Dossier: Der Streit um die Atomkraft
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Asse II: Bis 1978 wurden hier radioaktive Abfälle eingelagert.
Die Schachtanlage Asse II bei Wolfenbüttel ist ein ehemaliges Salzbergwerk, in dem von 1965 bis 1995 die Endlagerung radioaktiver Abfälle in Salzformationen erforscht wurde. Die Arbeiten in der Asse sollten zeigen, ob Salzstöcke - wie auch in Gorleben - als Endlager für Atommüll dienen können.
Die Asse liegt östlich von Wolfenbüttel, knapp 20 Kilometer von Niedersachsens zweitgrößter Stadt Braunschweig entfernt.
Von 1967 bis 1978 wanderten rund 126.000 Fässer mit schwach und mittel radioaktiven Abfällen unter die Erde. Was genau in den Behältern lagert, ist bis heute unklar. Die Asse war das weltweit erste unterirdische Lager für Atommüll. Die Genehmigung verlief problemlos, ein Planfeststellungsverfahren war gesetzlich noch nicht vorgeschrieben.
Die Abfälle stammen aus dem Betrieb, der Stilllegung und dem Abbau kerntechnischer Einrichtungen sowie in geringen Mengen aus der Verwendung von radioaktiven Stoffen in Forschung, Industrie und Medizin. Typische Abfälle sind Filter, Schrott, Flüssigkeiten, Schlämme oder Mischabfälle. Der weitaus größte Teil der Fässer kommt nach Angaben des Betreibers, des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), aus den Anlagen der Energieversorger E.ON, Vattenfall Europe, RWE und EnBW.
"Glück auf": Möglicherweise bleibt von der Anlage bald nur noch der Förderturm erhalten.
Das aktuell größte Problem ist die Einsturzgefahr für die Grube - täglich sickern rund zwölf Kubikmeter Wasser von außen ein. 1995 begann die Verfüllung des Bergwerkes. Die Stollen werden seitdem mit altem Salz vor allem aus der Kaligrube Ronnenberg bei Hannover verfüllt. Die verbleibenden Hohlräume sollen anschließend mit einer Magnesiumchlorid-Lösung geflutet werden, um Einstürze zu verhindern. Gegner der Lagerung befürchten, dass dadurch radioaktive Stoffe in die Umwelt gelangen könnten.
Betreiber der Asse war bis Ende 2008 das Helmholtz Zentrum München. Nachdem ein Bericht des niedersächsischen Umweltministeriums jedoch zahlreiche Missstände beim Betrieb des Versuchsendlagers aufgezeigt hatte, ging die Anlage zum 1. Januar 2009 in die Verantwortung des BfS über. Politisch zuständig ist damit das Bundesumweltministerium und nicht mehr das Forschungsministerium, das Mehrheitsgesellschafter des Helmholtz Zentrums ist. In die Kritik geriet auch das niedersächsische Landesbergamt, das Informationen über die Probleme in der Asse nicht an die Spitze des Landesumweltministeriums weitergeleitet haben soll.
Das ehemalige Kalibergwerk wird nun wie ein atomares Endlager behandelt: Es gilt nicht mehr das Bergrecht, sondern das strengere Atomrecht. Das hat zur Folge, dass die Behörden beim weiteren Vorgehen die Öffentlichkeit genauer als bisher informieren müssen.
Von März 2008 an arbeitete eine Expertengruppe unter Federführung des BfS an verschiedenen Optionen zur Schließung der maroden Schachtanlage. Im Fokus stand dabei die Frage, was mit den Tausenden Fässern voller strahlendem Müll passieren soll.
Nach der Prüfung mehrerer Optionen zur sicheren Schließung der Asse entschloss sich das BfS im Januar 2010, alle radioaktiven und chemischen Abfälle aus den Kammern herauszuholen. Der radioaktive Müll soll oberirdisch zwischengelagert, neu verpackt und später in ein Endlager gebracht werden. Derzeit läuft eine Probephase zur Bergung der Fässer. Für die Sanierung der Asse sollen Einnahmen aus der Brennelementesteuer genutzt werden, an der die Regierung auch nach dem Atomausstieg festhält.
Allein in Deutschland produzieren Atomkraftwerke jährlich 450 Tonnen hochradioaktiven Müll. Die ausgebrannten Brennstäbe werden allerdings nicht endgültig entsorgt, sondern nur zwischengelagert. Weltweit wurde noch kein Endlager für die hochradioaktiven Abfälle errichtet. Die Anforderungen an ein derartiges Lager sind immens - die alten Brennstäbe müssten für den unvorstellbaren Zeitraum von einer Million Jahre sicher verwahrt werden. Atomkraftgegner halten eine wirklich sichere Endlagerung für unmöglich und fordern deshalb die sofortige Abschaltung der Atomkraftwerke.