"Into Iceland": Kammermusik von der Insel

Jonathan Stockhammer leitet das neu gegründete NDR Kammerorchester in der Elbphilharmonie. Der amerikanische Dirigent gilt unter anderem als Experte für neue Musik und innovative Projekte.

Die isländische Cellistin Sæunn Thorsteinsdóttir und das NDR Kammerorchester spielten im Rahmen des "Into Iceland"-Festivals Werke von Bjarnason, Anna Thórvaldsdóttir und anderen isländischen Komponisten.

Besetzungsänderung

Mit großem Bedauern hatte Daníel Bjarnason seine Absage für das Konzert mit dem NDR Kammerorchester am 10. Februar beim "Into Iceland"-Festival bekannt gegeben. Der Dirigent und Komponist konzentrierte sich derzeit auf die Fertigstellung seiner Oper und hatte hierfür alle derzeitig anstehenden Dirigierverpflichtungen abgesagt. Jonathan Stockhammer übernahm das Dirigat.

"Into Iceland"-Festival
Fr, 10.02.2017 | 18 Uhr
Elbphilharmonie Hamburg, Kleiner Saal (Platz der Deutschen Einheit 1)

Jonathan Stockhammer Dirigent (für Daníel Bjarnason)
Sæunn Thorsteinsdóttir Violoncello
NDR Kammerorchester

ANNA THORVALDSDÓTTIR
"Ró"
HAUKUR TÓMASSON
"Stemma"
ATLI INGÓLFSSON
"Object of Terror"
PÁLL RAGNAR PÁLSSON
"Quake"
für Violoncello und Kammerorchester
(Uraufführung, gemeinsames Auftragswerk von NDR und Los Angeles Philharmonic Orchestra)
DANÍEL BJARNASON
"Over Light Earth"
1. Over Light Earth
2. Number 1, 1949

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Mehr als "Huh"

Zu den nachhaltigsten Eindrücken, die Isländer im kollektiven Klanggedächtnis Europas hinterlassen haben, zählt ihr Anfeuerungsruf bei der EM 2016: zweimal klatschen und dann im Chor ein kräftiges "Huh". Hier meldete eine Nation von gerade einmal 300.000 Menschen ihren Anspruch an, in Europa ganz vorne mitzuspielen. Und das gilt nicht nur im Fußball. Auch isländische Musik ist gewaltig im Kommen.

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Island, mit seiner beeindruckenden Natur, beeinflusst auch die Musik von Anna Thórvaldsdóttir.

Die isländischen Musikszene mag eine kleine geografische Basis haben, verfügt aber dafür umso mehr über einen globalen künstlerischen Horizont. Bjarnasons "Over Light Earth" entstand im Auftrag des Los Angeles Philharmonic Orchestra und ist von den Bildern der New York School, insbesondere von Mark Rothko und Jackson Pollock, inspiriert. Haukur Tómasson schöpft in "Stemma" dagegen aus den Quellen der isländischen Folklore, verarbeitet das Volksliedmaterial aber zu avantgardistisch-irisierenden Klangflächen.

Das Island-Gefühl

Der Aura ihrer Heimat, dem überwältigenden Eindruck der isländischen Natur, können und wollen sich die meisten isländischen Komponisten nicht entziehen. Auf den Covers ihrer CDs erscheinen sie allzu gerne als einsame Figuren inmitten einer grandiosen Landschaft. Naturstimmungen, aber auch Einsamkeit und Melancholie werden in den Titeln vieler ihrer Werke beschworen. Typisch für dieses Island-Gefühl ist die Musik von Anna Thórvaldsdóttir, der Titel ihres Oktetts "Ró" (Ruhe) ist Programm.

Das Festival

"Into Iceland"-Festival

Bei ihrem dreitägigen Festival "Into Iceland" in der Elbphilharmonie erkundeten die NDR Ensembles gemeinsam mit NDR Kultur und N-JOY die isländische Musik- und Literaturszene. mehr