Sendedatum: 15.04.2015 06:10 Uhr

Jan und Julia auf den Spuren des Sumo

von Juliane Thomas

Die helle große Halle ist bis an den Rand mit roten und grauen Matten ausgelegt. In der Mitte liegt ein weißes Viereck aus festem Stoff. Kinder laufen kreuz und quer, lachen und plappern wild durcheinander. Plötzlich ein lauter Schrei - und es herrscht Ruhe im Saal. Heinz Jenkel ist es, der da aus voller Kehle brüllt. Er hat die NDR 1 Welle Nord Moderatoren Jan Bastick und Julia Torn im Rahmen von Wünsch Dir Deinen NDR eingeladen, etwas zu erleben, das sie noch nie ausprobiert haben: Sumoringen! In Malente veranstaltet er in den Osterferien eine Judo-Woche und legt für unsere Moderatoren eine extra Trainingseinheit im Sumo ein.

Echte Sumotori in Action

Salzwerfende Kolosse vergebens gesucht

Wer an Sumo denkt, hat wohl sofort übergewichtige, japanische Kampf-Kolosse, mit schwarzem Zopf im Kopf, die mit Salz um sich werfen. Dieses Bild kommt in Malente als erstes zu Fall! Heinz Jenkel ist umgeben von mehr als 30 Kindern und Jugendlichen, fünf von ihnen haben schon auf Europäischen und Deutschen Meisterschaften gekämpft. Übergewicht hat keiner. "Das ist für Sumo aber auch nicht notwendig. Auch in Japan gibt es viele Kämpfer, die weit unter 100 Kilogramm auf die Waage bringen", weiß Jenkel. Salz wird hier auch nicht geworfen. "Das macht man in Japan. Damit werden die bösen Geister vertrieben. Wir haben hier keine bösen Geister, darum müssen wir auch kein Salz streuen", erklärt der Vizepräsidenten des Sumoverbandes Deutschland weiter.

Mit warmen Muskeln kämpft es sich besser

Jenkel ist in Schleswig-Holstein der einzige offizielle Sumo-Trainer. Seine Ausbildung hat er in Japan gemacht. Beim Training zeigt er keine Gnade. Das merken Jan und Julia schon bei der ersten Aufwärmübung. "Bewegt euch. Komm! Komm! Komm! Komm!" schreit er. Beim Lauf-und Setzspiel "Päckchen" wird jeder Fehler hart geahndet: Setzt sich jemand an den falschen Platz oder betritt die roten Matten, heißt es: "Zehn Crunchys (Sit ups) - Sofort!"

Bei der zweiten Übung geht es im Gleichschritt vorwärts: Erst das rechte Bein hoch, aufstampfen, dann das gleiche mit dem linken. Der Trainer brüllt: "itsch - nie - itsch - nie" - und die Gruppe brüllt mit. Das ist übrigens Japanisch und heißt "eins - zwei - eins - zwei." Der Anblick erinnert an eine Polonaise, Julia nennt es "den Sumo-Tausendfüßler". Die Übung dient dazu die Gangart des Sumo kennenzulernen und die Beinmuskeln zu trainieren.

Standfestigkeit und Reflexe sind auch gut im Alltag

Bild vergrößern
Gemeinsam mit 30 Kindern und Jugendlichen haben Jan und Julia einen Einblick in die Welt des Sumo bekommen.

Sumo ist eine Sportart, bei der man seinen ganzen Körper braucht - "und seinen Körper gebrauchen zu können, ist auch gut im Alltag", sagt der Trainer. Das weiß auch Inken Markmann. Die 19-Jährige ist vor vier Jahren zum Sumo gekommen und hat mit der Zeit festgestellt: "Das regelmäßige Training schult meine Reflexe. Wenn ich zum Beispiel mal stürze, falle ich nicht einfach hin, sondern rolle mich ab. Außerdem fühle ich mich auch sicherer, falls mich mal jemand angreifen sollte." In Schleswig-Holstein gibt es derzeit etwa 60 Sumotori, die regelmäßig trainieren. Für Jenkel können es gern mehr werden: "Es ist einfach ein toller Sport."

Frisch gewickelt gibt es letzte Anweisungen

Nach der Aufwärmphase legt der Trainer Jan und Julia den Mawashi an. Das ist der Gürtel, den die Kämpfer im Wettkampf und beim Training tragen. Ungebunden ist er etwa neun Meter lang und 60 Zentimeter breit. In einer speziellen Technik wird er sehr eng um die Hüfte und den Schritt gelegt und über dem Gesäß zu einer Schleife gebunden. Frisch gewickelt gibt es letzte Instruktionen von Heinz Jenkel: "Das Ziel beim Sumo ist es, den Gegner aus dem abgesteckten Kreis zu drängen oder so aus dem Gleichgewicht bringen, dass er den Boden mit einem anderen Körperteil als den Fußsohlen berührt. Würgen, Kratzen, Treten und der Griff in den Schritt sind verboten."

Sumo-Spektakel in Sekunden

Bild vergrößern
Vor dem Kampf öffnen die Gegner ihre Handflächen, um zu zeigen, dass sie unbewaffnet sind.

Julia tritt gegen Jasmin Thienemann an. Konzentriert treten sie sich im Ring gegenüber. Die ersten zwei Kämpfe dauern nur etwa eine Sekunde. Jasmin packt Julia gekonnt in ihrer linken Kniebeuge und bringt die Moderatorin damit zu Fall. "Es tut nicht weh, aber ich fühl mich im wahrsten Sinne des Wortes überrumpelt", sagt sie. Der dritte Versuch sieht dann deutlich besser aus. Vier Sekunden hält sich Julia im Ring, dann wird sie von Jasmin hinaus gedrängt. Jan hat sich den schwersten Gegner des Tages ausgesucht: Tjark Markmann. Der 17-Jährige war 2013 Europameister, bringt gute 100 Kilo auf die Waage und ist einen Kopf größer als Jan. Mit ganzer Kraft stemmt sich Jan gegen Mark, hält sich für einige Sekunden im Ring und findet sich plötzlich auf der Schulter des Sumotori wieder. Auch die folgenden Runden kann der Moderator nicht für sich entscheiden. Macht aber nichts. Auch ohne gewonnenen Kampf verleiht Heinz Jenkel den Sumo-Anfängern am Ende des Tages den gelben Gürtel und eine Urkunde gibt es auch noch dazu.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 15.04.2015 | 06:10 Uhr