Stand: 22.07.2016 00:01 Uhr

Holladihidi, ich bin's, euer Otti!

von Nicola Millies

Die beschauliche Kleinstadt Emden hätte an der Mündung der Ems ein ruhiges Dasein fristen können, wenn nicht ein Ostfriese ausgezogen wäre, um den Deutschen das Lachen beizubringen: Otto Waalkes. Selbstverständlich nicht das einzige prominente Kind Emdens - Wolfgang Petersen, Henri Nannen, Karl Dall, das sind nur einige der bekannten Söhne der Stadt. Aber keiner von ihnen ist so mit Emden verbunden wie der blonde, schlaksige Typ mit den Comic-Ottifanten als Markenzeichen.

Vom Friesenjungen zum Komiker

"Hallo, Freunde! - Hallo, Otto!"

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"Fettiges Haar ist dir gegeben, lass es kleben mit Quark." Ottos Texte sind autobiografisch.

Otto Waalkes wird am 22. Juli 1948 geboren. Sein komisches Talent entwickelt sich früh - und sein kommerzielles auch. Von Papa Karl, Malermeister, bekam Klein Otto ein selbst gemachtes Kasperltheater geschenkt. Das baut er im Garten auf und nimmt fünf Pfennig Eintritt für seine Vorstellungen. Den ersten Auftritt vor größerem Publikum hat der Ostfriese, als er mit erst elf Jahren den "Babysitter-Boogie" auf einem Kindergeburtstag aufführt. 30 Mark und ein Buch sind die damalige Gage. Heute kann der Komiker auf rund 50 Jahre Bühnenerfahrung und unzählige Tonträger zurückblicken, die zum Teil mit Gold und Platin ausgezeichnet wurden. Seinen Sinn für das Komische sieht Otto in seiner Persönlichkeit begründet: "Wenn man solche Schwächen hat wie ich, ist Komik geradezu überlebensnotwendig", sagt er. Zu seinem Durchbruch verhelfen ihm zunächst die Fernsehshows, die er ab 1973 größtenteils in der ARD präsentiert. Aber auch die Kinofilme laufen mit erstaunlichem Erfolg. Vor allem in seiner ersten Produktion "Otto - Der Film" lassen sich biografische Züge erkennen: Otto wächst im beschaulichen Ostfriesland unter den Fittichen seiner manchmal etwas zu sehr sorgenden Mutter auf, bis er eines Tages beschließt, sein Glück in der großen Stadt - Hamburg - zu suchen.

Otto Waalkes' beste Sprüche

  • Fettiges Haar ist dir gegeben, lass es kleben mit Quark.

  • Peter, Paul and Mary are in the kitchen! Peter, Paul und Maria sind im Kittchen!

  • Alle Buben lieben Mädchen, nur nicht Manuel, der liebt Samuel!

  • Wenn ich nicht regelmäßig am Flughafen auf Waffen untersucht werden würde, hätte ich überhaupt kein Sexualleben mehr.

  • Es werde Licht, sprach Schwarzenegger - und steckt den Arnold in den Stecker.

  • Was ist unsichtbar und stinkt nach Hase? Ein Kaninchenfurz.

  • Im Buch der Friesen steht geschrieben: Der Ostfriese trinkt wenig, dafür aber oft und viel.

  • Mein Hund jagt immer Leute auf dem Fahrrad. Jetzt haben wir ihm das Fahrrad weggenommen.

  • Wenn mir der Magen knurrt, muss ich immer denken: I am hungry - ich bin Ungar! And I am thirsty - ich bin Donnerstag.

  • Willst du dir den Tag versauen, musst du deutsches Fernsehen schauen.

     

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Der ostfriesische Götterbote

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Geboren als Ostfriese, selber nennt er sich "Außerfriesisch" - da wohnen so einige Seelen in Ottos Brust.

So kommt Otto 1970 nicht nur in die Großstadt Hamburg, wo er zunächst ein Kunstpädagogikstudium beginnt, sondern auch in eine WG mit Udo Lindenberg, Marius Müller-Westernhagen und zwölf weiteren chaotischen Künstlern - alle damals noch am Beginn ihrer zum Teil großen Karriere. 1972 lernt Otto seinen Manager Hans Otto Mertens kennen, der einen Auftritt seines Schützlings mit der Band The Rustlers aufzeichnet und erfolglos versucht, ihn an eine Plattenfirma zu vermitteln. Zum großen Glück "erfolglos", wie sich später herausstellt, denn Otto gründet seine eigene Firma, Rüssl Räckords. Gleich die erste LP "Otto" verkauft sich mehr als 500.000 Mal. 1973 folgt dann die eigene "Otto Show", die ihm den endgültigen Durchbruch sichert. Insgesamt veröffentlicht Otto bis 1983 zehn LPs und hat ebenso viele TV-Shows. Ab 1982 leiht er dem Schimpansen Ronny für dessen Videoshow "Ronny's Pop Show" seine Stimme. So viel Arbeit muss belohnt werden - es hagelt Preise: Gold- und Platin-Schallplatten, Bambi, Goldene Kamera, Adolf-Grimme-Preis in Silber, um nur die wichtigsten zu nennen.

