Wie so oft beginnt eine spektakuläre Laufbahn höchst unspektakulär: Als Schülerband gründet der 1948 in Hildesheim geborene Rudolf Schenker (links) 1965 die Scorpions. Die lösen sich aber auch zwei Jahre später schon wieder auf.
Erst 1968/69 kommt wieder Leben in die Band: Gitarrist Michael Schenker und Sänger Klaus Meine verlassen ihre Band Copernicus und treten den wiederbelebten Scorpions bei. Einige Besetzungswechsel, aber vor allem ...
... bahnbrechende Alben wie "Virgin Killer" (1976) oder "Taken By Force" (1977) und unzählige Live-Auftritte prägen die 70er-Jahre. Laut eigener Biografie treten die Scorpions "überall da auf, wo eine Steckdose ist". So landen sie dann wohl auch im Januar 1977 in der Hamburger Blumenmarkthalle.
1979 steigt Matthias Jabs (Zweiter v. rechts) in die Band ein. Nach einigem Besetzungs-Hin-und-Her bringt der Ausnahmegitarrist 1980 das Kunststück fertig, sich in nur einer Nacht das komplette Liveprogramm draufzuschaffen. Klaus Meine (rechts), Rudolf Schenker (Zweiter v. links) und Matthias Jabs bilden bis heute das musikalische Rückgrat der Scorpions.
In den 80ern gehen die Scorpions ihren eingeschlagenen Weg konsequent weiter. Daraus folgt aber auch: Waren sie in den 70ern in der Tat eine der härtesten Bands überhaupt, so kann dies in den 80ern nicht mehr gelten. Während Rockmusik in den Metal übergeht und allgemein härter und schneller wird, bleiben die Scorpions bei ihrem Sound.
Zudem wagt die Band aus Hannover zum ersten Mal den Versuch einer Rockballade - und trifft damit voll ins Schwarze: "Still Loving You" vom 84er-Album "Love At First Sting" verkauft sich allein in Frankreich als Single 1,7 Millionen Mal.
Kundige Betrachter mögen das hier glatt für die englische Band Venom halten - aber es sind immer noch die Scorpions, im Jahr 1988. In genau diesem Jahr veröffentlicht die Band das Album "Savage Amusement", mit dem sie als zweite westliche Rockband in der UdSSR auftritt - genau genommen zehn Mal, in Leningrad (heute St. Petersburg), vor insgesamt 350.000 Fans.
Die Leningrad-Auftritte sorgen dafür, dass die sowjetischen Behörden ein weiteres Festival erlauben. Im August 1989 steigt in Moskau das "Moscow Peace Festival" mit Acts wie Bon Jovi, Mötley Crüe, Ozzy Osbourne - und natürlich den Scorpions.
Die Eindrücke dieses Festivals verarbeitet Klaus Meine wenig später in einem Song: "Wind Of Change" wird zu einem der größten Hits der Hannoveraner, zu einem der erfolgreichsten Songs überhaupt - und zur musikalischen Untermalung des Mauerfalls im November 1989.
1990 erscheint das Album "Crazy World". Es soll das erfolgreichste in der Karriere der Scorpions werden. Gleichzeitig markiert es aber auch einen Wendepunkt, zumindest was das Ansehen der Band in Deutschland betrifft. Es scheint, als würden die Rocker aus Hannover zu sehr ihr altes Ding durchziehen. Und das kommt in den 90ern weniger gut an als vorher.
In der Folge versucht die Band, sich neu zu (er)finden. Die Herrschaften spielen Akustik-Konzerte ganz ohne Verstärker, veröffentlichen Alben mit alten Songs und Orchester-Begleitung - oder treten auch mal ...
... am Weserdeich in Bremerhaven auf einer schwimmenden Bühne auf. Hat nicht ganz so die Nähe zu den Fans, und auch über den Klang kann man sich sicherlich streiten - kommt aber bei 20.000 Besuchern trotzdem gut an.
Irgendwann besinnen sich die Rocker auf ihre alten Werte, tauschen das ein oder andere Mitglied aus, fangen wieder an zu rocken - und spielen 2006 in Wacken. Der Auftritt 2012 - eigentlich soll es ja der letzte Open-Air-Auftritt der Scorpions auf deutschem Boden sein - könnte also gleichzeitig eine fulminante Rückkehr werden, bevor die Scorpions sich auflösen.