alter von sieben bis 15 Jahren besuchen keine öffentliche Schule, die 39-jährige Sanna unterrichtet sie selbst, auch die Lehrpläne hat sie zusammengestellt. Ihr Traum, dass ihre Kinder ungezwungen und so naturnah wie möglich aufwachsen, hat sich zwar erfüllt. Doch da es viele wilde Tiere in der Gegend gibt - Bären, Pumas und auch Koyoten - müssen die Kinder immer in Sichtweite sein. Sie tragen alle ein Messer bei sich und haben von ihrem Vater von klein auf gelernt, mit Messern und Gewehren umzugehen und sich im Notfall damit verteidigen zu können.

Sanna arbeitet nebenher als Schriftstellerin und hat inzwischen viele Romane veröffentlicht, in denen sie autobiografisch gefärbte Geschichten erzählt. Die Vermittlung der indianischen Kultur liegt Sanna dabei besonders am Herzen und mit ihrem Mann David, einem Bildhauer, hat sie einen kritischen Erstleser an ihrer Seite. Tauschen möchte Sanna ihr einfaches Leben mit niemandem, auch wenn es finanziell oft sehr knapp ist und sie sich fragt, wie die Familie über die Runden kommt. Gleichzeitig hat sie gelernt, wie wenig eine Familie wirklich zum Leben braucht und auf wie viele Dinge sie eigentlich verzichten kann. Dennoch - ihre Entscheidung mit David in der Wildnis zu leben hat ihren Preis. Im Umfeld der Familie gehört der Rassismus noch zum Alltag. Eine weiße Frau, die mit einem Indianer lebt, ist in Kanadas ländlichen Regionen noch immer kaum vorstellbar.

Mehrmals im Jahr hat die Autorin Claudia Dejá die Familie in der Wildnis besucht und einen Einblick in einen Lebensentwurf bekommen, der sich radikal von dem hektischen Leben so vieler hierzulande unterscheidet.

Regie
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Autor/in
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