Stand: 13.01.2016 10:30 Uhr

Jan Fedder - Hamburger Jung und Publikumsliebling

von Kathrin Weber, NDR.de

Den Polizisten Dirk Matthies vom "Großstadtrevier", Bauer Kurt Brakelmann in der Serie "Neues aus Büttenwarder" oder den Taucher Jan Hinrichs in der Buchverfilmung "Der Mann im Strom": Jan Fedder spielt meist typisch norddeutsche Charaktere - hart aber herzlich. Auch privat ist er eher ein Raubein, einer, der sich nicht an Konventionen hält und sich nicht verbiegen lässt. Und genau so liebt ihn das Publikum: Mehrfach wählten ihn die NDR Zuschauer zum beliebtesten Schauspieler des Nordens.

Der Schauspieler Jan Fedder © dpa-Report

Ganz einfach - Jan Fedder

Jan Fedder gehört zu den beliebtesten Schauspielern Deutschlands. Der Film zeigt das bewegte und bewegende Leben dieses Hamburger Originals und porträtiert auch den Privatmenschen.

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Jan Fedder wird am 14. Januar 1955 als waschechter Hamburger Jung geboren. Seine Vorfahren fuhren alle zur See, er wächst als Sohn eines Kneipenwirtes und einer Revue-Tänzerin im Stadtteil St. Pauli auf. Im Alter von zehn Jahren beginnt er mit dem Schauspielunterricht, mit 13 steht er das erste Mal in seiner Heimatstadt auf der Bühne: in "Unsere kleine Stadt" am Ernst-Deutsch-Theater.

Filmrolle im Welterfolg "Das Boot"

Nach der Schule macht Fedder eine Ausbildung als Speditionskaufmann, arbeitet aber nie in dem Beruf. Stattdessen spielt er weiter Theater, unter anderem an der Württembergischen Landesbühne Esslingen (1974 - 1976). Nach kleineren Fernsehauftritten wird er 1981 als schnoddriger Bootsmann Pilgrim in Wolfgang Petersens Welterfolg "Das Boot" einem größeren Publikum bekannt. Danach folgen Rollen unter anderem in "Superstau" (1991) sowie Gastauftritte in TV-Krimi-Reihen wie "Tatort".

Weggefährten über Jan Fedder

  • Peter Heinrich Brix, Schauspieler:

    "Ich sehe Jan als Gesamtkunstwerk. Ich denke, man sollte ihn so nehmen, wie er ist, und das ist eine ganze Menge. Ich meine, wenn man mit seiner Klatsche Geld verdienen kann, dann ist man doch weit vorne."

  • Marion Fedder, Ehefrau:

    "Er braucht sich fast gar nicht auf Rollen vorzubereiten. Es dauert zwei, drei Tage, dann ist er die Rolle. Das geht ganz schnell. "

  • Maria Ketikidou, Schauspielerin:

    "Drehen, am Set sein, das braucht er wie die Luft zum Atmen."

  • Markus Trebitsch, Produzent:

    "Für mich ist das die größte Symbiose aus einer ziemlich großen Klappe und einem großen Herzen. Und beides hat er."

  • Norbert Eberlein, Drehbuchautor:

    "Er hat dieses Hauptdarsteller-Gen. Wenn er in einer Szene drin ist, ist es eine Fedder-Szene."

  • Tim Mälzer, Koch:

    "Jan ist Freizeitvegetarier. Jan isst Wurst, weil er Wurst nicht als Fleisch bezeichnet. Wurst ist Wurst, das ist für ihn etwas anderes."

  • Axel Milberg, Schauspieler:

    "Für mich besteht der Kern des Berufes Schauspieler aus dem 'Sich-Verbiegen'. Jan kürzt das ab und sagt: 'Ich lass mich nicht verbiegen.' Aber Recht hat er: Für ihn, für sich, hat er seine eigenen Gesetze, die hat er durchgezogen und ist dabei auch mutig."

  • Markus Trebitsch, Produzent:

    "Was er nicht will, macht er nicht. Er ist nicht verführbar, nicht zu kaufen - der Typ ist unbestechlich. Er muss etwas wollen und dann ist er gut."

  • H.P. Baxxter, Scooter-Frontmann:

    "Jan ist ja passionierter Sammler von allen alten Gegenständen. Also nicht nur Autos, auch Möbel und alles Mögliche. Ich war mal bei ihm, das war unglaublich. Da kannste ja drei Museen draus machen ... was der alles hat!"