"Je flacher die Landschaft, desto höher das Niveau"

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So stellt man sich die klassisch ostfriesische Familie vor: Otto mit seinen Eltern Adele und Karl, Sohn Benjamin und seiner ersten Ehefrau Manuela. Das Bild ist aus dem Jahr 1988

Mitte der 80er-Jahre entdeckt Otto sein Kinogesicht. Seine erste Produktion hat den einfallsreichen Titel "Otto - Der Film". Das hindert die Zuschauer aber nicht, fleißig das Kino zu stürmen. Bis heute gilt der Film laut "Guinness-Buch der Rekorde" als erfolgreichste deutsche Produktion. Auch die Nachfolger finden noch Anklang beim Publikum, allerdings nicht mehr ganz so stark. 2004 und 2006 schafft Otto es mit seinen beiden Filmen "7 Zwerge - Männer allein im Wald" und "7 Zwerge - Der Wald ist nicht genug" wieder an alte Erfolge anzuknüpfen. Seinen letzten Kassenhit landet er im Dezember 2010: "Otto's Eleven" spielt, wie die meisten seiner Filme, ebenfalls in der Heimat Ostfriesland.

An die hat der Komiker auch heute noch die schönsten Erinnerungen - und ebenso die Stadt Emden an ihn. 1987 widmet Emden ihm "Dat Otto Huus", wo Exponate aus Ottos Anfangszeiten und ein großer Merchandising-Shop stehen, denn die Begeisterung für Ottos "Ottifanten" ist ungebrochen. Doch wie ist er auf sein Markenzeichen gekommen? "Ich habe schon immer gerne gezeichnet, und bei einem Selbstporträt habe ich mich von der Seite gezeichnet: Glubschaugen und die Nase ziemlich lang, und das sah aus wie so ein Elefant." Als Vorlage dienen manchmal recht bekannte Maler: da Vinci, Michelangelo, Rembrandt. Ottos Werken wurde sogar eine Ausstellung gewidmet - in der Hamburger Galerie von Udo Lindenberg.

Leber an Großhirn: Wo bleibt der Alkohol?

Otto ist kein Mann der Exzesse. Alkohol, Drogen, wilde Partys - all das ist aus seinem Umfeld nicht bekannt. Er ist ganz Friesenjung und sein Elixier ist die Tee-Zeremonie. "Das ist Meditation friesisch. Tee ist eine Droge, die happy macht - mit drei Geschmäckern. Einen Kandis rein, dann Tee, dann Sahne - aber nie umrühren! Sonst wird's Brühe!" Relativ zurückgezogen lebt er lange Zeit mit seiner zweiten Ehefrau, der Schauspielerin Eva Hassmann, in einer Elbvilla in Hamburg Blankenese. Die beiden führen eine offene Ehe, gestehen dem Partner Dates mit anderen zu. Doch das Glück ist nicht von Dauer - seit 2012 ist das Paar geschieden. Eva Hassmann ist ausgezogen, Otto ist in dem Haus geblieben. Dort ist auch sein aus der Ehe mit Manuela Ebelt entstandener Sohn Benjamin, geboren 1987, gern gesehener Gast. Aktuell ist Otto, der eine Schwäche für romantische Hochzeiten hat, auf Brautschau: Er habe ständig Dates, gibt er gegenüber der Zeitschrift "Bunte" zu. Er suche eine Partnerin, die sein Künstlerleben mitführe. Dann sei auch eine dritte Ehe nicht ausgeschlossen.

Der Mann, der mit dem Föhn spricht

Zum Reifen hat er eigentlich keine Zeit. Wenn Otto nicht arbeitet, dann geht er seinen zahlreichen Hobbys nach: Fliegen, Tennis, Golfen. Dabei kann er wunderbar entspannen und neue Ideen aushecken. Sehr kreativ machen ihn auch Abstecher zu seinem Zweitwohnsitz in Florida, wo er völlig unerkannt ein normales Leben führen kann. Eher leise wird der Mann der lauten Töne, wenn es um sein soziales Engagement geht. Oft ist er als Besucher in Hospizen unterwegs, um kranken Kindern das Lachen zu schenken.

Ans Aufhören denkt der Komiker im Rentenalter allerdings noch lange nicht. Es zieht ihn immer wieder zurück auf die Bühne und die Auftritte machen ihm mit steigendem Alter sogar noch mehr Spaß: "Eigentlich genieße ich fast jeden Auftritt, komischerweise um so mehr, je weniger mir noch bleiben" - sein Publikum kennt und liebt ihn seit mittlerweile mehr als 50 Jahren.