Das Grindelviertel

Vielfalt zwischen Uni und jüdischem Leben

Mittwoch, 02. Dezember 2015, 18:15 bis 18:45 Uhr

Jimmy Blum setzt sich für sein Viertel ein. © NDR/doc.station, honorarfrei

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Das Grindelviertel: Kaum ein anderer Stadtteil Hamburgs vereint Vielfalt und Geschichte auf so engem Raum. Zwischen Universität, Dammtor und Hallerstraße treffen Studenten auf gut betuchte Hanseaten, man findet buntes Stadtleben und neu belebte jüdische Kultur. Es ist auch ein Viertel der Superlative. Die größte Universität der Stadt, das ehemalige jüdische Zentrum des Nordens und die ersten Wohnhochhäuser Deutschlands, all das gehört zum Grindelviertel.

Wohnen in und um Deutschlands erste "Wohnriesen"

Die Grindelhochhäuser, Deutschlands erste "Wohnriesen", fallen sofort ins Auge: Zwölf Betongiganten stehen neben schmucken Altbauten in bester Lage. Sie entstanden in den 1950er-Jahren, in einer Zeit, als Hamburg noch größtenteils in Schutt und Asche lag. Damals galten sie als hochmodern. In den 1980er-Jahren wurden sie als seelenlos kritisiert und drohten zu verfallen. Heute sind die inzwischen denkmalgeschützten Grindelhochhäuser wieder beliebt. Mehr als 3.000 Menschen leben darin. Rosemarie Lehmann wohnt gerne hier. Um die Bewohner der riesigen Anlage zusammenzubringen, hat sie durchgesetzt, dass direkt zwischen den Hochhäusern ein Garten angelegt wird. Die kleine Oase ist zum Treffpunkt für die Bewohner geworden und hat schon ungewöhnliche Freundschaften hervorgebracht. Aber im Winter gibt es keinen Treffpunkt für sie. Deshalb kämpft die 80-Jährige um einen Gemeinschaftsraum.

Immer mehr jüdische Familien zieht es ins Grindelviertel

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Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Grindelviertel noch "Klein Jerusalem" genannt. Rund 20.000 Juden lebten hier. Nach und nach ziehen wieder mehr jüdische Menschen ins Viertel. Läden verkaufen jüdische Zeitungen, sogar der Supermarkt hat eine Abteilung mit koscheren Lebensmitteln. 2007 zog die jüdische Gemeinde in das Gebäude der ehemaligen Talmud-Tora-Schule, die von den Nazis geschlossen worden war. Heute ist in dem Gebäude nicht nur eine jüdische Schule, sondern auch ein Kindergarten und ein Gemeindezentrum untergebracht. Liat Golan arbeitet hier als Schulsekretärin. Sie kümmert sich um Kinder, Lehrer, Eltern. Auch ihr Sohn besucht die Schule, in der jüdische und nicht jüdische Kinder gemeinsam lernen. Und die Schule wächst.

Die Vielfalt macht den Charme des Grindelviertels aus

Während Besucher sich vor Hamburgs erstem Programmkino Abaton sammeln und die Studenten in Cafés sitzen, wartet Jimmy Blum noch in seinem Laden auf Kundschaft. Denn direkt gegenüber sind die Hamburger Kammerspiele. Sowohl die Schauspieler als auch die Gäste kommen regelmäßig zu ihm. Seit 15 Jahren kauft und verkauft er Secondhandmode. Ihn kennt hier jeder. Im Verein Grindel engagiert er sich dafür, dass das Viertel so bunt und lebendig bleibt, wie es ist. Denn immer mehr kleine Läden müssen Büros weichen. Aber der Charakter des Grindelviertels lebt von der Mischung: von den alteingesessenen Wäschereien und Friseuren, den neuen kreativen Läden und jüdischen Cafés. Diese Vielfalt macht den Charme des Grindelviertels aus.

Am 9. November zieht es viele Menschen auf die Straße. Gemeinsam bringen sie das Viertel zum Leuchten. Zum Gedenktag der Reichspogromnacht erhellen Hunderte Kerzen die Stolpersteine auf den Gehwegen.

Redaktion
Birgit Schanzen
Produktionsleiter/in
Stephan Helms
Autor/in
Anna Lena Temme