Stand: 04.02.2010 19:25 Uhr  | Archiv

Stasi-Gründung: "Schild und Schwert der Partei"

von Beatrix Hasse
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Die Stasi-Zentrale hatte ihren Sitz im Ostberliner Bezirk Lichtenberg.

"Vorschläge der SED wurden Gesetz" titelte die Schweriner Landes-Zeitung am 9. Februar 1950. Das Blatt informierte gewohnt ausschweifend über die Ergebnisse der zehnten Plenarsitzung der Volkskammer vom Vortag. Wichtigstes Thema war der Beschluss eines neuen Jugendgesetzes. Die bedeutendste Neuigkeit fand sich aber nur als Randnotiz am Ende des Textes: "Ein Gesetz über die Errichtung eines Ministeriums für Staatssicherheit wurde nach der Begründung durch Innenminister Karl Steinhoff gleichfalls angenommen." Welche Folgen dieser eine Satz für sie haben würde, ahnten die Schweriner Leser wohl an diesem Tag noch nicht.

Ein flächendeckendes Überwachungsnetz

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Wie arbeitete die Stasi?

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Das Ministerium für Staatssicherheit war ein gigantischer Apparat mit 182.000 inoffiziellen Mitarbeitern, die ihre nächste Umgebung "zum Schutz der DDR" bespitzelten. Audio (03:54 min)

Mit der Gründung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) am 8. Februar 1950 begann der systematische Ausbau eines flächendeckenden Überwachungsnetzes in der DDR, der bis zum Wendejahr 1989 andauerte. Zuletzt arbeiteten DDR-weit etwa 91.000 hauptamtliche und rund 180.000 inoffizielle Mitarbeiter für den geheimen Nachrichtendienst. Die Stasi war zugleich politische Geheimpolizei und Organ für strafrechtliche Untersuchungen und ging auch gezielt gegen Oppositionelle und Andersdenkende in der DDR-Bevölkerung vor. Sie wurden häufig Opfer perfider Überwachungs,- Zuführungs- und Verhörmethoden.

Auch vor dem Einsatz sogenannter Zersetzungsmethoden scheute die Stasi nicht zurück. Dazu gehörten etwa "die systematische Diskreditierung des öffentlichen Rufs" oder "das Erzeugen von Misstrauen und gegenseitigen Verdächtigungen".

Definition des Feindbildes

Innenminister Steinhoff hatte die Gründung des neuen Staatssicherheitsministeriums damit gerechtfertigt, dass es dessen Aufgabe sein werde, volkseigene Betriebe und das Verkehrswesen zu schützen, Saboteure zu entfernen und einen rücksichtslosen Kampf gegen Banditen in den eigenen Reihen zu führen. Das Feindbild des noch jungen Staates DDR war damit definiert - und ließ genügend Spielraum für eine großzügige Auslegung der Begriffe seitens der SED-Regierung.

Eine Woche später wurden die Personalien bekannt gegeben: Chef des neuen Ministeriums mit Hauptsitz in der Berliner Normannenstraße wurde Wilhelm Zaisser, der das Vertrauen der sowjetischen Besatzungsmacht genoss. Der spätere Stasi-Chef Erich Mielke bekam zunächst nur den Posten als Staatssekretär.

"Schild und Schwert der Partei"

Der neue Geheimdienst nach sowjetischem Vorbild hatte die Aufgabe, Beschlüsse der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) umzusetzen - und in ihrem Sinne zu handeln. Die Stasi verstand sich deshalb als "Schild und Schwert der Partei". "Zunächst gab es die Landesverwaltungen in den fünf Ländern", erklärt Jens Gieseke vom Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam, der jahrelang als Mitarbeiter der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU) zum Thema geforscht hat. "Der eigentliche große Einschnitt war das Jahr 1952, in dem mit der Umstellung auf Bezirke dann auch 15 Bezirksverwaltungen gegründet wurden."

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Unter der Regierung von Walter Ulbricht begann die Stasi, ihr Überwachungsnetz auszubauen.

Gleichzeitig baute das Ministerium für Staatssicherheit Kreisdienststellen in allen Stadt- und Landkreisen auf - und seinen Personalbestand massiv aus. Auf der 2. Parteikonferenz der SED im Juli 1952 hatte Walter Ulbricht zuvor die "Verschärfung des Klassenkampfes" angekündigt. In der Folge verdoppelte die Stasi nahezu ihren Personalbestand an hauptamtlichen Mitarbeitern auf rund 8.800.