Zaubernacht

Kurt Weill komponierte die Kinderpantomime "Zaubernacht" im Jahr 1922 als Meisterschüler in Ferruccio Busonis Kompositionsklasse an der Preußischen Akademie der Künste in Berlin. Es war sein erstes Bühnenwerk und basierte auf einem Szenarium des russischen Theaterimpresarios und Dichters Wladimir Boritsch. Die Uraufführung fand am 18. November 1922 im Berliner Theater am Kurfürstendamm statt, der mehrere Vorstellungen folgten. Noch ein zweites Mal wurde das Werk im Dezember 1925 am New Yorker Garrick Theatre inszeniert, bevor das Notenmaterial in den 30er-Jahren verloren ging.

Zeitgenössisches Tanztheater

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Die Musik von Kurt Weill begleitet die fantasievollen Bilder und Tänze.

Als das Wiedererscheinen der Originalnoten bekannt wurde, gelang es dem aus Musikern der NDR Radiophilharmonie bestehenden Arte Ensemble, sich die Erstaufführungsrechte zu sichern und das Werk im Rahmen des Musikfestes Stuttgart 2010 als weltweit erste Aufführung seit der Uraufführung zu präsentieren. Diese Inszenierung, für die Nina Kurzeja mit ihrem Tanztheater eine moderne, zeitgenössische Tanzsprache umsetzte, war in der Kammermusik-Matinee Extra zu erleben.

Träumende Kinder und tanzende Puppen

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Die Sopranistin Ania Vegry lässt die Puppen tanzen.

Die fantasievolle Instrumentation des knapp einstündigen Werkes für ein neunköpfiges Ensemble umfasst Flöte, Fagott, Schlagwerk, Klavier und fünf Streicher. Die Pantomime handelt von einem Geschwisterpaar, das in seinem Kinderzimmer einschläft. Um Mitternacht erscheint eine Fee, gespielt von der hannoverschen Sopranistin Ania Vegry, die mit ihrem Lied alle Spielzeuge zum Leben erweckt. Damit beginnt eine Reihe von nächtlichen Abenteuern und Tänzen der träumenden Kinder mit ihrem Spielzeug, die erst beendet wird, als die Mutter ins Zimmer kommt und die Vorhänge im Kinderzimmer aufzieht.