  • Tim Mälzer, Koch:

    "Er sammelt wirklich alles - also alles, was eine Geschichte hat. Jan ist ein ganz moderner Geschichtenerzähler und das macht ihn so besonders. Das macht ihn so liebenswert und ich glaube, deshalb mögen ihn die Menschen auch. Weil er nicht eine Rolle spielt, sondern Geschichten erzählt. Man hört ihm einfach wahnsinnig gerne zu."

  • Markus Trebitsch, Produzent:

    "Er ist sehr ehrlich, der lügt wirklich nicht. Er hat keine Uhr, kein Handy, geht grundsätzlich auch nicht ans Telefon - was mich immer fuchst, weil manchmal muss man auf Gottvater zwei oder drei Tage warten, bis er dann zurückruft. Dann sagt er: 'Warum regst du dich eigentlich auf? War doch klar, dass wir das sowieso so machen!'"

  • Fatih Akin, Regisseur:

    "Ich hatte ihn ja eigentlich schon für 'Gegen die Wand' besetzt. Aber ich habe ihn rausgeschnitten, weil es zu lustig war. Aber es lag nicht an Jan. Jan war großartig."

  • Maria Ketikidou, Schauspielerin:

    "Der ist Rock 'n' Roll. Das macht ihn sexy."

  • Peter Heinrich Brix, Schauspieler:

    "Er kann unglaublich viel einstecken. Ich kenne niemanden, der mehr einstecken kann. Er jammert nie."

  • Tim Mälzer, Koch:

    Wir sind nicht über die Kulinarik zueinander gekommen, sondern über die Freundschaft. Die ist entstanden, als ich in die Medien gekommen bin und er mir ein sehr väterlicher Freund wurde. Gerade zu Zeiten, als es mir nicht ganz so gut ging - ich hatte ja mal ein Burn-out - war Jan wirklich der Fels in der Brandung."

  • Markus Trebitsch, Produzent:

    "Ich hatte mal eine persönliche Situation, da ging es mir sehr, sehr schlecht. Und da stand er plötzlich vor der Tür - ich glaube, das sagt alles. Ich hatte ihm das gar nicht erzählt, er hat's irgendwie rausgefunden. Und da stand er und sagte: 'Könnte sein, dass du mich jetzt brauchst, immer wenn ich dich brauche, bist du auch da. Kann ich reinkommen?' - und dann haben wir geredet und dann war gut."

  • H.P. Baxxter, Scooter-Frontmann:

    "War haben uns kennengelernt auf Ibiza und waren sofort auf einer Wellenlänge. Er hat auch Ecken und Kanten und solche Leute mag ich immer am liebsten. Auf den kann man sich verlassen und auch nachts anrufen, wenn was ist - der wäre einfach da. Er ist zuverlässig wie ein Mercedes und urig wie seine Trecker."

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Als Kiez-Polizist Matthies seit 20 Jahren auf Streife

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Dirk Matthies (Jan Fedder) und Ellen Wegener (Mareike Carrière, l.) in einer Folge der Serie "Großstadtrevier" aus dem Jahr 1993.

"Ich bin der Neue" - mit diesen Worten trat Jan Fedder als Dirk Matthies 1992 seinen Dienst im Großstadtrevier auf dem Hamburger Kiez an. Die Fernseh-Serie, die inzwischen Kult-Status hat, machte ihn bundesweit bekannt. Als Streifenpolizist Dirk Matthies kümmert er sich darin - wie kann es anders sein - um die großen und kleinen Nöte der Bewohner des Kiezes rund um den Hamburger Hafen. Die Rolle ist ihm auf den Leib geschneidert: Matthies beherrscht den rauen Ton des Kiezes und lässt es an Härte nicht missen. Er hat aber auch Herz und setzt sich, wenn nötig, für die kleinen Leute ein - auch wenn sie den Pfad der Tugend einmal verlassen haben.

Bauer Brakelmann aus Büttenwarder

Nicht weniger erfolgreich und ebenfalls schon Kult ist die NDR Serie "Neues aus Büttenwarder". Fedder mimt darin - an der Seite von Peter Heinrich Brix ("Adsche") - den Bauern Kurt Brakelmann. Der sorgt in dem Dorf auf dem platten Land, wo eigentlich nicht viel los ist, immer wieder für Aufregung, wenn er auf trickreiche Art und Weise das ganz große Geschäft zu machen versucht. Die erste Folge von "Büttenwarder" war Weihnachten 1997 im Rahmen der "Heimatgeschichten" zu sehen. Wegen des großen Erfolges wurde aus der Dorfgeschichte eine Serie.

Deutscher Fernsehpreis für "Der Mann im Strom"

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Mal was anderes - Fedder als Taucher in "Der Mann im Strom".

In rund 250 Filmen hat Fedder bisher mitgespielt, die nach seinen eigenen Worten "nicht alle preisverdächtig" sind. Aber nicht immer konnte sich der Schauspieler, besonders am Anfang der Karriere, seine Rollen aussuchen. Für die Hauptrolle in "Der Mann im Strom", einer Verfilmung des gleichnamigen Romans des 2014 verstorbenen Siegfried Lenz, hat sich Fedder allerdings ganz bewusst entschieden: "Ich bin einfach froh, dass ich in dieser Produktion einmal eine andere Facette zeigen kann. Wenn man so intensiv mit einer Serie verbunden ist wie ich mit dem 'Großstadtrevier', hat man nicht oft die Gelegenheit dazu." Er spielt in dem Film einen Taucher im Hamburger Hafen, der seine Papiere fälscht, um an einen Job zu kommen, und sich damit erpressbar macht. Für die Darstellung erhält er 2006 den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie "Bester Schauspieler Fernsehfilm".

An diesen Erfolg knüpft Fedder in den folgenden Jahren an und spielt in zwei weiteren Verfilmungen, die auf Erzählungen von Siegfried Lenz basieren. "Das Feuerschiff" (2008) und "Die Auflehnung" (2010). Beide Produktionen kommen bei Publikum und Kritikern gut an, Fedder wird für seine schauspielerischen Qualitäten gelobt. Gleichzeitig entwickelt er eine tiefe Zuneigung zu dem Schriftsteller. Sein Verhältnis zu Lenz beschreibt er in einem Interview mit dem Kulturjournal schmunzelnd: "Ich liebe ihn. Er ist gütig, er ist schlau, er ist liebenswert. Wenn ich ihn sehe, geht mein Herz auf und dann möchte ich ihn beschützen, wie man seinen Großvater vor allem Unbill dieser Welt beschützen möchte." Und Siegfried Lenz gesteht: "Jan Fedder ist ein Schauspieler, den ich einfach gern habe. Das geht so weit, dass ich für den Rest meines Lebens, das, was ich schreibe, insgeheim an ihn adressieren werde; in der Hoffnung, das kann nur Jan Fedder spielen."

Vegetarier, Sammler und Musiker

Privat sammelt Fedder, der sich seit 50 Jahren überwiegend vegetarisch ernährt, leidenschaftlich alte Fahrzeuge. Auf seinem Bauernhof in Schleswig-Holstein bei Itzehoe, wo er meist die Wochenenden verbringt, hat er sich ein kleines Privatmuseum eingerichtet und hortet dort seine Schätze. Dazu gehören Autos, Trecker, Motorräder und Antiquitäten. Sein absolutes Lieblingsstück ist ein Messerschmitt-Kabinenroller. In seiner Freizeit bastelt der Schauspieler gern an den Motoren seiner Sammlerstücke herum. Zudem ist er Musiker und hat sich als Leadsänger der Rockband Big Balls, die bereits zwei CDs veröffentlicht hat, einen Namen gemacht. Jan Fedder ist seit 2000 verheiratet.

Krankheitsbedingte Drehpausen

Im Herbst 2012 muss Fedder wegen eines Krebsverdachts eine mehrmonatige Drehpause einlegen. Wegen seiner Auszeit fehlt er als Bauer Brakelmann bei zwei Folgen von "Neues aus Büttenwarder" und kann an den Drehs zur 26. Staffel vom "Großstadtrevier" nicht teilnehmen. In der 27. Staffel ist der Kult-Polizist wieder mit am Start, fehlt aber im Herbst 2014 bei den Dreharbeiten zur 28. Staffel erneut aus gesundheitlichen Gründen. Mittlerweile ist Fedder in die Serie zurückgekehrt: In der 29. Staffel ist er aber nicht mehr als Polizeioberkommissar unterwegs, sondern geht als Milieuermittler in Zivil auf Verbrecherjagd.

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